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Foto: Andreas Hermsdorf _pixelio.de

20.02.2019

Zinsversprechen gut überprüfen!

Das Bewusstsein für seriöse Geldanlagen schärfen und erkennen, welche Anlagealternativen sich wirklich lohnen. Unser Finanzexperte Michael Vetter gibt Hilfestellung dabei.

Die seit Jahren anhaltende Niedrig- bzw. Nullzinsphase setzt sich fort. Ein kontinuierlicher Vermögensaufbau auf herkömmlichem Wege ist fast nicht mehr möglich. Das beeinträchtigt sowohl die spätere Altersabsicherung als auch den Aufbau einer Liquiditätsreserve, auf die man für Anschaffungen oder Investitionen zurückgreifen kann. In dieser Situation ist es verständlich, wenn Betriebsverantwortliche sich an sprichwörtliche Strohhalme verschiedener Anbieter von Finanzprodukten klammern, die mehr als ein oder zwei Prozent Rendite pro Jahr versprechen. Da „Versprechen“ aber eben nicht immer gehalten werden, sollten Sie sorgfältig prüfen, ob die Zinsversprechen einen (Anlage)-Versuch tatsächlich wert sind.

Hoher Zinssatz = hohes Risiko

Als eine der wichtigsten Regeln gilt, dass ein höherer Zinssatz mit einem höheren Risiko „erkauft“ wird. Anbieter von Finanzofferten zahlen naturgemäß nicht mehr an Zinsen als es ihrem Ruf und damit ihrer Zuverlässigkeit als Schuldner entspricht. Prüfen Sie, ob der Ruf eines Schuldners ein finanzielles Engagement überhaupt zulässt. Danach stellt sich die Frage nach der Qualität des jeweiligen Angebots.

Darüber hinaus ist Investoren zu raten, sich mit einigen Grundlagen verschiedener Anlageprodukte selbst zu befassen und sich nicht ausschließlich auf die Aussagen der Finanzanbieter bzw. Banken zu verlassen. Die vergangenen Jahre haben deutlich gemacht, dass es durchaus hilfreich sein kann, wenn Basiskenntnisse vorhanden sind.

Dies stärkt im Übrigen auch die eigene Verhandlungsposition: Erkennt der jeweilige Anbieter, dass er es mit einem kritischen und kenntnisreichen potenziellen Kunden zu tun hat, steigt meist auch die Qualität der Beratungsgespräche.

