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Pierre Reistroffer

Mit Modeliebe

Pierre Reistroffer ist der diesjährige German Hairdresser of the Year. Wir haben ihn in seinem Salon in Saarbrücken besucht.

Bescheiden: Nur fürs Foto standen die Pokale auf dem Tresen. ::: Foto: Fotolutz.com/Nina Meumann

Wer hat schon eine Halfpipe in seinem Salon stehen ... ::: Foto: Fotolutz.com/Nina Meumann

Pierre Reistroffer im Gespräch mit TOP HAIR-Redakteurin Anke Krespach. ::: Foto: Fotolutz.com/Nina Meumann

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Im ersten Moment macht sich Verwirrung breit – bin ich hier richtig? Von außen ist das Haus in der Paul-Marien-Straße in Saarbrücken ein normales Wohnhaus und kein typischer Salonstandort. Der Blick auf das Klingelbrett verschafft Klarheit: Ja! „L’Appart“ steht da, der Name des Salons von Pierre Reistroffer. Als ich klingle, steckt der neue German Hairdresser of the Year seinen Kopf aus der Tür und mir seine Hand entgegen. Durch das kühle, dunkle Treppenhaus betrete ich eine Altbauwohnung im Hochparterre.

„Überwältigend“

„Ich wollte einen kleinen Salon – wie eine Wohnung, ein Zuhause. Kunden, die zu mir zu Besuch kommen. Deshalb auch die Lage außerhalb der Innenstadt. Hier gibt es keine Laufkundschaft“, erzählt Pierre beim Rundgang. Der Salon ist tatsächlich klein: zwei Bedienplätze und in der Mitte ein Tisch mit vier Plätzen für Farbkunden, in einem separaten Raum zwei Waschplätze. Kein Schnickschnack. Weiter hinten gibt es noch einen Raum, der mal das „Männerzimmer“ werden soll. Eine kleine Halfpipe und selbst entworfene Spiegel sind schon drin, coole Vintage-Barber-Stühle sucht ­Pierre noch.

Der gebürtige Lothringer arbeitet hier zusammen mit einem Coloristen und ist auf Wochen ausgebucht. So wie der Salon  ­clean und cool, aber gleichzeitig sehr echt, ist auch die Kollektion, mit der Pierre im März beim German Hairdressing Award gleich zweimal abgeräumt hat: im Bereich Damen West und eben als Gesamtsieger. „Bei der Verkündung des Kategorie-Sieges war ich schon völlig platt. Als dann mein Name beim Gesamtsieg gefallen ist, konnte ich es gar nicht glauben. Überwältigend!“, gibt ­Pierre zu.

„Einfache Sachen“

Bei seiner Arbeit ist ihm Natürlichkeit ganz wichtig: „Die Schönheit der Frau sollte im Vordergrund stehen. Das versuche ich bei der Kollektion und auch bei meinen Kundinnen im Salon umzusetzen. Einfache Sachen, die schön und tragbar sind.“ Und woher kommt die Inspiration? „Ein Friseur kann nicht arbeiten, ohne die Mode, sie ist immer die Basis. Ohne die geht nichts“, sagt er. Die Leidenschaft für Mode hat ihn auch zu seinem Beruf gebracht: Während eines technisch-kaufmännischen Studiums jobbte er als Model für seine ehemaligen Chefs in deren Salon in Lothringen. Er schloss das Studium zwar ab, wechselte dann aber in den Salon und lernte dort das klassische Handwerk. Mit Erfolg: In dieser Zeit holte er zweimal den französischen Hairdressing Award in den Kategorien Newcomer sowie Presse. Die erste eigene Kollektion für seinen Salon beim deutschen Wettbewerb hat er im vergangenen Jahr entwickelt. Für den 29-Jährigen ein „irres Jahr, in dem alles gleichzeitig passiert ist.“ Nach der Eröffnung des Salons im November 2013 ist er im Frühjahr 2014 auch noch Vater von Zwillingen geworden.

„Krasse Zeit“

Und hatte dann sozusagen gleich drei Babys auf einmal. „Im Salon war ich vom ersten Tag an voll ausgebucht, obwohl ich fast keine Werbung gemacht habe und schwer zu finden bin. Heute verbreitet sich eben viel über soziale Netzwerke“, sagt Pierre und fährt fort: „Und die Zwilinge mussten am Anfang länger im Krankenhaus bleiben und ich nachts alle drei Stunden die Milch hinbringen. Es war eine sehr krasse Zeit!“ Trotzdem ist Pierre Reistroffer angenehm relaxed, spricht ruhig und entspannt: „Ich liebe einfach, was ich mache. Ich brauche den Kontakt zu den Kunden“, bekräftigt er. Seine Kundschaft ist ganz gemischt: Von jungen hippen Studenten bis zu älteren modebewussten Damen ist alles dabei. „Ich möchte weder auf die einen noch auf die anderen verzichten.“ Und die weiteren Pläne? „Die nächste Kollektion ist schon hier drin“, verrät er und deutet auf den Hinterkopf. Wir sind gespannt!

Autor: Anke Krespach