Der KI-Friseur – Münchener Unternehmer begeistert große Player für sich

10. November 2025
KI-erstellt: Zwitterwesen aus Friseur Burak Aydogdu und einem künstlichen Mensch
Zwittergestalt: Friseurunternehmer Burak Aydogdu hat sein Porträt mit KI verfremdet. Im Salon übernimmt die KI schon viele Aufgaben für ihn. Foto: Burak Aydogdu/CHAT GPT

Friseurunternehmer Burak Aydogdu aus München entwickelt eine KI-Lösung für Salons, die über die Branche hinaus für Aufmerksamkeit sorgt.

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Auch wenn Ideen gut sind, gehen manche Dinge erst beim zweiten Anlauf so richtig auf. Diese Erfah­rung musste auch Friseurunternehmer Bu­rak Aydogdu machen. Er betreibt die Sty­ling Lounge 61 im Mercedes Benz Center in München und erfand die KI-Softwarelösung Tellmin (TH hat berichtet).

Tellmin gibt es nicht mehr

Heute, ein gutes Jahr später, ist alles an­ders: Tellmin gibt es nicht mehr, Burak Ay­dogdu und seine Geschäftspartner gehen getrennte Wege. „Es kam zu Unstimmigkei­ten mit dem Software-Entwickler“, sagt Ay­dogdu. Er habe den Code für die Software zunächst verkaufen wollen, am Ende ging er dann aber zu einem Software-Partner für Friseure, mit denen der Entwickler zu­sammenarbeitete. Er erhoffte sich davon sicherere Zukunftsaussichten, sagt Burak Aydogdu bedauernd. Programmierer weg, Code weg – am Ende trennten sich auch die anderen Geschäftspartner. Eine bittere Pil­le, die der Friseur schlucken musste. Jetzt will er mit seiner neuen Firma NoHi BEAU­TY und einer weiterentwickelten KI-Lösung für Salons durchstarten. Große Unterneh­men stärken ihm dabei den Rücken.

Aus der Branche für die Branche

In Emre Cilesiz hat er nicht nur einen Mit­gründer gefunden, sondern auch einen neuen Software-Entwickler, der Aydogdus geballtes Wissen über Abläufe im Salon in die KI-Software einarbeitet und umsetzt. Wie beim Vorgänger-Modell Tellmin gehört zur Basic-Anwendung der KI die Termin­verwaltung: Per WhatsApp können Termi­ne als Sprach- oder Textnachricht angefragt werden und innerhalb weniger Sekun­den antwortet die künstliche Intelligenz.

„Unser USP ist, dass NoHi wirklich aus der Branche, vom Friseur kommt“, erklärt Bu­rak Aydogdu. So kann die KI nicht nur zu Produkten und Services beraten, sondern, wenn ein Online-Shop vorhanden, auch Bestellungen entgegennehmen. Sie steu­ert zudem das Management-Tool: Ist ein*e Mitarbeiter*in krank, informiert sie die Kund*innen, sagt Termine ab und bietet Ersatz an. Gehen Produkte zur Neige, sorgt eine Schnittstelle zum Vertriebspartner da­für, dass dort direkt eine digitale Bestellung eingeht. Auch im Marketing soll die KI für Erleichterung sorgen: Man kann sich Wer­bekampagnen erstellen und Online-Platt­formen bespielen lassen oder Kunden ka­tegorisieren und spezielle Kampagnen für bestimmte Zielgruppen generieren.


Auch intern kann NoHi die Kommunikation vereinfachen: Eine Chatfunktion, die vom Smartphone oder dem PC aus bedient wer­den kann, ist integriert. „Der Gedanke hin­ter all dem ist, dass wir Abläufe effizienter gestalten und die Arbeit erleichtern“, er­klärt Burak Aydogdu seinen Anspruch: „Ich will, dass jeder Friseur seine Leidenschaft fürs Handwerk beibehalten kann. Wenn wir für eine Premium-Dienstleistung 400, 500 Euro nehmen, dann muss der Fokus auf der Kreativität sein, da darf uns keine Bürokratie im Wege stehen. Friseur*innen sollen wieder Spaß an ihrem Handwerk ha­ben und die Qualität erhöhen.“

Nach eigener Aussage gibt es eine sol­che Lösung in dieser Qualität noch nicht auf dem Markt – und der Unternehmer er­klärt auch warum: „Das Problem ist, beste­hende Systeme an die KI anzubinden. Das kann eigentlich nur von Null aufgebaut werden. Bestehende Softwarefirmen sind nicht bei Null und können nicht auf Null zurückfahren.“ Deshalb bereite ihnen die KI immer Probleme, so der Friseur.

Großes Interesse von Großen

Dass er mit NoHi etwas Großes verfolgt, merken Burak Aydogdu und sein Partner Emre Cilesiz auch an den Reaktionen gro­ßer Player: Es werden Kooperationsgesprä­che mit Wella geführt, erste Verträge für die Aufnahme ins Microsoft-Partnerprogramm werden unterzeichnet, große Namen wie Ionos, Verlage und die Plattform booking.com zeigen Interesse, berichtet der Friseur.

Hilfe von Microsoft-Chefin

Derzeit geht das KI-Tool in Deutschland an den Start, als Nächstes folgen Österreich und die Schweiz, und schließlich soll es das Angebot von NoHi europaweit geben. „Na­türlich ist es unser Ziel, zu wachsen und langfristig den globalen Markt zu erobern“, sagt Burak Aydogdu.
Nachdem Microsoft-Deutschland-Chefin Agnes Heftberger auf ihrem LinkedIn-Profil das Start-up des Fri­seurs vorstellte, sind auch Investoren auf Aydogdu und seinen Partner aufmerksam geworden. Anfang Oktober fand die große Ernst & Young Partnerkonferenz in Mainz mit über 800 Partnern statt. Dort hielt Ag­nes Heftberger eine Präsentation, in der sie ihren Friseur Burak Aydogdu als KI-Vorrei­ter der Friseurbranche vorstellte. Sie habe auf der Bühne darüber gesprochen, wie man als Friseur im Handwerk neue Wege gehen und mit KI die Branche revolutionie­ren kann, berichtet Aydogdu: „Das war ein unglaublicher Moment und für mich per­sönlich eine echte Revolution in der Wahr­nehmung unseres Berufs!“

Der KI-Friseur - Münchener Unternehmer begeistert große Player für sich
Microsoft Deutschland Chefin Agnes Heftberger sprach auf einer Tagung über Friseurunternehmer und KI-Fan Burak Aydogdu. Foto:Aydogdu

NOHI BEAUTY

NoHi BEAUTY – Der Name setzt sich aus den Anfangsbuchsta­ben der beiden Kinder von Burak Aydogdu zusammen. Sie seien bei all seinem Tun sein Antrieb, sagt der Familienvater im Inter­view. Derzeit besteht das NoHi-Team aus sechs Personen.
Mehr Infos: nohiglobalsolutions.com
Insta: @nohibeauty; @burak.a.90

Text: Yvonne Rieken

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