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Thomas Wolff

Jeder Tag zählt

Peter Polzer ist eine Größe in der Branche. 2010 hat er seine Salons in andere Hände gegeben. Ein Besuch bei Thomas Wolff, dem Mann, der heute hinter „Peter Polzer“ steht

Thomas Wolff hat 2010 die Salons von Peter Polzer in Hamburg übernommen. ::: alle Fotos: Privat

Zweimal im Jahr werden mit dem Hair Construction Team neue Kollektionen erstellt.

Supermodel Naomi Campbell stylte Wolff auf der Lexus Fashion Night.

Wolff (l.) 1980 in Caracas, Venezuela.

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Weil jeder Tag zählt

Das ist das Lebensmotto von Thomas Wolff. Das steht auf seinem Spiegel im Badezimmer, das trägt er als Gravur auf einem Armband ums Handgelenk. Deshalb liest sich seine Vita wie ein Mosaik mehrerer Friseurleben: geboren in Heidelberg als Kind deutsch-amerikanischer Eltern, deutsches Internat, weil die Eltern nicht viel auf das Bildungssystem der USA geben. Nach der Schule beginnt er eine Ausbildung als Chemielaborant bei Hoechst, die er zwar nicht beendet, doch die anderthalb Jahre sollen zu einem Schlüsselerlebnis für ihn werden. Friseurluft schnuppert Wolff bereits während der Internatszeit: Viele Wochenenden und Ferien verbringt er bei deutschen Verwandten, die einen Friseursalon hatten. Nach der abgebrochenen ersten Ausbildung findet er bei Günter Ochs in Darmstadt seine Berufung und sagt seitdem: „Das ist keine Arbeit, das ist mein Hobby.“ Ein Sommerjob auf Amrum und seine erste Liebe, die er dort kennenlernt, verschlagen ihn nach Hamburg, geradewegs in den Salon von Peter Polzer. „Er war damals schon ein Vorbild für mich aufgrund seiner Ideen.“ Doch den jungen Mann zieht es weiter. Sassoon ist zu dieser Zeit der letzte Schrei und so spaziert er in den Salon „Am Neuen Wall“, fragt nach einem Job und bekommt ihn. Für Sassoon arbeitet er dann in London, wird bald Mitglied des Sassoon Artistic Teams unter Christopher Brocker.

Auf einem Seminar für Schwarzkopf begegnet er schließlich jemandem wieder, der ihn aus seiner Zeit bei Hoechst kannte. Seine chemischen Kenntnisse sorgen dafür, dass Schwarzkopf ihn anheuert und er von nun an die Welt bereist: Ein Jahr arbeitet er für Schwarzkopf im Pariser Studio auf der Rue Royale, danach in Venezuela. In acht Jahren Caracas baut er drei Salons und eine Schule auf, macht u.a. Werbekampagnen für Levis und Baccardi, arbeitet für renommierte Magazine. Später wird er Friseur-Studioleiter in Mexiko, Seminarleiter des Wella-Studios in der Hamburger ABC-Straße und bereitet das Friseurschul-Management für Wella in Chile und den USA vor. Zusätzlich nimmt er an Meisterschaften teil und lernt dabei seine zweite Frau, ebenfalls eine Friseurin, kennen. Er folgt der Polin in ihre Heimat und eröffnet dort mit ihr drei Salons und eine Schule. Als Ausgleich arbeitet er für Theater- und Opernhäuser, produziert zwei Mal im Jahr mit dem Hair Construction Team (HTC), einem heute 28-köpfigen Team internationaler Stylisten, eine Kollektion, entwickelt Produkte für die Industrie und wird bis heute als Berater gerufen, um seine Einschätzung über ein Produkt abzugeben. „Haare machen hat mich noch nie angestrengt, das ist für mich eher ein Energiegeber als ein -räuber“, erklärt er seinen Arbeitseifer. „Wenn ich schlechte Laune habe, mache ich zwei Haarschnitte, dann brauche ich keinen Psychiater.“ 

