Birgit Kaiser (rechts) mit ihrem Sohn und ihrer Mutter >< Foto: Nalan Tamay

12.05.2020

Generationsbetrieb: Friseurfamilie mit Leib und Seele

„Mir wurde mein Beruf in die Wiege gelegt“, sagt Birgit Kaiser. Auf kaum jemanden trifft dieser Satz besser zu.

Als Kleinkind schaute sie ihrer Großmutter zu, wie sie die Onduliereisen aus dem Ofen zog und ihre Kundinnen hübsch machte. Später saß sie mit ihren Eltern, die den Salon im niedersächsischen Syke übernommen hatten, auf Innungsversammlungen, sog Erfahrungen auf wie ein Schwamm. Mit zehn Jahren half sie bei der Inventur, als Neuntklässlerin gewann sie ihr erstes „Preisfrisieren“.

Schnelle Expansion

„So bin ich wie von selbst zur Unternehmerin herangewachsen“, sagt Birgit Kaiser. 1991, mit 22 Jahren und frisch mit dem Meistertitel ausgestattet, erweiterte sie das Familienunternehmen um einen zweiten Salon in der Nähe – anfangs mit einer Gesellin, schnell folgte die zweite, es ging rasch bergauf: „Ich glaube, ich war zur richtigen Zeit am richtigen Platz.“ Heute, mit Anfang 50, trägt sie die Verantwortung für drei Salons und mehr als 30 Mitarbeiter. Darunter ist auch der Salon in Syke, den die Großeltern 1933 eröffnet hatten. 2003 kam das dritte Geschäft in Heiligenfelde dazu.

Dass die Beliebtheit der Kaiser’schen Friseurdynastie in der Region seit Jahrzehnten nicht nachlässt, dafür sorgt nicht zuletzt ein hochmodernes Angebot. „Wir bieten Services auf der Höhe der Zeit“, sagt Kaiser. „Das Vorbild sind internationale Trends, fundierte Farbberatung und hoher Anspruch an Wellness.“ Das Erfolgsrezept der Inhaberin hingegen bleibt immer dasselbe: „ein gutes Betriebsklima“. Kaiser ist überzeugt, dass alles andere sich daraus ergibt. Schließlich lasse sich nur mit loyalen Angestellten langfristig etwas Solides aufbauen, das Kunden und Belegschaft gleichermaßen schätzen. Die meisten Mitarbeiter sind sehr lange mit dabei.

Weiterbildung für alle

Lebenslanges Lernen ist laut Kaiser ein Muss, und das schließe das ganze Team ein: „Mir ist wichtig, dass alle sich gleich gut behandelt fühlen und die gleichen Fortbildungen bekommen“, betont die Chefin. Auch die Präsenz in den sozialen Medien ist eine Selbstverständlichkeit: „Hier können sich die Jüngeren beweisen und schon früh Verantwortung übernehmen.“

Birgit Kaiser liegt es fern, ihre Erfolgsstory wie eine Geschichte aus dem Bilderbuch zu erzählen. „Jeder Unternehmer weiß, dass im Laufe der Jahre immer wieder neue Probleme auftauchen.“ Erst kürzlich habe sie schlaflose Nächte gehabt, weil der Vertrag mit einem Kooperationspartner alles andere als vorbildlich erfüllt worden sei. „Das gehört auch dazu“, sagt Kaiser pragmatisch. „Man muss Lösungen für ungekannte Probleme finden.“

Nachfolger in spe: Philippe Kaiser >< Foto: Nalan Tamay

Herausforderung Corona

Und weil kaum ein Problem so neuartig ist wie die Corona-Krise, agiert die Chefin auch hier besonnen auf die sich überschlagenden Ereignisse. Zum Zeitpunkt unseres Gesprächs waren in Deutschland die Salons noch offen, doch immer mehr Kunden blieben fern. Kaisers Team war verunsichert: Wie lässt sich der Ansteckungsgefahr begegnen? Birgit Kaiser informierte, das Schneiden mit Handschuhen wurde erwogen und Hygienevorschriften ausgehängt. „Allerdings wurde es immer schwieriger mit der Umsetzung. Das Desinfektionsmittel ging rasant zur Neige. Wir vermieden Arbeiten direkt am Gesicht, wie Augenbrauen zupfen oder Wimpern färben.“ Dann wurden die Salons geschlossen. „Wenn das vorbei ist, werden wir Friseurunternehmer eine neue Art von Erfolgsgeschichte schreiben müssen.“

Es bleibt familiär

Abseits der globalen Entwicklungen hat sich der innere Kreis der Friseurfamilie Kaiser als ein sicherer Ort erwiesen. Ein Ende der Familientradition ist nicht in Sicht: Kaisers Sohn Philippe ist selbst Friseurmeister und bereitet sich auf die Nachfolge im familiären Betrieb vor. Bis dahin darf aber noch viel Zeit vergehen. „Ich habe Lust auf diesen Beruf, seit ich denken kann“, sagt Birgit Kaiser und lacht.