Auf der diesjährigen Mitgliederversammlung des Zentralverband Friseurhandwerk wurde am 14. Juni Fred Schumacher zum neuen Geschäftsführer gewählt. Der 42-Jährige stammt aus einer Friseurfamilie und hat zehn Jahre als wissenschaftlicher Mitarbeiter für Berufsbildung im Handwerk an der Universität zu Köln an der Schnittstelle von Forschung,Bildung und Praxis gearbeitet. Ab 1. September 2026 wird er den Verband mit seinen knapp 10.000 Mitgliedern leiten. Wir haben ihn auf der Vollversammlung des ZV in Würzburg getroffen und mit ihm über seine neue Aufgabe gesprochen.
TOP HAIR: Herzlichen Glückwunsch Herr Schumacher, Sie wurden soeben zum neuen Geschäftsführer des ZV gewählt, was bedeutet Ihnen das?
Fred Schumacher: Ich war bereits seit einigen Jahren mit dem Vorstand des ZV in Kontakt, um an einer Novellierung der Meisterprüfungsverordnung zu arbeiten. In den vergangenen Jahren durfte ich viele unterschiedliche Gewerke begleiten. Obwohl mich alle Gewerke interessieren und mit Hochachtung erfüllen, dockt doch das Friseurhandwerk auf andere Art an und ist für mich emotionaler, da meine Mutter und Großeltern selbst einen Salon hatten, in dem ich quasi aufgewachsen bin. Nach zehn Jahren wissenschaftlicher Arbeit, freue ich mich nun sehr darauf, wieder mehr ins Praktische zu kommen. Ich habe das Glück auf Vieles aufbauen zu können, möchte aber auch ein offenes Ohr für Veränderungen haben. Wo können wir noch besser werden? Und wie können wir unsere Stärken besser kommunizieren.
TOP HAIR: Welche Ziele haben Sie für den ZV?
Fred Schumacher: Ich möchte erreichen, dass wir nach außen und nach innen wirken. Unsere Mitgliedschaft soll sichtbarer und erlebbarer werden. Wir wollen die Angebote dafür bündeln. Mein Opa war Innungsmitglied, das war damals einfach so und gehörte zum beruflichen Ethos dazu. Doch inzwischen hat sich die Welt verändert, die Friseur*innen kommen nicht mehr automatisch zu uns, wir müssen attraktiver werden, auch um neue und jüngere Mitglieder zu gewinnen. Es muss sichtbar und spürbar sein, warum man Geld für eine Innungsmitgliedschaft ausgeben soll. Das zeigt sich in allen Gewerken, wir sind nicht der einzige Verband, der Mitglieder verliert. Wenn wir politisch agieren, wirken wir auf 80.000 Betriebe, das soll wahrgenommen werden. Natürlich müssen auch die Angebote in einer digitalen Welt anders sein als für meinen Großvater. Ich will zuhören und die unterschiedlichen Ansätze verstehen, es darf außerhalb der Boxen gedacht werden.
TOP HAIR: Die Branche steht vor großen Herausforderungen, wie geht der ZV damit um?
Fred Schumacher: Wir als Friseure*innen sind ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und sollten in der Politik und im ZDH mehr Gehör finden. Wir sind eine Dienstleistungsbranche mit hohen Sozialausgaben und fordern unter anderem die Deckelung der Lohnnebenkosten sowie die Senkung der Umsatzsteuer. Im Kampf gegen die Schwarzarbeit erzielten wir einen großen Sieg mit der Aufnahme in das Schwarzarbeitsbekämpfungsgesetz, so dass nun nachweislich mehr Zollkontrollen stattfinden. Die konjunkturelle Situation ist für alle schwierig und herausfordernd, aber wir sind bereit an Veränderungen mitzuwirken. Der Friseurbesuch wird nicht digital ersetzbar sein. Es ist ein Geschäft zwischen Menschen, die Kunden*innen sollen sich wohlfühlen. Haare machen hat viel mit Emotion zu tun. Über Qualität und Wohlbefinden lassen sich auch Preise regulieren, das sind wesentliche Faktoren. Aber die Menschen müssen sich einen Friseurbesuch nach wie vor leisten können. Wir wollen die äußeren Strukturen anpacken und für die Branche verbessern. Aber auch die innere Kommunikation soll besser werden. In der Kommunikation mit Betrieben und Landesinnungsverbänden, wollen wir fragen, was braucht ihr für die Mitgliedschaft, um die jungen Menschen zu erreichen? Wir möchten unsere Mitgliedschaft digital sichtbarer machen, dieser Prozess hat bereits mit der umgestalteten Website und dem Newsletter begonnen und soll künftig echte Benefits im digitalen Mitgliederbereich bringen. glow-up.tv, das ab Ende des Jahres als Infoplattform in den Salons genutzt werden kann, gehört ebenfalls in diese Rubrik.
TOP HAIR: Was möchten Sie im Bereich Bildung und Education vorantreiben?
Fred Schumacher: Auch die Berufsbildung hat noch Potenzial. Wir wollen etappenweise mit den Menschen im Handwerk wachsen und hochwertige Bildungsangebote schaffen. Gerade das Friseurhandwerk ist ein Blumenstrauß an unterschiedlichen, heterogenen Menschen, alle mit verschiedenen Bedürfnissen. Das gilt auch für die Ausbildung, wenn sie gut gemacht ist auf betrieblicher und schulischer Seite, ist das ein guter Weg, um Menschen abzuholen. Über Wahrnehmbarkeit und Wettbewerbe, können wir Azubis begleiten, ihre Wünsche und Träume zu erfüllen. Wir wollen mehr junge Menschen für unsere Branche begeistern und noch mutiger sein, dazu gehört unter anderem die Präsenz auf der Euroskills in Düsseldorf nächstes Jahr. Außerdem reformieren wir gerade die Meisterprüfungsverordnung, dafür haben wir gefragt, was eine Friseurin oder ein Friseur braucht, was sind die Anforderungen der Praxis und wie können wir diese in das Konstrukt Meisterprüfungsverordnung überführen. Das hat der ZV und die Sachverständigen aus dem Ehrenamt gegenüber der Politik vertreten. Unsere Fürsprache fürs Handwerk im Dialog mit Ministerien war grundlegend für eine Verordnung, die den aktuellen Anforderungen entspricht.
TOP HAIR: Welche Schwerpunkte möchten Sie setzen?
Fred Schumacher: Die vorherige Geschäftsführung hat schon die Weichen gestellt. Darauf können wir in der Geschäftsstelle aufbauen. In der Zukunft hat der ZV eine Chance und Aufgabe darin, nach außen zu wirken, stark eine politische Stimme zu sein, auf die Entscheider*innen in der Handwerkslandschaft und in der Politik zu wirken, allen anderen im Gewerk zuzuhören, insbesondereim Ehrenamt, die Themen aufzugreifen und dann in einen politischen Prozess einzuspielen. So können wir uns hörbar machen. Die Mitgliedschaft will ich niederschwellig halten, sichtbar und mit attraktiven Angeboten erlebbar machen. Wenn man neu ist, kann man auch mal Dinge hinterfragen. Ich möchte erstmal zuhören und verstehen, was die Ansätze sind, wir bauen auf viel Historie auf, dürfen aber neu denken. Als Branche wollen wir wahrnehmbar über den ZV in die Politik hineinwirken, wir sind ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und brauchen die entsprechenden Rahmenbedingungen. Strukturell ist es eine schwierige Marktsituation, aber wir haben auch Ideen für Lösungen, lasst uns miteinander sprechen!
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