Foto: Claus Göhler

18.10.2019

Abschied von Starfriseur Peter Polzer

Im Alter von 87 Jahren ist der legendäre Star-Friseur Peter Polzer in Hamburg gestorben. TOP HAIR-Chefredakteurin Rebecca Kandler erinnert sich an einen langjährigen Weggefährten.

Er war einer der ersten, der seinen Namen zur Marke machte: „Peter Polzer“, das war und ist eine Ansage in Hamburg. „Jetzt trägt der Himmel Polzer“, titelte die Bild-Zeitung, die in einem ausführlichen Online-Artikel über seinen Tod berichtete. „Peter Polzer“ war in der Hamburger Gesellschaft so sehr zur Marke geworden, dass Kundinnen bisweilen mit einem erstaunten „Ach, Sie gibt es wirklich!“ reagierten, wenn er sich in einem seiner Salons bei ihnen vorstellte.  „Peter Polzer“ heißen seine fünf Geschäfte, die er ab 2007 nach und nach verkaufte, bis heute.

Er selbst kam ursprünglich aus Chemnitz, verwandelte sich an der Elbe aber zum Inbegriff des Hanseaten. Großzügig, gebildet und fern aller dem Friseur-Klischee entsprechenden Vertraulichkeiten. Dabei hatte er durchaus Sinn für den wirkungsvollen Auftritt. Als ich zum ersten Mal bei ihm in Hamburg war, zeigte er mir seine Geschäfte und nebenbei die Stadt – in einem top gepflegten Jaguar-E-Type-Cabrio. Ich war neu bei TOP HAIR und entsprechend beeindruckt.

In den folgenden mehr als zwanzig Jahren ist unser Kontakt nie mehr abgerissen. Bis in die 2010er-Jahre schrieb er ausführliche Artikel für uns. Emotional im Stil, betriebswirtschaftlich ausgerichtet in der Sache. Er wollte, dass Friseure erfolgreich sind und dachte laut über Ausweitung der Öffnungszeiten, unterschiedliche Preisschienen und selbstbewusste Vermarktung von Friseurdienstleistungen nach, als das noch als Provokation verstanden wurde. Die digitalen Möglichkeiten interessierten ihn, er fotografierte auf professionellem Niveau, und manchmal rief er auch nur an, weil er über eine Ausstellung diskutieren wollte oder eine Theater-Inszenierung, die ihn begeisterte. Er war ein charismatischer Gesprächspartner, aber auch ein fordernder. Er dachte schnell, sprach schnell und erwartete ebenso schnell eine schlagfertige Antwort. Sein Abschied wird ein leiser sein: eine Urnenbestattung im engsten Kreis. Nicht nur mir wird er fehlen. Er hat meine Welt weiter und bunter gemacht. Danke, Peter Polzer!