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Fachkräftemangel

Ist es wirklich ein Drama?

Der Mangel an guten Fachkräften kann auch eine Chance sein, ist sich Top-Unternehmer Franc Braun sicher.

Franc Braun >< Foto: Braun der Friseur GmbH

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Die Spatzen rufen es von allen Dächern: „Der Fachkräftemangel droht!“, „Der Fachkräftemangel naht!“ und nun: „Der Fachkräftemangel ist da!!“ „Aber seien wir doch mal ehrlich: Gute Mitarbeiter zu finden, war noch nie leicht, oder?“, sagt Franc Braun, erfolgreicher Unternehmer aus Kaarst bei Düsseldorf. Er ist einer, der es wissen muss, denn er führt einen der ­erfolgreichsten Salons Deutschlands mit über 40 Mitarbeitern.      Und gute Mitarbeiter zu halten, in einer Branche, die mit einer durchschnittlichen Fluktuation von 2,5 Jahren lebt, war auch noch nie leicht, erinnert Braun. Der Eindruck entsteht also, dass der viel diskutierte Fachkräftemangel hier und da auch herhalten muss, um Versäumnisse zu überdecken, die man als Unternehmer nicht gerne offenbart. Bei allem Respekt: Ja, es gibt den demografischen Faktor und ja, die Ausbildungsklassen reduzieren sich Jahr um Jahr. Aber Fachkräftemangel hat auch etwas mit der Attraktivität, der Wertschätzung  und den beruflichen Perspektiven unseres Friseurhandwerks zu tun. Was also tun?

Mitarbeitern Perspektive bieten

Ich fange als Unternehmer bei mir an, denn wie sagt man: „Der Fisch stinkt vom Kopf her“. Als Unternehmer bin ich verantwortlich für einen Führungsstil, der meinen Mitarbeitern die Wertschätzung entgegenbringt, die sie für die tägliche Motivation und Freude an ihrem Beruf brauchen. Auch bin ich als Unternehmer für die Strukturen im Betrieb zuständig, die so geschaffen sein müssen, dass Mitarbeiter eine berufliche Perspektive hinsichtlich ihrer persönlichen, fachlichen und finanziellen Entwicklung sehen. Dazu muss mein Betrieb ökonomisch so aufgestellt sein, dass ich in der Lage bin, dies auch bieten zu können. Aber wie komme ich dahin?
    Wenn wir von Fachkraft sprechen, könnte ich meine Mitarbeiter auch als solche, also als  Fachkraft, einsetzen. Das hat mit Organisation und Arbeitsteilung im Betrieb und Beratungsqualität zu tun. Viele Friseure, die meine Beratung suchen, sagen mir: „Meine Mitarbeiter sind immer ausgebucht. Dennoch schaffen sie keine 100.000 Euro Umsatz im Jahr.“ Dann sage ich provozierend: „Dann wird Ihrer Mitarbeiterin zu viel Arbeit aufgebürdet, die Ihre Zeit kostet, aber keinen Umsatz erwirtschaftet! Es sei denn, es handelt sich hier um einen 10-Euro-Salon, aber von denen sprechen wir hier nicht.“In unserem Kaarster Unternehmen erwirtschaftet ein durchschnittlicher Mitarbeiter über 130.000 Euro Umsatz/Jahr bei ca. sechs Kunden/Tag. Um Ihre Bedenken vorwegzunehmen – unser Preisniveau liegt in der gehobenen Mittelklasse, also bei Weitem nicht im Luxussegment (z. B. W/S/F 50 Euro).

Fachkräfte effektiv eingesetzt

Wie also schaffen meine Mitarbeiter solche Zahlen? Indem sie als FACHKRAFT eingesetzt werden und von allen Nebenarbeiten befreit sind, die in unserem Betrieb von Servicekräften und allen voran unseren Rezeptionsmitarbeitern übernommen werden, die dafür keine hoch qualifizierte Friseurausbildung brauchen. Diese Vorgehensweise führt zu maximaler ­Effektivität im Einsatz der Fachkräfte, sprich der Friseure:

  • Die Arbeitsteilung im Team, die auch dazu führt, dass eine Kundin von mehr als nur dem einen Friseur bedient wird, unterstützt diese Effektivität zusätzlich.
  • Unser Lohnsystem sichert die Bereitschaft im Team zu arbeiten, weil sowohl die Beratungsqualität (Erhöhung der Dienstleistungen) als auch die Ausführung von Arbeitsschritten doppelt provisioniert wird (Friseur und Assistenz bekommen gleichermaßen den Umsatz an einem gemeinsamen Kunden gut geschrieben).

Kunden begeistern

90 Prozent aller Friseure meinen, sie beraten gut. 94 Prozent aller Frauen fühlen sich schlecht oder gar nicht beraten. Etwas stimmt hier nicht, oder? Dabei kann es so einfach sein: Stellen Sie jeder Kundin, und nicht nur Neukunden nur EINE Frage: „Darf ich Sie heute beraten?“ – keine Kundin wird „NEIN“ sagen. Und ab jetzt müssen wir unsere Kundin begeistern, für Form, Farbe, Pflege, Kosmetik usw. und legen genau in diesem Moment den gesamten Umsatz fest, den wir mit ihr generieren. Unser durchschnittlicher Umsatz je Kunde liegt mit dieser Vorgehensweise aktuell bei 90 Euro (inkl. Kinder- und Herrenkunden).

Auch wir machen nicht alles richtig. Wir versuchen nur, weniger falsch zu machen, und es ist mir bewusst, dass viele erfolgreiche Unternehmen hinsichtlich Organisation, Lohnsystem, Beratung etc. so oder ähnlich arbeiten. Wenn es uns aber gelingen soll, neue Menschen für unseren Beruf zu begeistern, müssen wir ALLE neue Wege gehen. Dann wird es auch möglich sein, Gehälter von mehr als 35.000 Euro/Jahr zahlen zu können und interessante berufliche Perspektiven zu bieten. 

Lassen wir aus unseren Betrieben wieder profitable Unternehmen entstehen – das waren sie nämlich einmal. Der Fachkräftemangel und die dadurch entstehende Wertschätzung, die unausweichlichen und dann auch jährlich gewollten Preiserhöhungen werden dazu beitragen. „Die große Chance kommt, wenn du sie herbeiführst!“, sagt ein amerikanisches Sprichwort. Interesse an mehr? Na dann, bis bald auf der TOP HAIR Messe im März 2018!