Foto: Melanie Fredel

08.10.2021

Bargeldloser Überzeugungstäter

Zahlen mit Bargeld? Bei Friseurmeister Michael Bredtmann ist das Geschichte. Bei ihm klimpert kein Geld mehr in der Kasse.

Im Salon „Bredtmann Westside“ in Elberfeld läuft schon seit Oktober 2019 alles ohne Scheine und Münzen. „Bei uns gibt es keine Kasse mehr an der Rezeption. Wir kassieren direkt am Platz. Die Kunden und auch Mitarbeiter ersparen sich dadurch einen Laufweg und es gibt keinen Stau mehr an der Rezeption. Das war gerade bei den Corona-Auflagen echt gut“, erzählt Michael Bredtmann. Am häufigsten zahlen seine Kund*innen mit EC-Karte. Kreditkarten werden nur wenige gezückt. Darüber ist der Saloninhaber ganz froh, denn die Kreditkartenzahlungen landen immer erst verspätet auf dem Konto – Stichwort Liquidität. Auch Bezahlfunktionen über das Smartphone, wie Apple oder Google Pay, werden in seinem Salon kaum genutzt. Was sich aber nach Bredtmanns Meinung in Zukunft bestimmt ändern wird. Damit die Kund*innen nicht überrumpelt werden, weist Bredtmann diese 24 Stunden vor dem Termin mit einer SMS auf das bargeldlose Bezahlen hin. Wer dennoch mal nicht bargeldlos bezahlen kann, z. B. Kinder, kann entweder im Nachgang überweisen oder sich vorher online einen Gutschein kaufen.

 

Win-win

Für Bredtmann lohnt sich die bargeldlose Abwicklung. „Die meiste Arbeit und die größte Fehlerquelle bei der Kasse ist doch das abendliche Bargeldzählen. Außerdem muss man das Bargeld zur Bank oder zum Automaten bringen, einzahlen bzw. wieder Wechselgeld abheben. Das kostet alles Zeit und Geld. Zeit, die man nicht am Kunden arbeiten und damit kein Geld verdienen kann.“ Einen großen Vorteil des bargeldlosen Zahlens sieht Michael Bredtmann in einer entspannten Kassennachschau. Bei einer unangemeldeten Kassenprüfung müsse man immer darauf achten, dass weder zu viel noch zu wenig Bargeld in der Kasse sei. „Das kann im laufenden Tagesgeschäf t aber schnell passieren. Da werden doch mal ein paar Euro zum Kaffeekaufen entnommen oder das Trinkgeld ohne entsprechenden Vermerk in der Kasse ‚geparkt‘. Zu viel Geld in der Kasse ist übrigens schlimmer als zu wenig, da hier schnell der Verdacht von Schwarzgeld in der Luft liegt.“

Es muss passen

Der Markt der bargeldlosen Bezahlsysteme ist riesig. Michael Bredtmann hatte deshalb einen seiner Mitarbeiter beauftragt, ein passendes System für seinen Salon zu recherchieren. „Ich habe ein System gewählt, bei dem ich 1.000 Buchungen und die mobilen Geräte inklusiv habe. Zusatzkosten entstehen mir nur, wenn ich mehr Buchungen habe oder ein Kunde mit American Express bezahlt, was aber nur wenige tun. Ansonsten zahle ich monatlich rund 200 Euro, das ist es mir aber auf jeden Fall wert.“ Aktuell ist sein Bezahlsystem noch nicht an seine Termin- oder Kassensoftware angeschlossen. „Am wichtigsten war mir, dass ich mobil am Platz kassieren kann und bei Stromausfall keine Probleme bekomme. Mit meinen mobilen EC-Kartenterminals kann ich das alles, denn bei Stromausfall wählt sich das Gerät automatisch ins Handynetz ein.“ Dennoch ist der Saloninhaber auf der Suche nach einer Lösung, bei der Termin-, Kassen- und Bezahlsysteme miteinander verbunden sind. „Unser Termin- und Kassensystem ist auch mobil, alle Daten liegen hier auf einer Cloud. „Unsere Mitarbeiter*innen können über die Salonhandys auf alle Daten zugreifen und haben so Kasse und Terminplaner quasi immer dabei. Möchte die Kundin bezahlen, überträgt die Mitarbeiterin den Endbetrag dann händisch ins mobile Bezahl-Terminal. Hier sind wir noch auf der Suche nach einer Lösung, die die Eingabe von Hand unnötig macht.“

Sonderfall Trinkgeld

Den bargeldlosen Zahlungsverkehr finden die Mitarbeiter*innen bei Bredtmann sehr praktisch. Nur beim Trinkgeld fließt Bargeld. „Das sollen wir laut unserem Steuerberater auch im Moment noch weiterhin so handhaben.“ Der Grund sei, so Bredtmann, dass das Trinkgeld an die Mitarbeiter im Gegensatz zu den anderen Einnahmen steuerfrei sei und außerdem ein durchlaufender Posten. „Deshalb müssten wir das extra buchen, also als extra Position. Und diese müsste dann auch am Ende des Monats dem betreffenden Mitarbeiter eindeutig zuordenbar sein. Aber auch hier sind wir auf der Suche nach einer Lösung. Ich bin mir sicher, dass wir bald etwas Sinnvolles finden werden, schließlich betrifft das auch andere Wirtschaftszweige, wie z. B. die Gastronomie.“

Seinen zweiten Salon in Barmen hat Michael Bredtmann mittlerweile auch auf bargeldlos umgestellt „Auch im Salon ‚Eastside‘ haben wir die Umstellung zu 99 Prozent geschafft. Wir können uns also auf die nächste Kassennachschau freuen, da wir keine Angriffsfläche mehr bieten!“