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Locken

Von der Anatomie des Haares

Glatt oder lockig, matt oder glänzend, fein oder voluminös – wie das Haar beschaffen ist, liegt in den Genen. Ein Blick auf die Haarstruktur.

Foto: Shutterstock

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Schaut man sich um auf der Welt, so scheint es beim Kopfhaar zahlreiche Urformen und Mischtypen zu geben, von der afrikanischen Krause bis zum sehr kräftigen Haar der Asiaten, vom dunklen südeuropäischen bis zum sehr hellen nordeuropäischen Typ – und alles dazwischen. Zur Unterscheidung sprach man bislang von asiatischem, kaukasischem und afrikanischem Haar. Wir bleiben dabei, auch wenn eine neue, weltweite Studie eine feinere Unterscheidung vornimmt (1) und – mit dem Hinweis, dass zahllose Mischformen unberücksichtigt bleiben, die aufgrund genetischer Veränderungen und umfangreicher Wanderungsbewegungen entstanden sind – unter dem Aspekt Lockigkeit das Haar in acht Gruppen klassifiziert (wobei die letzten vier einzig im Grad der Krause differieren). Die entscheidenden Kriterien hier sind Krümmungsradius, Lockengröße und Zahl der Wellen. Für den Alltag im Salon aber darf uns das grobere Raster genügen.

Das dickste, robusteste Haar und das am schnellsten wachsende findet man im asiatischen Raum. Betrachtet man es einmal unter dem Mikroskop, so sieht man einen nahezu perfekt runden Querschnitt. Er erklärt, warum asiatisches Haar gesund und kräftig erscheint: Denn nebeneinander liegende Haare berühren sich nur wenig, nämlich nur an den jeweils exponiertesten Punkten. Die Reibung ist daher minimial, die Abnutzung und Aufrauung – verglichen mit anderen Haartypen – ebenfalls, wie der Glanz beweist, der asiatisches Haar kennzeichnet.

Kaukasisches Haar ist als mitteldick einzuordnen. Seine Form ist elliptisch; Haare können sich also großflächig aneinander reiben, was logischerweise eine stärkere Beanspruchung der Schuppenschicht zur Folge hat. Sie brechen leichter als asiatisches Haar, aber bei weitem nicht so leicht wie afrikanisches Haar, bei dem die Ellipse noch viel flacher ist.

Je lockiger, desto trockner das Haar

Betrachtet man die Intensität der Locken, so lassen sich grob vier Gruppen unterscheiden. Den Anfang macht glattes Haar, das keinerlei Bewegung zeigt. Es ist im Vergleich das wohl am besten mit pflegendem Talg versorgte Haar. So zeigt sich bei ihm der gesunde, schöne Glanz fast von allein. Die Glätte kann so weit gehen, dass das Kreieren von Locken nahezu unmöglich ist (2).

In der Kategorie welliges Haar reicht das Spektrum von leichter Bewegung bis hin zu scheinbar ausgehängten Locken und styling-resistenten Varianten. Um dieses Haar zum Glänzen zu bringen, ist die Zufuhr von Pflegestoffen unverzichtbar. Lockiges Haar, in der Form von aneinander gehängten S oder auch Z, ist für gute und auf seine Bedürfnisse abgestimmte Pflege sehr dankbar. Wird es unterversorgt, so wirkt es schnell strohig und unordentlich; wird es aber überversorgt, so verschwindet seine Leichtigkeit. Das Haar hängt schwer und ohne Spannkraft. Das naturkrause Haar schließlich ist, entgegen landläufiger Meinung, fein und sehr empfindlich. Hier ist eine sehr umsichtige Sonderbehandlung verlangt: sanfte Produkte, vorsichtiges Kämmen und ganz viel Pflege.

Der Follikel bestimmt die Form

Jedes Haar besteht – grob betrachtet – aus zwei Teilen: dem sichtbaren Haarschaft und dem Follikel, also dem Produktionsort (3). Dessen Form hat entscheidenden Einfluss darauf, ob das Haar glatt auf die Schultern fällt oder sich in mehr oder minder starken Locken kringelt. Wenn das Follikel rund ist, so wachsen die Haare sehr gerade; ist es aber leicht oval, zeigen sich leichte Wellen. Je stärker das Oval ausgeprägt ist, je flacher es ist, desto stärker ist auch die Lockenbildung.

Einen weiteren Hinweis gibt der Winkel, in dem das Haar durch die Haut dringt. Wächst es gerade, senkrecht, also quasi im rechten Winkel zur Hautoberfläche, so kann von geradlinigem Wuchs ausgegangen werden. Tritt es aber schräg aus, bildet es gar einen Bogen, wird es sich in seiner Länge locken. Die Krümmung aber verhindert zugleich, dass das Haar durch die Talgdrüsen ausreichend versorgt wird: Das erklärt, weshalb Locken oftmals einhergehen mit dem Gefühl trockenen Haars.

Ein dritter Faktor, der auf den Grad der Lockigkeit Einfluss nimmt, ist die innere Struktur des Haars, nämlich die Verbindungen zwischen den Keratinsträngen. Je zahlreicher und enger sie sind, desto lockiger ist das Haar. Und noch eins: Locken sind, so haben Tests bewiesen, dominantes Merkmal im Erbgut: Wer gelocktes Haar hat, darf auch beim Nachwuchs mit 85- bis 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit niedliche Lockenköpfchen erwarten.

(Quellen: (1) IKW, Journalisten-Kosmetiktraining 2015, Dr. Ludger Neumann: Haare der Welt – gleich oder doch so verschieden (2) http://www.curls.biz/curly-hair-type-guide.html (3) https://helix.northwestern.edu/blog/2014/05/science-curls)

 

Autor: Kordula Küper