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Klein und fein

Friseurpaar ist eigener Ladengestalter

Maritim und mit eigenen Ideen – das waren die Anforderungen an die Saloneinrichtung von Jessica und Joachim Tillmanns. Die Erfolgsstory eines Friseurpaares.

Joachim und Jessica Tillmanns >< Foto: Egbert Krupp

Die Ladentheke im Salon Tillmanns >< Foto: Egbert Krupp

Der Salon Tillmanns >< Foto: Egbert Krupp

Der Salon Tillmanns >< Foto: Egbert Krupp

Der Salon Tillmanns >< Foto: Egbert Krupp

Kleiner Salon mit individuellem Interieur >< Foto: Egbert Krupp

Salon Tillmanns - Alle packen mit an >< Foto: Egbert Krupp

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Jessica und Joachim Tillmanns ist ein Makeover ihres kleinen Salons Haar2O im Münchner Stadtteil Ramersdorf gelungen, das zu Recht die Anerkennung „Toll gemacht!“ verdient. TOP HAIR hat sich das individuelle Interieur-Ergebnis, das nach Surferparadies und maritimen Urlaubserinnerungen anmutet, angeschaut. Was zum Vorschein kam, war nicht nur eine klassische Story über Saloneinrichtungen. Eine beispiellose Geschichte eines Ehepaares, das mit eigenen Kräften und Ideen seinen Lebenstraum aufgebaut hat und ihn konsequent lebt. In unseren Specials berichten wir gerne und viel über die professionellen Experten im Bereich Friseureinrichter. Als uns dann die charmante Mail von Friseurmeisterin Jessica Tillmanns erreichte, waren wir sofort Feuer und Flamme. Ein Ausschnitt aus dem Wortlaut:

„Die Serie über die vielen umgestalteten Salons und die Menschen, die hinter ihren Lebenswerken stehen, haben uns sehr inspiriert. Nun endlich, nach genau zehn Jahren, haben wir Wiedereröffnung gefeiert! Wir haben unser Lebenswerk nach unseren Wünschen umgestaltet! Unsere Platzzahl hat sich von fünf auf acht erhöht und wir sind auf der Suche nach weiteren Mitarbeitern. Das macht uns sehr stolz!! Ich schreibe Ihnen unsere Geschichte, weil ich in der TOP HAIR oft exklusive Salons sehe, die für viel Geld eingerichtet wurden. Welcher kleine, frische gebackene Friseurmeister kann das? (...)“

Eigene Umbau-Ideen

„Stolzmacher“ kann es gar nicht genug geben, dachten wir uns, und verschafften uns einen eigenen Eindruck vom neuen Salon-Design. Gleich beim Betreten des 80 Quadratmeter großen Friseursalons Haar2O fällt sofort auf: Hier hat jemand eigene Ideen umgesetzt und selbst Hand angelegt. Die Farben, die Möbel, die Details wurden in mühevoller Kleinarbeit aufeinander abgestimmt. Nichts wirkt indus­triell oder aus dem Katalog gekauft.

Persönliches Aushängeschild

Maritime Blautöne mit warmem Holz-Interieur, den antiken Friseurwerkzeugen, wie dem Dauerwell-Koffer und den Baywatch-Postern machen den Salon zu einem ganz besonderen, persönlichen Aushängeschild von Jessica (34) und Joachim (32), die einst blutjung aus dem Rheinland und Bergischen Land vor zehn Jahren aufbrachen und hoch motiviert ihren Traum vom eigenen Salon verwirklichten. Und das mit Anfang 20, allen Widrigkeiten einer Existenzgründung trotzend, in einer fremden Stadt mit anderer Mundart, anderer Mentalität und einer alten Kundschaft aus dem Viertel, die erst einmal überzeugt werden musste. Ihre Geschichte wäre perfekt für eine TV-Doku mit dem Titel „Die Tillmanns“.

Zwei Friseurmeister in München

Und wie fing alles an? In der Meisterschule in Duisburg. Dort lernten sich die beiden kennen und packten ihre Koffer, mit wenig Geld in der Tasche, aber viel Enthusiasmus und dem Glauben an den eigenen Erfolg. Die beruflichen Wurzeln stärkten sie: Joachim ist Friseur in vierter Generation. Aha! Daher also die antiken Friseur-Werkzeuge, die er vom Großvater geerbt hat, und die als Accessoires den Salon schmücken. Seine Eltern führen den Salon „Tillmanns Hairstyling“ in Wermelskirchen und sprangen in der Gründungszeit auch mal ein, wenn es finanziell eng wurde. Das war es oft. Über die Innungsanzeigen hatten sie den Salon in Ramersdorf entdeckt. Sie übernahmen den Laden so wie er war und brachten ihn mit etwas Farbe und kleinen Reparaturen auf Vordermann. Dann druckten sie 5.000 Visitenkarten und zogen los, stellten sich persönlich vor. Joachim und Jessica erinnern sich: „Wir sind Profis, hatten aber kein Geld. Es war sehr schwer in der Anfangszeit. In der ersten Woche hatten wir fünf Kunden! Das Geld war ständig knapp. Mein Mann hat sogar noch einen kleinen Aushilfsjob angenommen und Autos aufbereitet. Und damit uns bei den ganzen Geldsorgen nicht langweilig wurde, haben wir uns noch für Kinder entschieden. Genau ein Jahr nach unserer Eröffnung kam unsere Tochter zur Welt, etwas später unser Sohn.“ Das ist mittlerweile Geschichte.

Erfolgreicher Familienbetrieb

Heute, zehn Jahre später, sind sie ein sehr gut besuchter Kleinbetrieb mit eigenen Angestellten und einer Nageldesignerin, die immer freitags kommt. „Wir haben eine Auszubildende, beschäftigen noch eine Teilzeitkraft, die auch Ersatzoma für unsere Kinder ist“, beschreibt Jessica, die maßgeblich das Salon-Design entworfen hat. Freunde und Familie packten mit an und innerhalb von zwei Wochen entstand eine gemütliche und kleine, sehr persönliche Oase, die junge und alte Kunden anlockt. Die Tillmanns genießen den Vorteil des kleinen flexiblen Ladens und sind stolz darauf, dass sie mit dem Umbau ein neues Ziel erreicht haben. Das vor allem aus eigener Kraft und mit den zur Verfügung stehenden Mitteln. „Es entwickelt sich manches bei uns langsam, dafür hat es aber Bestand“, stellt Joachim fest. Er ist sehr stolz auf seine Familiengeschichte und seine ehrgeizige Frau, deren Make-over-Ideen nach ihrem Imageboard mit den vielen Details ausgeführt wurden. Freunde, die ebenfalls Handwerksbetriebe haben, bauten die Empfangstheke aus altem Eichenholz und verlegten unter anderem den Boden. Jessica und Joachim schreiben ihre Erfolgsgeschichte mit viel Herzblut und einer Kundschaft, die sie nicht missen möchte in Ramersdorf. Weiter so! Ihr seid eine Instanz in eurem Viertel.

 

Autor: Emel Tahta-Lehmann