Am Anfang stand eine Wette. Und eigentlich hätte Jozef John Palushaj sie verlieren müssen. Denn bis er auf die verrückte Idee kam, von Köln nach Rom zu radeln, hatte der Friseurmeister mit Radfahren nichts am Hut.
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Das war vor fünf Jahren. Inzwischen kennt er sich aus: Mehrere Langstrecken und etliche platte Reifen später ist er quasi zum Experten für herausfordernde Touren geworden. Sein Ziel diesmal war der Petersdom in Rom. Das bedeutete: täglich 200 km auf dem Sattel, teilweise bei Temperaturen von über 30 Grad, auf den Passhöhen der Alpen plötzliche Kälteeinbrüche, Zwangspausen zum Reifen flicken. Das schafft man nur mit einem sinnvollen Ziel vor Augen. Dieses Ziel heißt, Spenden sammeln für das größte und einzige Kinderkrankenhaus des Kosovos in Pristina.
Liebe zum Beruf weitergegeben
Dass er gerade dafür in die Pedale tritt, hat einen biografischen Hintergrund. Jozef John Palushaj war 17, als er 1990 als Kriegsflüchtling nach Deutschland kam. Und zunächst wusste er mit seinem neuen Leben nicht viel anzufangen. Erst mit 24 Jahren, motiviert von seiner älteren Schwester Kristina, begann er eine Friseurlehre – und hatte Glück. Sein Ausbildungsmeister vermittelte ihm nicht nur die handwerklichen Fertigkeiten, vielmehr weckte er in ihm auch die Liebe zu diesem Beruf. 2012 machte er sich selbstständig, zunächst in einem Ladenlokal mit altertümlicher Anmutung. Das entsprach zwar überhaupt nicht seinen Vorstellungen, genoss aber in der Kölner Südstadt einen gewissen Kultstatus, weil es 1985 als Kulisse für das Cover einer BAP-LP gedient hatte. Seit 2018 führt er zusammen mit seiner Schwester einen Salon nach eigenen Vorstellungen und gibt dort wie selbstverständlich die Liebe zu seinem Beruf an seine jeweiligen Auszubildenden weiter. Sieben hat er bereits zu guten Gesellenprüfungen geführt, und auch sein derzeitiger Lehrling hat gute Aussichten auf einen erfolgreichen Abschluss.
Reisen mit sich selbst
So wie der Friseurmeister sich sein heutiges (Berufs-)Leben Stück für Stück erarbeitet hat, so motivierte er sich auch während der Alpenüberquerung. „Der Berg ist da, der Kampf findet gegen sich selbst statt“; so seine Erfahrung. Es sei falsch, sich die Strecke anzuschauen. Man müsse vielmehr das Ziel im Blick haben. „Es ist eine Reise mit sich selbst“, sagt der 42-Jährige, „und eines der krassesten Gefühlserlebnisse“. Vor den Bergen empfinde er Demut und Dankbarkeit. Und: „Mit den Bergen zu reden, schafft eine gewisse Leichtigkeit.“
Dennoch mussten er und sein Mitstreiter Jonas Orbke diesmal über sich hinauswachsen. Denn die 1.450 Kilometer nach Rom waren gekennzeichnet von mehreren Reifenpannen, Wetterumschwüngen und sportlichen Herausforderungen, die sie unterschätzt hatten. Aber nicht die Alpen waren das Etappenproblem, sondern die hügelige Toskana mit ihren langen Steigungen von bis zu 14 Prozent. Als die beiden am Petersdom im Vatikan ankamen – Jonas Orbke fuhr die letzten vier Kilometer auf der Felge – zeigte das Thermometer 35 Grad und das „Zielfoto“ zwei völlig entkräftete aber trotzdem euphorische Hobbysportler.
Menschen aufmerksam machen
„Die erradelten 5.000 Euro sind nicht viel“, sagt Jozef John Palushaj, „aber die Menschen werden durch solche Aktionen auf Hilfsprojekte aufmerksam, zu denen jeder einen Beitrag leisten kann. Prominente Unterstützung ist dem Friseurmeister gewiss. Zu seinen Kunden zählen bekannte TV-Stars. Zum Beispiel hatte er bei vier Staffeln von DSDS die Protagonisten und Kandidaten frisiert. Auch in seinem Stadtviertel ist er gut vernetzt. So sponserten der Rotary-Club und ein in der Nachbarschaft ansässiger Verlag diese Reise nach Rom. Wohin die nächste im kommenden Sommer geht, steht noch nicht fest. Aber dass er weiterhin für die kranken Kinder im Kosovo in die Pedale treten wird, weiß Jozef John Palushaj ganz sicher.
Text: Angelika Basdorf
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