Eine erste Orientierung

  1. Unabhängig von der konkreten Anlageentscheidung sollten Sie immer eine kurzfristig verfügbare Liquiditätsreserve, beispielsweise auf einem Tages- oder Termingeldkonto, haben. Nehmen Sie in Kauf, dass diese Reserve mit einer Minimalverzinsung verbunden ist.
  2. Denken Sie bei den mittel- und langfristig verfügbaren Geldern sowohl über eine zeitliche Streuung als auch über eine Mischung innerhalb unterschiedlicher Anlagen nach. Die Konzentration auf lediglich ein oder zwei Anlageformen ist meist mit einem Risiko verbunden. Eine angemessene Risikostreuung verspricht dagegen oft eine bessere Rendite.
  3. Ein wichtiger Grundsatz: der Zusammenhang zwischen der Sicherheit des angelegten Kapitals und dem jeweiligen Anbieter. Jedes Renditeversprechen und jeder Anspruch auf Kapitalrückzahlungen kann nur so realistisch sein wie der Ruf und die Sicherheit des Anbieters. In Zeiten, in denen abhängig von der persönlichen Einschätzung noch nicht einmal mehr Banken und Versicherungsunternehmen als absolut sicher erscheinen, trifft dies erst recht auf private Anbieter und Finanzdienstleister zu.
  4. In spekulative Anlageformen wie Aktien, Investmentfonds aber auch in Edelmetalle wie Gold oder Silber sollte grundsätzlich langfristig investiert werden. Kurzfristerfolge sind hier eher selten. Als Anleger sollten Sie in der Lage sein, die bei Langfristanlagen üblichen Kursschwankungen hinnehmen zu können. Entscheidend ist letztlich das später angestrebte Anlageziel, das erreicht werden soll. Das bedeutet aber nicht, dass Sie beispielsweise zwischenzeitliche Kursgewinne nicht realisieren können.
  5. Kapitalanlagen werden oft mit der Erwartung erheblicher Steuervorteile angepriesen. Auch hier ist Vorsicht geboten. Mögliche Steuervorteile sind nur dann interessant, wenn sowohl Renditeversprechen als auch die Kapitalrückzahlung regelmäßig und termingerecht erfolgen. Dies wiederum hängt wie erwähnt von der Zuverlässigkeit des Anbieters ab. Die steuerliche Seite spielt eher eine Nebenrolle.
  6. Finger weg von Finanzprodukten, deren Konstruktion lediglich der Anbieter versteht. Diese Angebote haben nämlich häufig ein überdurchschnittlich hohes Anlagerisiko.
  7. Auch mit kleineren Beträgen kann man langfristig ein Vermögen aufbauen. Etwa durch monatliche Zahlungen in Sparplänen von Investmentfonds.
  8. Keine Anlageentscheidung ohne regelmäßige Prüfung des Anlageziels und der Qualität des Schuldners. Diese Regel sollten Sie stets einhalten. Sobald erkennbar ist, dass sich an den ehemaligen Entscheidungskriterien wichtige Details, wie zum Beispiel das Renditeziel, geändert haben, kann man bei regelmäßiger Kontrolle meist noch zeitgerecht gegensteuern.
  9. Geldanlagen sind fast alle seitens der Anbieter mit mehr oder weniger hohen Kosten belastet. Da sollte es selbstverständlich sein, diese Kosten immer wieder miteinander zu vergleichen und hartnäckig über deren Höhe zu verhandeln. Vor allem bei Ausgabeaufschlägen von Investmentfonds sowie bei An- und Verkaufsspesen von Wertpapieren ist dies sinnvoll. Wenn Sie mit mehreren Banken zusammenarbeiten, können Sie unmittelbar Kosten vergleichen und entsprechende Verhandlungsspielräume erkennen und nutzen.
  10. Geldanlagen sollten Sie eher nicht mit Hilfe eines Wertpapierkredits finanzieren. Mag der Kreditzinssatz auch noch so günstig sein: Die Wertentwicklung bzw. die Rendite der durch den Kredit ermöglichten Anlage muss neben den Anlagekosten weitere Kreditzinsen pro Jahr erreichen. Selbst dann hat der Anleger aber noch keinen Cent „unter dem Strich“ verdient.
  11. Vorsicht vor Schiffs-, Container- oder sonstigen Industriebeteiligungen. Wer sich hier engagiert, benötigt meist einen sehr langen Anlagehorizont und exzellente Detailkenntnisse. Diese Anlageformen sind etwas für Experten, die sich in der jeweiligen Branche auskennen.

Mögliche Anlageprodukte im aktuellen Zinstief

So kann Ihre Anlagestrategie aussehen, wenn Sie monatlich einen Festbetrag zum kontinuierlichen Vermögensaufbau anlegen und diesen in mehrere Geldanlagen aufteilen wollen. Sollte bei einzelnen Anlageprodukten ein schrittweiser Vermögensaufbau nicht möglich sein, prüfen Sie ein Investment mit einem Festbetrag. Berücksichtigen Sie außerdem eine angemessene Liquiditätsreserve auf einem Anlage- oder Termingeldkonto, die sich wie Ihre gesamte Strategie an Ihrer persönlichen Spekulationsbereitschaft orientiert. Sämtliche Anlageformen sollten Sie mittel- bis langfristig sehen.

Bevor Sie sich für das eine oder andere der aufgeführten Anlageprodukte entscheiden, vergleichen Sie neben den Kaufkursen auch sämtliche anfallenden Kosten.

  • Indexfonds: Sie spekulieren auf einen oder mehrere Aktienindizes in Deutschland, in Europa oder auch weltweit.
  • Aktienfonds: Hier interessieren Sie sich für erstklassige Fonds mit dem Schwerpunkt Aktien, die sich in den vergangenen Jahren einerseits durch eine kontinuierliche Wertentwicklung und andererseits durch eine günstige Kostenstruktur ausgezeichnet haben. Bei diesen Produkten haben Sie ebenfalls die Wahl unterschiedlicher Anlageländer
  • Währungsanleihen: Sie rechnen auf der einen Seite mit Kursgewinnen in der jeweiligen Anlagewährung zum Euro und auf der anderen Seite mit höheren Zinssätzen, die in verschiedenen Ländern möglich sind.
  • Unternehmens- bzw. Bankanleihen in Euro: Sie investieren im Euro und nehmen in Kauf, dass Sie höhere Zinssätze bzw. Renditen mit einem für Sie vertretbaren Risiko des jeweiligen Unternehmens bzw. der jeweiligen Bank kombinieren.
  • Offene Immobilienfonds: Sie sehen mögliche Kurssteigerungen bei vor allem gewerblichen Immobilien (je nach Anlagefokus des offenen Immobilienfonds in Deutschland, in Europa oder weltweit) und mischen Ihrer Vermögensstrategie entsprechend erfolgreiche Fonds bei.

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