20.12.2019

„Wir laufen der Mode nicht hinterher“

Die Allilon-Academy aus London ist weltbekannt. Nach zehn Jahren gab es erstmals wieder ein Training mit Allilon in Deutschland.

Zusammen mit den Trainern Kate Hussey und Graeme Hoban war Allilon-Gründer Johnny Othona für drei Tage in Berlin. In der nagelneuen Davines-Academy, dem Salon von Tarik D., weihten sie pro Kurstag rund 20 Friseure in die Allilon-Education-Welt ein.

Zwei Marken unter einem Dach

Die Allilon-Welt, das bedeutet: zehn Jahre Academy, gewachsen von vier auf mehr als 40 Mitarbeiter, legendäre Trainings und Shows weltweit, spannende Kollektionen und eine inspirierende Community. Vom Starter-Level bis hin zum kreativen Individualisten findet hier jeder sein Angebot.

Gemeinsam mit Pedro Inchenko führt Johnny Othona das Unternehmen, das neben der Allilon-Academy noch eine weitere Säule umfasst: den „Ena“-Salon, der Davines-Flagship-Store in London. 48 Mitarbeiter und fünf Stockwerke mitten in London umfasst das komplette Unternehmen. Der Salon erstreckt sich über zwei Etagen, darüber drei Etagen Academy. Zehn Trainer arbeiten weltweit, geben Seminare und gestalten Shows.

Der Ena Salon in London ist Davines Flagship Store >< Foto: Allilon
Der Ena Salon in London ist Davines Flagship Store >< Foto: Allilon

Wir haben mit Johnny Othona gesprochen über … :

… Allilon Education und Ena Salon:

„Die beiden Marken sind sehr verschieden, optisch und auch vom Branding her. Bei Ena ist die Verbindung zu Davines sehr eng, wir arbeiten schon sehr lange und freundschaftlich zusammen. Die Marke legt großen Wert auf Nachhaltigkeit und ist natürlich auf den Endkunden ausgerichtet. Allilon richtet sich ja ausschließlich an Friseure und ist mehr unser ,wildes Pferd‘ – sehr kreativ und frei. Allilon reist durch die ganze Welt. Unser Kernziel ist, den Menschen näherzubringen, was wir selbst am Haare machen lieben, sie wirklich zu berühren. Sie sollen nicht einfach zu uns kommen, Geld bezahlen, ein Zertifikat erhalten und wieder gehen. Wir nehmen sie mit auf unserer Reise. Was die beiden Marken vor allem verbindet, ist, dass sie beide den Menschen fokussieren. Am Ende ist unser Ergebnis und Produkt ja immer der Mensch. Da geht es nicht mehr um ein Shampoo oder einen bestimmten Conditioner oder eine Farbe. Es geht um den Menschen, der die Produkte am Kunden anwendet oder um den Menschen, der die Behandlung erhält. Beide Marken, der Ena Salon genau wie Allilon Education, sind auf dieser Verbindung zwischen Menschen aufgebaut, werden sozusagen von dieser Haltung unterströmt. Dass man etwas macht, weil man es gerne macht, nicht weil man dafür bezahlt wird.“

… Neuerungen bei Allilon ab 2020:

„Unser Angebot ist ab 2020 komplett neu strukturiert und inhaltlich verändert. Wir wollten es etwas zugänglicher machen. Der Einstiegslevel war bisher sehr intensiv und anspruchsvoll, herausfordernd. Das hat die Menschen manchmal erschreckt. Unsere Reputation ist ja diese: Dort wirst du definitiv herausgefordert, also sei bereit! Wir wollen mit den Änderungen nun noch deutlicher machen, dass man das feiern muss, dass Herausforderungen nichts sind, was man fürchten muss. Es gibt weiterhin sehr fordernde Formate, beispielsweise der viertägige Technik-Kurs, ansonsten aber auch zweitägige Angebote, die zugänglicher sind und für die Teilnehmer einfacher in ihren Salonalltag integrierbar. An den Seminaren kann man direkt vor Ort in der Academy in London teilnehmen oder auch Schulungen im eigenen Salon buchen.“

… wie Allilon Wissen vermittelt:

„Es fragen mich immer wieder Leute, was der Unterschied zwischen uns und der einen oder anderen Schule ist. Meine Antwort lautet dann immer, frag nicht mich, frag unsere Schüler! Sie werden es Dir sagen. Wir ermutigen unsere Teilnehmer immer, Erfahrungen bei verschiedenen Akademien zu sammeln, damit sie entscheiden können, wer ihre Werte und Bedürfnisse am besten wiederspiegelt. Ich glaube schon, dass die verschiedenen Schulen sehr unterschiedlich sind, aber die Branche ist groß genug für alle. Wir bei Allilon wollen nicht das größte Education Unternehmen sein, sondern das am meisten respektierte. Darum geht es! Wenn wir Kurse geben, versuchen wir, uns wirklich mit den Teilnehmern zu verbinden. Wir versuchen nicht, den Schülern Haarschnitte zu vermitteln. Wir versuchen ihnen beizubringen, wie man Haare schneidet. Wie man die Dinge kontrolliert, die richtigen Entscheidungen trifft. Was mit jedem einzelnen Haar passiert, und das multipliziert auf die halbe Million Haare auf dem Kopf. So kreiert man Form. Wir möchten, dass sie darüber nachdenken, was wirklich zwischen ihren Fingern passiert.

