Friseurunternehmer Emidio Gaudioso nimmt in München den Bundespreis für hervorragende innovatorische Leistungen für das Handwerk entgegen. Haarschläuche und Haarmatten kommen im Mittellandkanal zum Einsatz.
Inhaltsübersicht
- „Wir verschönern nicht nur die Menschen, wir verschönern die Welt!“
- Haarschläuche verhindern Umweltkatastrophe im Mittellandkanal.
Ende März erhielt der Gründer von „Hair help the Oceans“ in Deutschland, Emidio Gaudioso, den Bundesinnovationspreis für das Handwerk. Mit der Entwicklung seiner Haarschläuche und Haarmatten, die ausgelaufenes Öl auf Gewässern binden können, machte der Friseurunternehmer auf der Messe „Zukunft Handwerk“ auf sich aufmerksam. Zudem konnte er einen Pitch, bei dem er gegen andere Ideen aus dem Handwerk antreten musste, für sich entscheiden. „Als ich die Nachricht vom Preis und der Preisverleihung am folgenden Abend erhielt, konnte ich das zuerst gar nicht verarbeiten. Ich hatte nicht einmal ein Sakko eingepackt“, lacht er.
„Wir verschönern nicht nur die Menschen, wir verschönern die Welt!“
„Ich war einfach nur geflasht und so stolz, dass ich hier unser Friseurhandwerk vertreten kann. Denn ich bin einfach Emidio, der Friseur. Zu zeigen, dass Friseure so viel leisten können, macht mich stolz. Wir verschönern nicht nur die Menschen, wir verschönern die Welt!“ Emidio Gaudioso ist froh, dass die Handwerkskammer Hannover sein Projekt und seine Idee durchweg unterstützt. Auch der niedersächsische Wirtschaftsminister, mit dem er schon mehrmals über die finanzielle Herausforderung in der Weiterentwicklung der Haarschlauchmaschinen sprechen konnte, hat Unterstützung zugesagt. „Ich sage ganz offen, dass der Verkauf der Materialien an Feuerwehren, Hafenmeistereien und den Wasserschutz notwendig ist, um das Projekt weiterzuführen. Doch die Kommunen sind extrem zurückhaltend, die Bürokratie hoch.“ Dabei zeigt die Praxisanwendung, wie sinnvoll die Entwicklung ist: Mitte April, knapp zwei Wochen nach der Preisübergabe, kamen die mit Haaren gefüllten Schläuche erfolgreich zum Einsatz.
Haarschläuche verhindern Umweltkatastrophe im Mittellandkanal.
Wurden die Haarschläuche bis diesem Zeitpunkt nur übungshalber von Feuerwehren und Hafenmeistereien eingesetzt, kam es Mitte April zum Ernstfall. Heizöl war in ein Abwassersystem gelangt, das direkt in den Mittellandkanal fließt. Die Feuerwehr Bückeburg kam direkt in den Salon von Emidio Gaudioso und bat um Hilfe. Haarmatten und Haarschläuche konnten die Einsatzkräfte individuell zuschneiden und direkt auf die befallen Stellen legen oder in die Schächte werfen. So wurde man dem Ölteppich Herr, der durch die Haare gebunden wurde. „Es war ein schönes Gefühl, live die Anwendung mitzuerleben und mitgeholfen zu haben, hier Schlimmeres zu verhindern“, sagt Gaudioso. Die Feuerwehrmänner waren begeistert vom Handling der Schläuche, die leicht sind, und durch den enthaltenen Kork gut aufsteigen. Bisherige Hilfsobjekte fungieren nur als schwere Barrieren, nehmen das ausgelaufene Öl aber nicht auf, wie es Haarmatten, Schläuche und auch das Haarmehl tun. „Die Feuerwehrleute haben mir wieder bestätigt: Es passiert so viel auf den Gewässern, was die meisten Menschen gar nicht mitbekommen. Die Kommunen müssten sich ausstatten, um solche Katastrophen zu verhindern.“

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