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18.02.2019

Chef bleibt Chef!

Wie gelingt es Mitarbeitern, den eigenen Chef zu managen? Coach und Trainer Stefan Häseli kennt die Antwort.

Wie führe ich meinen Chef?

Wie führe ich meinen Chef? Die klassische Managementausbildung beruht auf der klaren Definierung von Hierarchien. Und wie ist es im Friseursalon? Auch hier wird von oben nach unten gedacht. Der ideale Chef soll seine Mitarbeiter motivieren und ihnen eine vorbildliche Führung angedeihen lassen. Die Frage, wie man selbst mit dem eigenen Vorgesetzten umgehen soll, wird dabei ausgeklammert.

Nicht selten kommt es dann im Salonalltag genau an diesem Punkt zu Schwierigkeiten. Denn während die Führung der Mitarbeiter mehr oder wenig gut funktioniert und notfalls auch per Weisung nach unten durchgesetzt werden kann, erfordert die Beziehung nach oben andere Qualitäten. Doch um als angestellter Friseur erfolgreich zu sein, ist eine gute Arbeitsbeziehung zum Saloninhaber mindestens genauso wichtig, wie die Resultate der eigenen Arbeit.

Von unten nach oben

Wenn im Folgenden von Führung von unten nach oben die Rede ist, können diese Überlegungen überall dort helfen, wo per Macht keine Möglichkeit besteht, also in allen Situationen wo Führen ohne Macht und Weisungsbefugnis gefragt ist. Dafür ist es zunächst einmal wichtig, sich der Tatsache bewusst zu sein und sie zu akzeptieren.

Werden unterschiedliche Interessenlagen berücksichtigt, können meist auch gemeinsame Ziele unterstützt werden. Fachwissen, gute Ideen und neue Denkansätze schaffen bei der (unsichtbaren) Führung eine hohe Akzeptanz, ebenso wenn der Nutzen für das Gegenüber bzw. den Höhergestellten in den Vordergrund gerückt wird.

Chef bleibt Chef

Wer seinen Vorgesetzten nicht erdulden will, der muss ihn managen – ein Lehrsatz, der in keinem Buch steht. Nicht selten wechseln hoch motivierte Friseure frustriert die Stelle, weil sie mit dem Saloninhaber nicht klarkommen. Und gelangen dabei womöglich vom Regen in die Traufe. Denn auch bei der neuen Position gibt es einen Chef. Die Zusammenarbeit mit ihm wird zeigen, dass auch dieser Ecken und Kanten hat, die der Mitarbeiter nicht ignorieren kann, sondern akzeptieren muss. Besser als sich den idealen Vorgesetzten zu suchen, ist es, sich mit seinem „unvollkommenen“ Chef auseinanderzusetzen. Die Antworten auf die folgenden Fragen bringen Sie der Wahrheit ein Stück näher:

Wie tickt Ihr(e) Chef(in)?

  • Was für ein Mensch ist er/sie?
  • Welche speziellen Eigenarten pflegt er/sie?
  • Favorisiert er/sie Details oder Zusammenfassungen?
  • Wünscht er/sie Zwischenberichte oder Endergebnisse?
  • Hört er/sie gerne zu oder redet er/sie lieber selbst?
  • Liest er/sie gerne E-Mails oder telefoniert er/sie lieber?
  • Bevorzugt er/sie wenige längere oder mehrere kurze Besprechungen?
  • Was bedeuten ihm/ihr zwischenmenschliche Beziehungen und Gesprächsthemen?

Den Chef managen

Um konstruktiv mit seinem Vorgesetzten zusammenzuarbeiten, muss man diesen nicht lieben – besser ist es, ihn zu managen. Dazu bedarf es keiner Tricks. Allein die Einhaltung einiger einfacher Vorgehensweisen hilft, den Chef positiv zu beeinflussen:

1. Chefs brauchen Erfolge! Wer seinem Vorgesetzten dazu verhilft, wird geschätzt werden. Es lohnt sich also herauszufinden, wo die Stärken des Chefs liegen. Denn damit – und nicht mit sicher ebenfalls vorhandenen Schwächen – werden Erfolge erzielt.

2. Eine gute Vorbereitung ist die halbe Miete! Zeitmangel kennzeichnet die Situation vieler Saloninhaber, denn neben dem Salonalltag warten unzählige weitere Aufgaben für ihn. Umso wichtiger ist es, diese Zeit nicht zu vergeuden. Nur gut vorbereitet lassen sich effektive Gespräche führen.

3. Keine Überraschungen! Taucht ein Problem auf, muss der Chef informiert werden. Lieferanten, die nicht liefern oder Schwierigkeiten mit Kunden, die nicht zahlen? Der Chef sollte es frühzeitig erfahren, damit er entscheiden kann, ob er eingreifen muss oder nicht.

4. Vorgesetzte sind keine Hellseher! Sie sind auf die Informationen ihrer Mitarbeiter angewiesen und diese haben die Pflicht, sie zu erbringen. Das gilt sowohl für sachliche Zusammenhänge als auch für persönliche Belange, die das Arbeitsverhältnis beeinflussen. Es klingt ein bisschen abstrakt. Doch im Zeitalter der Kommunikation ist dies nicht immer selbstverständlich. Zwar wird eine Flut an Informationen hin und her geschickt, aber nicht unbedingt ein Kreislauf geschlossen. Wichtig ist ein regelmäßiges Feedback an den Vorgesetzten. So wird der aktuelle Stand laufender Arbeiten oder Projekte für beide Seiten sichtbar.

Fazit: Mit Fachkompetenz und Lösungskreativität gelingt die „Führung von unten nach oben“ – selbst wenn es manchmal etwas länger dauert!

Text: Stefan Häseli, Atelier Coaching & Training