Masters of Blond

Ayse Auth und Hatice Nizam haben Haare Blondieren perfektioniert

In der Türkei lernten sie vor 25 Jahren, wie man auch südeuropäisches Haar klar blondiert, ohne Rot- und Gelbstich. Heute gelten die beiden Türkinnen mit Salons in München und Frankfurt als Deutschlands führende Blond-Expertinnen.

Dreamteam: die Schwestern Hatice Nizam (l.) und Ayse Auth >< Foto: Haarwerk

Mehr Business-News? Newsletter anmelden!

Es gab einmal eine Zeit, da waren Hatice Nizam und ihre Zwillingsschwester Ayse Auth schwarzhaarig – wie es die meisten Türkinnen wohl sind. Womit aber nicht jede glücklich ist, denn: „Alle Türkinnen wollen blond sein!“, erklären die beiden lachend. Ob das wirklich bei allen so ist, sei mal dahingestellt; bei diesen beiden stimmte und stimmt der Satz jedenfalls. Nun scheint es für Friseurinnen­ auch keine allzu große Schwierigkeit zu sein, ein ordentliches Blond zu kreieren. „Ich war fast weiß“, erinnert sich Hatice Nizam an diese frühen Versuche. „Aber mein Haar war durch die extreme Aufhellung auch extrem strapaziert.“
   Zudem waren beide Schwestern mit dem Ergebnis nicht zufrieden. Darum suchten sie Alternativen. „Wir sind immer viel unterwegs gewesen“, erzählen sie, „in Italien beispielsweise, in Istanbul.“ Dort sahen sie die Nuancen, die sie eigentlich hatten erreichen wollen: klares Blond, ohne Gelb- oder Rotstich, perfekt ausgeführt von Experten, die sich auch mit den Besonderheiten südeuropäischer Haare auskannten. Auch Hatice Nizam ließ sich dort die Haare blond färben, „weil ich unbedingt einen Profi haben wollte!“

Dieses Blond beschlossen die Schwestern nach Deutschland zu bringen. Also absolvierten sie eine Kurzlehre im Fach Blondieren bei dem führenden Istanbuler Farbexperten im Salon MOS Hair. „Sechs Stunden Schulung für 450 Mark“, erinnert sich Hatice Nizam. „Für mich damals sehr viel Geld!“ Aber gut angelegt. Sie sahen, wie hier nicht eine Farbe eingesetzt wurde, sondern zahlreiche. Verschiedene Töne wurden gemischt, mit verschiedenen Techniken wurden hier neue kreative Möglichkeiten ausgelotet. Während in Deutschland die Range der Blondtöne noch sehr überschaubar war, bot sich ihnen in der Türkei ein ganzes Spektrum. Vor rund 25 Jahren brachten sie dieses Know-how mit, setzten es erfolgreich um.

Colour Trophy brachte den Durchbruch

„Neugier und Mut“, so sagt Hatice Nizam, seien die Triebkräfte, die sie und ihre Schwester an die Spitze gebracht haben. Mutig haben sie sich Wettbewerben gestellt, mutig haben sie die Selbstständigkeit gewagt, neugierig haben sie die Grenzen des Machbaren ausgetestet. Freundinnen, Familienangehörige – sie alle mussten den Kopf hinhalten, wenn eine Technik, eine neue Mixtur ausprobiert werden musste. „Und wenn es schiefging, haben wir erklärt, dass genau dieser Look jetzt Trend ist!“, lacht Hatice Nizam.
   Der ganz große Durchbruch gelang den beiden Friseurmeisterinnen 1997: Sie gewannen die L’Oréal Colour Trophy mit atemberaubendem Blond. Plötzlich waren sie die Stars auf allen Bühnen, national und international gefragt. Sie galten als Koryphäen in Blond und zeigten Deutschland, was möglich ist. Sehr selbstbewusst schmücken sie ihre „Haarwerk“-Salons denn auch mit dem Attribut „Das beste Blond“ – inzwischen viermal zu finden: zweimal in Frankfurt, einmal in München, einmal in Berlin. Düsseldorf ist in Planung.

„Das beste Blond“ wird mit viel Kreativität gemacht und mit der Begeisterung für Veränderung, denn: „Blond ist nicht gleich blond!“ Jede einzelne Strähne, so erzählen sie, wird mit Überlegung, mit Technik und mit Gefühl behandelt. Immer wieder entwickeln sie neue Methoden für schönste Ergebnisse. Weiterhin holen sich die beiden Unternehmerinnen Ideen und Inspirationen auf Reisen in alle Welt: immer wieder Istanbul, aber auch Dubai und Los Angeles. In Mailand erlebten sie die Neuheit Balayage; Paris war die Stadt, in der sie das Painting entdeckten. Wenn Ayse und Hatice eine Technik begriffen hatten, begannen sie mit der praktischen Arbeit: Trainings, um Sicherheit zu bekommen; Experimente, um die Möglichkeiten auszutesten; Variationen, um innovativ voranzuschreiten. Dass sie ihre Kundinnen nicht nach Schema F bedienen, sondern den passenden Farbton erarbeiten unter Berücksichtigung von Kundentyp, Stil und Hautton, ist ebenfalls Teil des Erfolgsrezepts.

„Wir painten von früh bis spät!“

60 Mitarbeiter beschäftigen die Zwillinge inzwischen. Es sind treue Mitarbeiter, alle neugierig, alle ehrgeizig, alle getrieben von dem Wunsch: „Ich will so gut sein wie die Chefinnen!“ Die sagen: „Man braucht drei Jahre, um dieses Know-how zu erlernen.“ Regelmäßig führen sie in den Haarwerk-Salons Schulungen durch; immer wieder sind die Besten im Team auch im Ausland dabei, etwa in Paris, um bei anderen Meistern ihre Painting-Kompetenz zu perfektionieren.

Painting ist derzeit der absolute Renner“, so Hatice Nizam: „Wir painten von früh bis spät!“ Doch auch die Balayage ist zurück, Ombré hingegen hält man in den Haarwerk-Salons schon seit Jahren für out. Aktuell sind sandige, natürliche Töne gefragt, mit sichtbaren Strähnen und schönen, aber nicht extremen Verläufen. Auch Eisblond erlebt eine Hoch-Zeit.
   Natürlich ist auch die Pflege ein wichtiges Thema, für das sich die Blond-Expertinnen und ihr Team stets auch die Kundinnen mit ins Boot holen: Diese werden „verpflichtet“, sich mindestens einmal in der Woche Zeit für ihr Haar zu nehmen und es mit einer Tiefenmaske intensiv zu pflegen. „Denn sonst können wir den Wunscheffekt nicht erreichen“, so die Expertinnen. Das Argument klingt für ihre Kundinnen so überzeugend, dass sie dafür auch gern die Pflegeprodukte der Eigenmarke­ kaufen.

Text: Kordula Küper