Claudia Gruber ist mit ihrem mobilen Salon glücklich >< Foto: Ingolf Hatz

24.07.2020

Profi frei Haus

Wie arbeitet eigentlich ein mobiler Friseur? Und was ist an diesem Geschäftsmodell attraktiv?

Es kommt nicht selten vor, dass bei Claudia Gruber und ihren Kundinnen ein paar Tränen fließen – Freudentränen. „Eigentlich endet so gut wie jeder meiner Braut-Termine so“, sagt Gruber und lacht ihr herzliches Lachen. Als mobile Friseurin arbeitet sie nicht nur für Hochzeitspaare, vielmehr ist sie im Umkreis von München für jeden da, dem der Weg in einen Salon zu zeitraubend, zu beschwerlich oder sonst wie hinderlich ist. Viele ihrer Kunden möchten auch einfach von niemand anderem mehr geschnitten werden – und bestellen die Friseurmeisterin darum direkt zu sich nach Hause.

Es muss passen

Claudia Grubers Geschäftsmodell macht nur einen kleinen Teil der Friseurbranche aus, doch es kann sich lohnen, wie das Beispiel der 36-Jährigen zeigt. Für sie ist das mobile Geschäft seit 2012 zum Alltag geworden, den sie nicht mehr missen will. „Es ist kein Job für jeden Friseur, und es ist natürlich auch nicht für jeden Kunden etwas“,sagt sie. Mit Menschlichkeit, Kommunikationstalent und Profi-Handwerk hat sie eine lukrative Nische gefunden, die genau zu ihren Stärken passt. Dank Empfehlungen hat sie mehr Anfragen, als sie bedienen kann. Zu Grubers Kundschaft gehören Managerinnen, die sich im Hotelzimmer stylen lassen; Familien, die im Wohnzimmer nacheinander an die Reihe kommen; ältere Menschen, die den Weg in den Salon meiden; Schwangere oder junge Mütter, die sich Stress ersparen; Hundehalter, die ihre Vierbeiner nicht alleine lassen; und auch ganze Kindertagesstätten, die Grubers Service während der Betreuungszeit anbieten.

Mittendrin

Just dieser Abwechslungsreichtum ist es, den Claudia Gruber an ihrem Job so liebt: „Ich bin mitten im Leben meiner Kunden. Bei vielen sehe ich die Kinder heranwachsen, und manchmal bin ich auch ein kleiner Psychologe.“ Was Gruber in ihrem Arbeitsalltag erlebt, ist nicht vergleichbar mit regulärem Salonbetrieb: „Dort würde ich nie so unmittelbar am Leben der Menschen teilhaben.“ Dagegen öffnen Grubers Kunden ihr buchstäblich Türen zu verschiedenen Welten. Von mondänen Vorstadtvillen bis winzigen Stadtwohnungen mit Messie-Faktor ist alles dabei. Jedes Zuhause erzählt eine Geschichte für sich, doch vor allem sind es natürlich die Kunden, die mit ihr Geschichten und Anekdoten, traurige und fröhliche Momente teilen. „Ich interessiere mich für jeden einzelnen Menschen“, sagt Gruber, „sonst würde ich diesen Job nicht machen.“ Kaum einer, der während ihres Besuch in einer Zeitung blättert oder mit dem Smartphone spielt. Die Zeit mit der mobilen Friseurin ist etwas Besonderes, man tauscht sich aus und nimmt Anteil. Oft hört sie Sätze wie „Du bist ein richtiges Familienmitglied bei uns.“ „Ein tolles Gefühl“, sagt Gruber, die jedem Kunden das Du anbietet. Einige sind im Lauf der Jahre zu guten Freunden geworden.

Perfekte Planung

Im Alltag jedes Friseursalons entscheidet gute Organisation über reibungslose Abläufe – bei Gruber entscheidet sie über das gesamte Geschäftsmodell. Um wirtschaftlich genauso erfolgreich zu sein wie menschlich, hat sie den Kofferraum ihres SUVs in ein hoch präzises Ordnungswunder verwandelt. Mit wenigen Griffen hat sie das unterschiedlichste Equipment zur Hand. Mit den Jahren und der wachsenden Routine hat sie ihre Balance gefunden. Es gelingt ihr einerseits jedem genug Zeit einzuräumen, andererseits ihren straffen Terminplan einzuhalten. „Schnell den Job erledigen und dann wegdüsen, das wäre nichts für mich“, sagt sie. Die Kunden selbst müssen für ihren Besuch nichts vorbereiten: „Ein Waschbecken und Licht im Haus reichen“, sagt sie und lacht.

Voller Energie

Das Unternehmertum liegt ihr, und zwar seit Beginn ihrer Karriere: Schon mit 21, gerade Friseurmeisterin geworden, eröffnete sie ihren ersten eigenen Salon bei München. Als ihr erster Sohn geboren wurde und schwer krank war, suchte sie nach einer Lösung, um flexibler zu arbeiten: „Ich hätte ohnehin mein Leben nicht dauerhaft im Salon verbringen wollen. Stehenbleiben ist nicht mein Ding.“ Als mobile Friseurin bedient sie im Schnitt weniger Kunden als im eigenen Geschäft, dafür entfallen Salonmiete und stationäre Ausstattung. Und Personal – obwohl sie genug Anfragen hätte, um mehrere Mitarbeiter einzustellen. Aber: „Mein Geschäft hat auch mit mir persönlich zu tun, das kann ich nicht so leicht delegieren.“

Umso besser, dass Gruber vor Energie nur so sprüht. Als mittlerweile zweifache Mutter hat sie ihren Arbeitsalltag rundum organisiert, bestimmt ihre Zeiten weitgehend selbst. An manchen Tagen bietet sie ihren Service bis 23 Uhr an, was vor allem Berufstätigen gelegen kommt. An den Wochenenden kümmert sie sich um kunstvolle Hochsteckfrisuren und Hochzeits-Make-up. Daneben lehrt die zertifizierte Hair-&-Make-up-Artistin noch als Dozentin an einer Münchner Akademie.

Wenngleich sie Veränderungen nicht scheut und Bestehendes auch in Zukunft weiterentwickeln möchte – mit ihrer Entscheidung für den mobilen Salon ist sie vorerst rundum zufrieden: „Wenn es nach mir geht, darf es beruflich erst einmal genauso bleiben.“