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Coloration

Haare mit Pflanzen färben

Pflanzenfarben bieten eine permanent haltbare Alternative zur oxidativen Haarfarbe. Wie wirken sie? Welche Vor- und Nachteile haben sie im Vergleich zu klassischen Colorationen? Wie wendet man Pflanzenfarben an? Alle Infos auf einen Blick.

Foto: Shutterstock

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Wie wirken Pflanzenfarben?

Um den Wirkmechanismus verstehen zu können, muss man wissen, dass die Pflanzenfarben aus einer Mischung verschiedener Blätter, Stängel, Wurzeln und/oder Schalen bestehen. Diese sind fein zermahlen, und das Pulver besitzt zunächst meist eine grünlich-bräunliche Färbung. Diese Pflanzenteile müssen mit heißem Wasser gemischt werden, wobei sich der Farbstoff erst in Verbindung mit einem organischen Stoff bildet. So brauchen hier die Pflanzenteile den Kontakt zu den Haaren oder der Haut, um wirken zu können. Anders als bei einer oxidativen Farbe (die mit Wasserstoffperoxid zubereitet wird) reagiert der Brei also nicht bereits beim Zumischen von Wasser.

Durch die Zugabe des heißen Wassers ist für Wärme und Sauerstoff gesorgt, die die Farbstoffe für die Bildung zusätzlich benötigen. Sie lagern sich dann unter der Schuppenschicht des Haares und um sie herum an. Bei mehrmaligem Verwenden der Pflanzenfarbe wird das Ergebnis immer satter und intensiver. Dies ist auf die Addition der Farbstoffe zurückzuführen. Da die Anlagerung der Farbstoffe dauerhaft ist, wird auch hier von einer permanenten Färbemethode gesprochen. Das heißt, die Haarfarbe wächst heraus und lässt sich nicht ausspülen.

Welche Vorteile haben Pflanzenfarben?

Durch die rein pflanzliche Zusammensetzung der Farben kommen sie bei Kunden gut an, die eine Aversion gegen chemische Produkte haben. Zudem sind sie umweltfreundlich und belasten das Abwasser nicht mit Chemikalien. Sie sind, insbesondere bei anfänglicher Anwendung, sehr haarschonend. Die Gerbsäure der Pflanzenteile wirkt adstringierend auf die Schuppenschicht und zieht diese zusammen, sodass das Haar natürlich glänzt und gut kämmbar wird. Bei feinen Haaren eignet sich eine Pflanzenfarbe hervorragend, da die eingelagerten Farbpigmente das Haar fester und griffiger machen. Für Kunden mit Allergien gegen chemische Farbstoffe oder Konservierungsmittel ist sie eine Alternative zur „klassischen“ Farbe.

Gibt es auch Nachteile?

Im Vergleich zu einer permanenten chemischen Coloration ja: Einer der prägnantesten ist, dass das Farbergebnis nicht immer zu 100 Prozent vorhersehbar ist. Dies liegt an den geernteten Pflanzenteilen. Je nach Erntezeit, Sonnenzeit, der die Pflanze ausgesetzt war; Menge der aufgenommenen Mineralien durch eine regenarme oder -reiche Zeit, fällt auch das Ergebnis der Färbung leicht unterschiedlich aus. Ein weiterer Nachteil ist, dass keine Heller­färbung möglich ist, sondern nur eine geringe Veränderung der Farbtiefe und Farbnuancierung, da bei dem Färbevorgang lediglich Farbpigmente angelagert werden, nicht aber abgebaut werden können. Des Weiteren ist die Farbauswahl beschränkter als bei einer oxidativen Haarfarbe. Ist die Haarstruktur der Kundin stark unterschiedlich, kann auch das ­Ergebnis different ausfallen. So können sich z. B. in porösen Stellen mehr Farbstoffe anlagern und das Ergebnis wird leuchtender als bei gesunden Stellen. Bei einem Weißanteil ist mit einer reinen Pflanzenfarbe nur eine begrenzte Abdeckung möglich.