Neuanfang mit 54 Jahren

Als die zweite Ehe in die Brüche geht, wagt Wolff mit 54 Jahren einen Neuanfang: Glynt-Chef Stephan Conzen erzählt ihm von Peter Polzers Plänen, sich zur Ruhe zu setzen. Spontan fällt Wolff den Entschluss, ja, das möchte ich machen. Er erarbeitet einen Businessplan, verhandelt mit Banken – und natürlich mit Peter Polzer selbst. Vier Monate später ist alles unter Dach und Fach. Zum 1. Januar 2010 übernimmt er die Schlüssel, am 1. April eröffnet er den Salon Am Gänsemarkt wieder, den er als erste Amtshandlung von 600 m² auf 220 m² verkleinert hat. Auch sonst macht er vieles anders als Peter Polzer, auch wenn er dessen Bodenständigkeit und Klarheit schätzt und anerkennt. „Peter Polzer gerecht zu werden, ist nicht leicht“, sagt Thomas Wolff. „Wenn er die neue Rezeption sieht, erschlägt er mich wahrscheinlich“, sagt er und deutet lachend auf den Kühlergrill des indischen Tata-Modells, der den konventionellen Rezeptionstresen ersetzt hat.

Natürlich gab es, als er 2010 die Marke Peter Polzer kaufte, altgediente Mitarbeiter, die Angst vor der Veränderung hatten, wohingegen sich die jüngeren Mitarbeiter auf frischen Wind freuten, berichtet Wolff. Die Bedenken gehören längst der Vergangenheit an. Die älteste Kollegin im Hauptsalon Am Gänsemarkt ist fast 70 Jahre alt und seit Ewigkeiten im Team. „Wichtig ist mir, mit meinen Mitarbeitern gut umzugehen. Deshalb führen wir Mitarbeitergespräche, ein-,  zweimal im Jahr. Und immer ist die wichtigste Frage: Wo wollt ihr hin?“ Dabei tuen sich selbst Thomas Wolff und eine Marke wie Peter Polzer schwer damit, „vernünftige Mitarbeiter“ zu finden: „Die Ansprüche an die Ausbildung sind nicht hoch genug. Die Wertigkeit unseres Berufs wird von unserem Ausbildungssystem determiniert“, ist er überzeugt. Eine vernünftige Ausbildung im 1. Lehrjahr für 300 Euro Lohn empfindet er als „Sauerei“. „Wir müssen die Ansprüche an die Ausbildung hochschrauben und dann muss man als Chef auch schon mal die Wertschätzung gegenüber den Mitarbeitern hochschrauben.“

Dass die Salons den Namen Peter Polzer tragen und nicht „Thomas Wolff“ über den Eingängen prangt, damit hat der 60-Jährige kein Problem: „Man muss wissen, was man kann und wer man ist.“ Was er kann, hat er längst auch allen anderen bewiesen: Er wurde von der Elite-Vereinigung Intercoiffure bereits als „Creator of the year“ und „Personality of the year“ ausgezeichnet, er ist Gründungsmitglied der ICD-Ableger in Chile, Venezuela und Polen, hat Foto-Shootings für große Magazine gemacht und ist bei der Industrie immer noch ein gefragter Experte.

Luxus-Projekt

In fünf bis zehn Jahren will Thomas Wolff „kürzer treten“. Aber „weil jeder Tag zählt“, hat er jetzt erst einmal mit „Riva“ einen Premium-Luxussalon an den Sophienterrassen, Hamburgs exklusivster Wohngegend, eröffnet. Neben den Stylisten für Haare und Kosmetik kümmert sich dort auch ein Fachärzte-Team um plastisch-ästhetische Wünsche der gut betuchten Kunden. Ein besonderes Konzept eines besonderen Friseurs.

Die Fakten

2010 hat Thomas Wolff die Marke Peter Polzer vom Eigentümer und Namensgeber Peter Polzer erworben. Derzeit gibt es acht Peter Polzer Salons: Am Gänsemarkt, Eppendorf, Mönckebergstraße, Bergedorf, Elbe Einkaufszentrum, Alstertal Einkaufszentrum, Othmarschen, Blankenese. Zwei der Geschäfte betreibt er selbst (Am Gänsemarkt und Bergedorf), drei gehören Regine Bendix (Elbe und Alstertal Einkaufszentrum, Mönckebergstraße), einer Jörg Heemann (Eppendorf), die Salons in Blankenese und Othmarschen gehören Malte Schwien. Mittelfristig sollen weitere Lizenznehmer gewonnen und die Zahl der Peter Polzer Salons auf 15 ansteigen. Geplant ist der nördliche Raum von Hannover, Flensburg und Bremen.

Autor: Yvonne Rieken