Existenzgründung und Businessplan: Irgendwas mit Zahlen, oder?

10. November 2025
2 Menschen, von denen man nur die Hände sieht, haben ausgedruckte Tabellen und Schaubilder vor sich liegen
Erst einen Businessplan aufstellen, dann in die Selbstständigkeit starten. Foto: Adobe Stock/kamiphotos

Wer sich mit einem eigenen Salon selbstständig machen möchte, braucht vor allem eines: den Businessplan. Doch bei der Erstellung sowie im Vorfeld der Gründung müssen einige Dinge beachtet werden.

Inhaltsübersicht

Der Sprung in die Selbstständigkeit ist in erster Linie ein Wagnis, der wohlüberlegt sein muss. Obwohl es nach wie vor der Traum Vieler ist, müssen im Vorfeld wichtige Aspekte durchdacht werden, die mit der Eröffnung eines eigenen Salons zusammenhängen.
Das macht auch Dipl.-Kfm. Christian Kannenberg deutlich. Er ist Geschäftsführer des EWD Expertennetzwerks Deutschland, das die Gründerinitiative „Deutschland startet“ ins Leben gerufen hat. Christian Kannenberg kennt die Schwierigkeiten, die mit der Existenzgründung einhergehen. „Die meisten unterschätzen den Kapitalbedarf, den man braucht, um einen eigenen Salon zu eröffnen.“

Erster Schritt: Kalkulation

Im Vorfeld der Gründung seien die saubere Kalkulierung sowie die gute Bonität ein absolutes Muss. Laut Kannenberg sollte man sich Gedanken über Renovierungs- und Einrichtungskosten des neuen Salons machen. Darüber hinaus müssen die Betriebskosten für die ersten drei Monate mitgedacht werden. „Oft erlebe ich das Problem, dass die meisten viel zu wenig Geld ansetzen. Sie fangen an und nach einem Vierteljahr geht ihnen das Geld aus“, erläutert Kannenberg.

Christian Kannenberg lächelt in die Kamera
Christian Kannenberg. Foto: privat

Neben der Kalkulation ist die Standortfrage ein wichtiger Aspekt. Es ergebe nur wenig Sinn, einen Salon in einer Straße zu eröffnen, in dem sich bereits viele weitere Friseure befinden. Die Standort- und Marktanalyse sei daher ein unabdingbarer Bestandteil der Gründungsphase. Darüber hinaus ist laut Christian Kannenberg die Herausarbeitung des Alleinstellungsmerkmals ein Aspekt, der keinesfalls vernachlässigt werden sollte. Zum sogenannten „USP“ (Unique Selling Point) gehören beispielsweise besondere Angebote oder längere Öffnungszeiten als die der Mitbewerber. „Der neue Salon muss etwas bieten, was die Kunden woanders nicht finden“, betont Kannenberg.

Erstellung des Businessplans

Fakt ist: Wer einen eigenen Salon eröffnen möchte, sollte den Meistertitel in der Tasche haben. Um einen Förderkredit bei der staatlichen KfW-Bank zu erhalten, ist die fachliche Eignung entscheidend. „Daneben ist die Berufserfahrung wichtig sowie ausreichende Kenntnisse im kaufmännischen Bereich“, so Christian Kannenberg.

Dies seien elementare Bestandteile, die in einen Businessplan gehören. Darüber hinaus müssen die Zielgruppe und das Alleinstellungsmerkmal im Businessplan genau definiert werden. „Außerdem rate ich dazu, weitere Umsatzmöglichkeiten in den Plan zu schreiben“, sagt Kannenberg. Dazu zähle zum Beispiel der Verkauf bestimmter Produkte.

Das Thema Marketing ist ein weiterer Bestandteil des Businessplans. Im Vorfeld sollten sich Gründer über die Schaltung einer Google-Ads-Kampagne Gedanken machen oder über die gezielte Vermarktung über die sozialen Netzwerke. „Vor allem junge Friseure und Friseurinnen haben Spaß daran, ihren neuen Salon und ihre Leistungen über Social Media zu vermarkten“, so Christian Kannenberg.

Kosten aufzählen

Zudem gehöre die Finanzplanung in den Businessplan. Definitionen wie die ungefähre Zahl der Kunden sowie anfallende Kosten für das Personal, für die Salonmiete, und für den Steuerberater müssen aufgelistet werden. „Es kommt im Plan darauf an, den ungefähren Gewinn abzuschätzen. Davon muss der Förderkredit später zurückgezahlt werden“, erläutert Kannenberg. Förderdarlehen sind bei Gründern beliebt, „weil sie sehr zinsgünstig sind“, so der Geschäftsführer. Zudem habe man bei den KfW-Darlehen mindestens ein Jahr Tilgungsfreiheit. Ein Jahr ab Auszahlung brauche man den Kredit nicht zurückzahlen. Der gesamte Finanzplan ist neben der Nennung des Alleinstellungsmerkmals das Wichtigste des Businessplans.

Individuelle Erstellung

Obwohl zahlreiche Vorlagen online zur freien Verfügung stehen, komme es auf die individuelle Erstellung des Businessplans an. „Die Vorlagen sind per se nicht schlecht und können zur Orientierung durchaus dienen“, so Kannenberg. Dennoch rät er, sich für die Erstellung an einen zertifizierten Gründungsberater oder Unternehmensberater zu wenden. Durch sie sei die fachliche Korrektheit garantiert. Auf künstliche Intelligenz wie ChatGPT sollte verzichtet werden.
Neben dem Expertennetzwerk Deutschland bieten die Handwerkskammern in den Bundesländern Unterstützung für Gründer und Gründerinnen an.

 Text: Christoph Ledder

 

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