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Kundenstruktur

Kinder? Aber gerne!

Nicht alle Friseure freuen sich über Kinder im Salon. Sie gelten als nervig, bringen weniger Umsatz und kosten Zeit. Doch viele Saloninhaber sehen in den Kleinen von heute die großen Kunden von morgen. Und haben sich auf sie eingestellt.

Kindsköpfe heißt der Salon von Bettina Kojzek. Ihr Kundenstamm ist nicht mehr überaltert. >< Foto: privat

Lupo macht auch Kinderkollektionen: "Shadow men" | Styling: Miriam Modell: Jasper | Haare - und Make up: Lupo, Georgi >< Foto: Emil Zander

Lupo macht auch Kinderkollektionen: „Schicki Micki Ich" | Styling: Miriam Fadler, Haare- und Make up: Lupo | Katrin, Modelle: Lucy, Lilli, Theo. Marie-Anne, Sam, Kim. >< Foto: TivTyler

Lupo macht auch Kinderkollektionen: „Schicki Micki Ich" | Styling: Miriam Fadler, Haare- und Make up: Lupo | Katrin, Modelle: Lucy, Lilli, Theo. Marie-Anne, Sam, Kim. >< Foto: TivTyler

Lupo macht auch Kinderkollektionen: „Schicki Micki Ich" | Styling: Miriam Fadler, Haare- und Make up: Lupo | Katrin, Modelle: Lucy, Lilli, Theo. Marie-Anne, Sam, Kim. >< Foto: TivTyler

Lupo macht auch Kinderkollektionen: „Schicki Micki Ich" | Styling: Miriam Fadler, Haare- und Make up: Lupo | Katrin, Modelle: Lucy, Lilli, Theo. Marie-Anne, Sam, Kim. >< Foto: TivTyler

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Sie sind selten: ausgesprochene Kinderfrisöre ziehen nur in großen Städten so viel Kundschaft an, dass sie sich rechnen. Aber Kinder und Eltern gleichzeitig im Salon zu haben, das ist eine gute Mischung. Die Erfahrung hat zumindest Bettina Kojzek gemacht. Als die Friseurmeisterin 2007 in der Stuttgarter Innenstadt einen Salon übernahm, war dessen Kundschaft stark überaltert. Mehr als die Hälfte der Kunden zählte weit über 50 Lenze. Kojzek überlegte mit ihrem Team, wie  man junge Kunden ins Geschäft bekommen könnte. „Kinder waren für mich der Schlüssel“, erklärt sie ihre Überlegungen. „Sie kommen meist mit ihren jungen Eltern.“ Die 51-Jährige entschloss sich 2009 zu Totalumbau. Der neue Name Kindsköpfe sollte schon nach außen zeigen: Hier sind Kinder willkommen. Auf 56 Quadratmetern entstand ein Salonbereich mit drei Bedienplätzen für Damen und Herren. Die vier Kinderstühle, Spielecke und kindgerechte Möbel auf den verbleibenden 54 Quadratmetern sind Kunden bis zehn Jahre vorbehalten. Die Überlegungen sind aufgegangen. Kindsköpfe hat heute eine Mitarbeiterauslastung von 70 bis 75 Prozent. Über 70 Prozent der Kunden sind heute weit unter 50 Jahren, jeden Monat kommen etwa fünf Prozent Neukunden dazu. Auch mit den Umsätzen ist Kojzek zufrieden. „Wir sind unfassbar schnell“, erklärt sie ihr Konzept. „Kleinkinder schneiden meine Mitarbeiterinnen oder ich in 13 bis 15 Minuten.“ Doch das sei ein Lernprozess gewesen. Ihre Erfahrung: Die meisten Eltern haben nicht den Anspruch, dass Kinder wie Erwachsene geschnitten werden. Wichtiger sei der Umgang mit ihnen. Das Kind müsse Vertrauen aufbauen und im Idealfall gar nicht mitbekommen, dass ihm die Haare geschnitten würden.

Ähnlich sind die Erfahrungen ihres Kollegen Danielo Verrina. Der 45-jährige Italiener betreibt seit sieben Jahren in der Innenstadt der 70.000 Einwohner-Stadt Kempten mit zwei Mitarbeiterinnen seinen Salon Da Danielo. Kinder sind dort genauso herzlich willkommen wie Damen und Herren. Da kämen Mama oder Papa mit und blieben ebenfalls da, um sich die Haare schneiden zu lassen. „Auf die Dauer lohnt sich das.“ Nur Freitag und Samstag nehme er keine Kinder an, da hätten Berufstätige Vorrang. Für eine spezielle Kinderecke fehlt Verrina auf seinen 27 Quadratmetern der Raum. Kleine Kunden nehmen auf einer Sitzerhöhung Platz und bekommen einen bunten Umhang. Das sei immer cool für die Kiddies. Gute Erfahrungen hat der Friseurmeister zudem mit Tablet-PCs gemacht. Suchen sich erwachsene Kunden darauf neue Frisuren heraus, könnten Kinder auf Youtube eine Serie ansehen und hielten für den Haarschnitt still. „Ein bisschen Geduld, ein wenig Spielen, das ist die halbe Miete.“