… Fehler:

„Unsere Kurse können manchmal sehr fordernd sein. Es ist schwer für die Menschen, sich selbst Fehler zu erlauben und die dann auch richtig zu feiern. Egal, wo sie herkommen, welchen Hintergrund sie haben. Sie fühlen sich unsicher aus vielen verschiedenen Gründen. Aber wir machen genau das: Fehler feiern! Wir wollen Möglichkeiten zum Wachsen eröffnen. Wir sind oder ich bin ja nicht anders sind als die Teilnehmer. Ich war genauso unsicher und eigentlich bin ich es natürlich immer noch. Also wollen wir zusammen den Weg durch die Fehler genießen. Dieser Weg endet nämlich nie! Es ist nicht so, dass man den einen oder anderen Kurs macht und dann alles weiß, alles versteht. Nein, damit beginnt es eigentlich erst. Ich selbst bin auch noch nicht angekommen. Ich habe selbst noch einen langen Weg. Hoffentlich habe ich noch viele Jahre, um weiter zu wachsen.“

Johnny Othona: "Wir nehmen unsere Studenten mit auf eine Reise." >< Foto: Sandra Kuehnapfel
Johnny Othona: "Wir nehmen unsere Studenten mit auf eine Reise." >< Foto: Sandra Kuehnapfel

… die Arbeit am Stuhl:

„Ich versuche so etwa einmal im Monat selbst am Stuhl zu arbeiten. Aber die Wahrheit ist, dass ich fast jede Woche in einem anderen Land bin und in den Wochen, in denen ich zu Hause in London bin, verbringe ich die Zeit mit meinen Kindern. Ich bin also nicht mehr so viel selbst am Stuhl. Pedros und mein Ziel war und ist es immer, nicht im sondern am Unternehmen zu arbeiten. Wir haben so viele gute Leute entwickelt und der Sinn darin, Mitarbeiter zu entwickeln ist es ja, ihnen eine Karriere zu ermöglichen. Das ist, was Pedro und ich weiter machen wollen: Möglichkeiten zum Wachsen schaffen, Pfade kreieren. Ich liebe es, Haare zu schneiden, egal ob im Salon oder in einem Kurs. Das Schöne an der Arbeit im Salon ist, dass ich dabei nicht auch noch unterrichte. Ich kann es einfach genießen, tatsächlich einfach Haare schneiden, Haare fühlen, die Verbindung zu der einen Person vor mir im Stuhl aufbauen. Die Ironie an der Sache ist, dass ich im Salon ja assistiert werde, also jemand anders meine Arbeit vollendet. Zusammengefasst: Ich vermisse es.

… den Zwang, immer neue Kollektionen zu entwickeln:

„Wir entwerfen nicht zwei- oder mehrfach im Jahr neue Kollektionen. Denn diese Chronologie folgt ja stark den Trends der Modeindustrie und deren Zeitplan. Wenn du als Friseur aber anfängst, der Mode zu folgen, bist zu ein Follower und kein Leader. Wir sind aber definitiv keine Follower, wir laufen der Mode nicht hinterher. Wir kreieren eine Kollektion, wenn wir etwas zu sagen haben und damit etwas ausdrücken können. Wir versuchen uns dabei immer auf die Menschen und ihre Ideen, ihre Gedanken zu fokussieren, nicht so sehr auf die Produkte, die sie entwerfen. Das ist eigentlich das Ziel bei allem, was wir tun: eine Verbindung zu den Menschen aufzubauen.“

… sein und Geschäftspartner Pedro Inchenkos Erfolgsgeheimnis:

„Ich glaube, wir haben immer die richtigen Leute um uns gehabt. Die so dachten und so Einfluss nehmen wollten, wie wir. Natürlich hatten wir viel Glück und selbstverständlich haben wir auch sehr hart gearbeitet.“

… wie man die richtigen Mitarbeiter findet:

„Am Anfang war das Hauptziel, uns mit Leuten zu umgeben, die so ticken und denken wie wir. Was dann irgendwie passierte, ist, dass wir eine Art Kultur geschaffen haben, die lauter gleichgesinnte Menschen angezogen hat. Unser Team wuchs uns wuchs einfach. Wenn Leute dazukommen, die anders gestrickt sind, bleiben sie meist nicht wirklich lange. Ich glaube, dabei ist es wichtig, seiner Identität treu zu bleiben. Man kann sich schnell verlieren, wenn man so vielen äußere Einflüssen ausgesetzt ist. Unsere Identität spürt man auch im Salon. Die Menschen, die dort arbeiten, schauen Dich wirklich an, sie nehmen eine Verbindung auf. Ich denke, das ist sehr außergewöhnlich.“