2026 wird bunt. Barberin Vanessa Hermann hat in London den Herrentrends nachgespürt und berichtet uns wie Männer Mullet, Shag, Fade Cut, Dauerwelle, Locken und Haarfarben tragen
Vanessa Hermann gehört zu den wenigen Frauen im Barbering. Seit acht Jahren betreibt sie in Wangen im Allgäu den Barbershop „Die Barberie“. Im Herbst trat sie bei der CAT/CMC-Weltmeisterschaft in London mit einem „Razor Low Fade“ an und holte den Sieg im Team. Auf der Messe Salon International, die Austragungsort des Wettbewerbs war, hat sie sich für uns nach den Trends im Herrenfach umgeschaut.
TOP HAIR: Welche Trends sind dir in London aufgefallen?
Vanessa Hermann: Bei den Herrenfrisuren geht jetzt alles ein bisschen in die Länge: in Richtung Mullet und Shag, alles eher natürlich und mit viel Textur. Dauerwelle, Afrohaar, natürliche Locken werden stärker definiert. Auch Wellen und generell viel Struktur im Haupthaar sind angesagt.
Außerdem habe ich oft den Fade gesehen. Für mich ist der Fade eine Schnitttechnik, die man kreativ einsetzen kann, zum Beispiel im Bart oder nur im Nackenbereich. Die extrem rasierten Nullseiten, die man im Sommer gesehen hat, sind vorbei. Aber ich glaube nicht, dass der Fade komplett verschwindet. Im Grunde ist es ja ein Fassonhaarschnitt, sehr kurz, und ich denke, er wird weiterhin in Teilbereichen am Kopf eingearbeitet werden.
Und was wirklich kommt: 2026 wird bunt!
Echt?
Ja, bei Männern habe ich viele Highlights gesehen, von leicht blondiert bis richtig knallig bunt – Neonpink, Neongrün, solche Töne. Ich glaube, das wird ziemlich farbenfroh.
Auch mehrere Farben auf einem Kopf?
Genau. Entweder ganz soft und natürlich, wie ein Face-Framing bei Frauen. Ganz leicht getönte Spitzen bei Männern. Alles relativ natürlich, ohne harte Kanten. Oder das andere Extrem: ein bunter Mullet.
Du hast eben Textur und Locken erwähnt. Ist die Dauerwelle für Männer noch ein Thema?
Ja, und ich glaube, das kommt wieder vermehrt. Ich schaue viel auf Social Media und bei internationalen Top-Barbieren, und die machen schon einiges mit Dauerwelle. Gerade bei feinerem oder lichtem Haar, oder wenn jemand keine Lust hat, ständig zu föhnen und zu stylen, ist die Dauerwelle toll. Mit den richtigen Pflege- und Stylingprodukten ist das Handling für die Kunden easy, sieht definiert aus und hält gut. Meistens betrifft es nur den Oberkopf, die Seiten bleiben eher als Taper Fade.
Hast du in London auch neue Arbeitsgeräte gesehen?
Was mir positiv aufgefallen ist: Wir sind im Geschäft sehr gut ausgestattet. Ich interessiere mich ja sehr für neue Maschinen, Blades, Kämme usw. Und da war klar: Wir sind top aufgestellt. Ein normaler Salon hat oft nur ein, zwei Panasonic-Maschinen und vielleicht eine Contura von Wella. Aber mittlerweile gibt es viele gute Clipper – von Wahl, Gamma, JRL. Jeder hat seine Favoriten. Was neu kommt, sind leichte Haarföhne, die sich fast schwerelos anfühlen, mit magnetischen Aufsätzen wie Diffusern und Aufsteckkämmen. Unser Föhn von Wahl hat das schon – superpraktisch und ergonomisch. BaByliss bringt wohl auch einen raus.
Und bevor ich’s vergesse: Ich habe endlich die Umhänge von Neocape mitgenommen, die ich immer im Netz gesehen habe, aber wegen Zoll und Versand teuer waren. Die Umhänge sollen die Halskrause überflüssig machen. Der Bereich am Hals ist aus Neopren, legt sich angenehm an, ohne zu würgen, und verhindert, dass Haare reinfallen. Der Rest ist ein normaler Umhang. Das Kundenfeedback zu Hause ist super, ich habe die Umhänge sogar mit meinem Logo bedrucken lassen. Einziger Nachteil: Wenn man sie mit dem Trimmer oder beim Rasieren mit dem Messer anritzt, sind sie hinüber. Deshalb haben meine Mitarbeiter Angst sie zu verwenden, denn günstig sind sie nicht. In Deutschland gibt’s sie zwar noch nicht, aber ich kann nachbestellen. Für mich war wichtig zu testen, wie sie sich anfühlen, ob die Kunden darunter schwitzen. Sie sind auch gut abwaschbar.
Was außerdem stark kommt, sind Head Spas.
Ja, das sieht man hier auch. Und im Bartbereich?
Das Thema Bart war auf der Messe sehr wenig vertreten. Aber bei den Bartträgern unter den Besuchern war (wie bei den Haaren) auch alles ein bisschen länger, eher Richtung Moustache, teilweise auch wirklich schön gezwirbelt.
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