Ist der Weißanteil zu hoch (über 30 %), wird das Ergebnis oftmals sehr leuchtend auffällig oder transparent. Durch eine mehrmalige Anwendung der Pflanzenfarbe in kurzen Abständen kann die Gerbsäure außerdem dazu führen, dass das Haar trocken und spröde wird.

Worin besteht der Unterschied zwischen Pflanzentönungen und Pflanzenfarben?

Pflanzenfarben bestehen zu 100 Prozent aus pflanzlichen Bestandteilen. Bei Pflanzen­tönungen werden direktziehende, chemische Farbstoffe beigemischt. So können einige Nachteile einer reinen Pflanzenfarbe abgemildert werden, es kann beispielsweise ein etwas ­höherer Weißanteil abgedeckt werden, und es entsteht eine größere Nuancenvielfalt.

Wie werden Pflanzenfarben angewendet?

Beim Anrühren des Farbbreis muss das Wasser über 70 Grad Celsius haben, da sich sonst die Farbstoffe nicht entwickeln können. An dieser Stelle ist Vorsicht geboten, dass man die Kundin nicht verbrüht. Aufgetragen werden Pflanzenfarben­ immer auf das feuchte, gewaschene Haar. So dringen die Farbstoffe leichter in das Haar ein, und das Produkt lässt sich besser auftragen. Grundsätzlich muss der Farbbrei großzügig aufgetragen werden, damit genügend Farbstoffe­ vorhanden sind. Während der kompletten Einwirkzeit ist Wärme zuzuführen. 

Gibt es Tricks, die ich beim Anwenden einer Pflanzenfarbe befolgen kann?

Bei sehr langem Haar lässt sich am leichtesten die „Schneckentechnik“ anwenden: Hierbei wird am Wirbel des Oberkopfes begonnen und ein Passée in Schneckenform platziert. Alle anderen Passées werden spiralförmig um dieses  gelegt, sodass eine Art Haar-Turban entsteht.

Ist der Weißanteil der Kundin über 30 Prozent oder soll das Ergebnis nicht ganz so leuchtend werden, kann mit einer Tönung vorbehandelt werden. Ein weiterer Tipp ist, dem Farbbrei Haarkur zuzumischen. So hält dieser länger feucht und kann besser aufgetragen werden.

Ratsam ist es in jedem Fall, Handschuhe zu tragen, egal, ob die Farbe aufgetragen oder abgespült wird. Durch die Keratinaffinität der Farbstoffe haften diese sehr gut an der Haut, und das Abspülen ohne Handschuhe bringt ein Anfärben der Hände mit sich.

Pflanzenfarbstoffe

Diese Pflanzenfarbstoffe werden entweder einzeln oder auch als Mischung angeboten:

Färberkrapp/ Krappwurzel: Rote Farbe lässt sich durch die Wurzel des Krappstrauchs, der z. B. im Kaukasus wächst, erreichen.
Henna: Dies ist wohl der bekannteste Pflanzenfarbstoff und wird aus den Blättern und Stängeln des Zypernstrauches gewonnen. Die Pflanzen kommen in Afrika, dem Orient, Indien und Australien vor. Je nachdem, zu welchem Zeitpunkt sie geerntet werden, ist die Farbe kräftiges Orange oder geht bis ins satte Rot.
Indigo: Es wird nicht umsonst von Indigo-Blau gesprochen. Die Blätter der Rengpflanze färben die Haare blau bis violett.
Kamille: Die Blüten der Kamillenpflanze sorgen für warme und helle Blond- und Goldtöne. Die Kamillenblüte stammt aus Europa, dem Mittelmeerraum oder Vorderasien.
Salbei: Der aus dem Mittelmeerraum stammende Salbei verleiht dem Haar eine aschige Nuance.
Sedre/Faulbaum: Die Blätter des Faulbaums aus Persien oder dem Irak lassen sandfarbene Töne entstehen.
Walnuss (Juglon): Hierbei werden die Schalen und Blätter verarbeitet. Die aus Europa stammende Walnuss färbt die Haare braun.

Autor: Evelyn Pruin