Spielerisch und herzlich geht auch Stefan Lupp auf seine jüngsten Kunden zu – und das zu jeder Zeit. „Ich lege mich oft erst einmal auf den Boden, zeige die Schere und setze die Kinder auch mal ins Waschbecken, damit sie Spaß haben“, erklärt der 38-Jährige, der in Düsseldorf die Salons Lupo Classic und Lupo Avantgarde betreibt. Bücher und Spielzeug machen den Friseurbesuch bei ihm zusätzlich interessant. Will ein Kind die Haare partout nicht geschnitten haben, verzichtet Lupp darauf. „Wer nicht möchte, den zwinge ich nicht, da hat das Kind auch keinen Nutzen davon.“ Schlechte Erfahrungen bei Friseur wirkten oft bis ins Erwachsenenalter nach. Das wolle er vermeiden. Bei Lupp ist aber auch klar: „Eltern müssten gewillt sein, Geld für den Kinderhaarschnitt auszugeben.“ Je nach Alter und Aufwand zahlen sie zwischen 16 und 46 Euro für die Frisur. Das sei nicht immer einfach. „Bei Kindern wird immer gefeilscht, dabei reden wir über handwerkliche Qualität.“ Sein Traum vom exklusiven Kindersalon mit kindgerechter Ausstattung aus Holz und Pädagogen unter den Mitarbeitern wird für Lupp deshalb unerfüllt bleiben. „Da müsste ich ganz andere Preise nehmen oder nur ein Viertel des momentanen Umsatzes erwirtschaften. Das geht schlichtweg nicht.“

Ihren Traum real werden lassen, hat dagegen Yvette Rudolph. Nach 20 Berufsjahren in diversen Salons wollte die Friseurmeisterin sich auf junge Kunden konzentrieren. „Kinder werden häufig stiefmütterlich behandelt“, so ihre Erfahrung. Dabei seien sie dankbar, ehrlich und erfrischend – kurzum weniger anstrengend. 2012 baute sie den 60 Quadratmeter großen Salon in Dresden unter dem Namen Wilde Köpfe zum reinen Kindersalon aus. „Erwachsene waren bei uns anfangs kein Thema“, sagt sie, selbst wenn neben Motorrad und Auto für die ganz Kleinen auch drei große Stühle stehen. Inzwischen hat sie rund 70 Prozent Kinder und 30 Prozent Erwachsene auf dem Stuhl. Die 43-Jährige setzt in ihrem Salon auf bunte Farben und eine kindgerechte Ausstattung. „Kinder sollen bei uns erst einmal hereinkommen, schauen, sich in der Kuschelecke mit Eisenbahn oder Spielzeug beschäftigen. Sind sie größer, steht ein DVD-Player mit einer Filmauswahl bereit.“ Sie lebe von den Kindern, sagt Rudolph über ihr Konzept. „Das ist eine ganz andere Herangehensweise.“ Die schlägt sich auch in der Dienstleistungspalette nieder: Schneiden ist am wichtigsten, gefragt sind aber auch Flechtfrisuren, Strähnchen, Sprühtatoos oder einrasierte Muster. Nebenbei lackiert Rudolph Fingernägel und sticht Ohrlöcher. „Wir haben immer den Finger als Puls der Zeit, probieren Neues aus.“ Die Kinder kämen gerne, manche wollten gar nicht wieder weg. Kein Wunder, gibt’s doch an der Süßigkeitenbar immer etwas zu Naschen. Und nach dem ersten Besuch eine Urkunde zur Erinnerung an das Abenteuer Haarschnitt.

Tipps zum Umgang mit Kindern im Salon:

  • Kindern Zeit geben, sich einzugewöhnen. Am besten eine Viertelstunde vorher bestellen.
  • Spielecke mit Büchern, DVD oder Spielen einrichten.
  • Kleine Erinnerungen wie Urkunde für den Erstbesuch mitgeben.
  • Mit den Kindern besprechen, was sie wollen; Eltern- und Kinderwünsche verbinden.
  • Auf Kleinkinder behutsam zugehen, Eltern eventuell bitten, das Kind liebevoll festzuhalten.
  • Schnelles, fokussiertes Arbeiten.
  • Nicht verrückt machen lassen, nett und gelassen bleiben, wenn es nicht gleich läuft.
  • Wenn das Kind zu unruhig ist, aus Sicherheitsgründen auf Haarschnitt verzichten.
  • Spezielle Kinderprodukte wie Bürsten oder Pflegmittel anbieten, das steigert den Umsatz.
  • Jugendschutz beachten: Jugendlichen unter 16 Jahren dürfen nicht mit Haarfarben behandelt werden, die folgenden Hinweis im Beipackzettel oder auf der Verpackung enthalten: Dieses Produkt ist nicht für Personen unter 16 Jahren bestimmt. Dies gilt auch, wenn etwa die Eltern einer solchen Farbbehandlung schriftlich zustimmen.

Text: Elke Reichenbach