Friseurunternehmer Burak Aydogdu aus München entwickelt eine KI-Lösung für Salons, die über die Branche hinaus für Aufmerksamkeit sorgt.
Inhaltsübersicht
- Tellmin gibt es nicht mehr
- Aus der Branche für die Branche
- Großes Interesse von Großen
- Hilfe von Microsoft-Chefin
- NOHI BEAUTY
Auch wenn Ideen gut sind, gehen manche Dinge erst beim zweiten Anlauf so richtig auf. Diese Erfahrung musste auch Friseurunternehmer Burak Aydogdu machen. Er betreibt die Styling Lounge 61 im Mercedes Benz Center in München und erfand die KI-Softwarelösung Tellmin (TH hat berichtet).
Tellmin gibt es nicht mehr
Heute, ein gutes Jahr später, ist alles anders: Tellmin gibt es nicht mehr, Burak Aydogdu und seine Geschäftspartner gehen getrennte Wege. „Es kam zu Unstimmigkeiten mit dem Software-Entwickler“, sagt Aydogdu. Er habe den Code für die Software zunächst verkaufen wollen, am Ende ging er dann aber zu einem Software-Partner für Friseure, mit denen der Entwickler zusammenarbeitete. Er erhoffte sich davon sicherere Zukunftsaussichten, sagt Burak Aydogdu bedauernd. Programmierer weg, Code weg – am Ende trennten sich auch die anderen Geschäftspartner. Eine bittere Pille, die der Friseur schlucken musste. Jetzt will er mit seiner neuen Firma NoHi BEAUTY und einer weiterentwickelten KI-Lösung für Salons durchstarten. Große Unternehmen stärken ihm dabei den Rücken.
Aus der Branche für die Branche
In Emre Cilesiz hat er nicht nur einen Mitgründer gefunden, sondern auch einen neuen Software-Entwickler, der Aydogdus geballtes Wissen über Abläufe im Salon in die KI-Software einarbeitet und umsetzt. Wie beim Vorgänger-Modell Tellmin gehört zur Basic-Anwendung der KI die Terminverwaltung: Per WhatsApp können Termine als Sprach- oder Textnachricht angefragt werden und innerhalb weniger Sekunden antwortet die künstliche Intelligenz.
„Unser USP ist, dass NoHi wirklich aus der Branche, vom Friseur kommt“, erklärt Burak Aydogdu. So kann die KI nicht nur zu Produkten und Services beraten, sondern, wenn ein Online-Shop vorhanden, auch Bestellungen entgegennehmen. Sie steuert zudem das Management-Tool: Ist ein*e Mitarbeiter*in krank, informiert sie die Kund*innen, sagt Termine ab und bietet Ersatz an. Gehen Produkte zur Neige, sorgt eine Schnittstelle zum Vertriebspartner dafür, dass dort direkt eine digitale Bestellung eingeht. Auch im Marketing soll die KI für Erleichterung sorgen: Man kann sich Werbekampagnen erstellen und Online-Plattformen bespielen lassen oder Kunden kategorisieren und spezielle Kampagnen für bestimmte Zielgruppen generieren.
Auch intern kann NoHi die Kommunikation vereinfachen: Eine Chatfunktion, die vom Smartphone oder dem PC aus bedient werden kann, ist integriert. „Der Gedanke hinter all dem ist, dass wir Abläufe effizienter gestalten und die Arbeit erleichtern“, erklärt Burak Aydogdu seinen Anspruch: „Ich will, dass jeder Friseur seine Leidenschaft fürs Handwerk beibehalten kann. Wenn wir für eine Premium-Dienstleistung 400, 500 Euro nehmen, dann muss der Fokus auf der Kreativität sein, da darf uns keine Bürokratie im Wege stehen. Friseur*innen sollen wieder Spaß an ihrem Handwerk haben und die Qualität erhöhen.“
Nach eigener Aussage gibt es eine solche Lösung in dieser Qualität noch nicht auf dem Markt – und der Unternehmer erklärt auch warum: „Das Problem ist, bestehende Systeme an die KI anzubinden. Das kann eigentlich nur von Null aufgebaut werden. Bestehende Softwarefirmen sind nicht bei Null und können nicht auf Null zurückfahren.“ Deshalb bereite ihnen die KI immer Probleme, so der Friseur.
Großes Interesse von Großen
Dass er mit NoHi etwas Großes verfolgt, merken Burak Aydogdu und sein Partner Emre Cilesiz auch an den Reaktionen großer Player: Es werden Kooperationsgespräche mit Wella geführt, erste Verträge für die Aufnahme ins Microsoft-Partnerprogramm werden unterzeichnet, große Namen wie Ionos, Verlage und die Plattform booking.com zeigen Interesse, berichtet der Friseur.
Hilfe von Microsoft-Chefin
Derzeit geht das KI-Tool in Deutschland an den Start, als Nächstes folgen Österreich und die Schweiz, und schließlich soll es das Angebot von NoHi europaweit geben. „Natürlich ist es unser Ziel, zu wachsen und langfristig den globalen Markt zu erobern“, sagt Burak Aydogdu.
Nachdem Microsoft-Deutschland-Chefin Agnes Heftberger auf ihrem LinkedIn-Profil das Start-up des Friseurs vorstellte, sind auch Investoren auf Aydogdu und seinen Partner aufmerksam geworden. Anfang Oktober fand die große Ernst & Young Partnerkonferenz in Mainz mit über 800 Partnern statt. Dort hielt Agnes Heftberger eine Präsentation, in der sie ihren Friseur Burak Aydogdu als KI-Vorreiter der Friseurbranche vorstellte. Sie habe auf der Bühne darüber gesprochen, wie man als Friseur im Handwerk neue Wege gehen und mit KI die Branche revolutionieren kann, berichtet Aydogdu: „Das war ein unglaublicher Moment und für mich persönlich eine echte Revolution in der Wahrnehmung unseres Berufs!“

NOHI BEAUTY
NoHi BEAUTY – Der Name setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der beiden Kinder von Burak Aydogdu zusammen. Sie seien bei all seinem Tun sein Antrieb, sagt der Familienvater im Interview. Derzeit besteht das NoHi-Team aus sechs Personen.
Mehr Infos: nohiglobalsolutions.com
Insta: @nohibeauty; @burak.a.90
Text: Yvonne Rieken
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