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Marlies Möller

„Es muss kribbeln“

Stillstand ist ihr ein Graus – beim Fußball und im Beruf. TOP HAIR traf Marlies Möller.

Der Hamburger Hafen mit der Elbphilharmonie. ::: Foto: Jordana Schramm

Marlies Möller ist ihrer Heimatstadt Hamburg und ihrem Friseurberuf tief verbunden. ::: Foto: Jordana Schramm

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Haben Sie gestern Abend geguckt? Es war ja so spannend.“ Marlies Möller outet sich gleich zu Beginn unseres Gesprächs als eingefleischter Fußball-Fan und kommentiert das Pokal-Halbfinale FC Bayern München („Die waren so was neben der Kappe“) gegen Borussia Dortmund („Ich mag den Klopp“). Sympathisch untermauert sie ganz nebenbei ihre Bodenständigkeit und Offenheit für Themen aller Art. Dieser Enthusiasmus, mit dem diese Frau über die Jagd nach dem Ball spricht, steht der Begeisterung für ihr eigenes Handwerk in nichts nach. „Den Friseurberuf muss man sportlich sehen. Man kann nur gewinnen, wenn das Team zusammenhält“, weiß Marlies Möller nur zu gut. Sie setzt seit über 50 Jahren erfolgreich Akzente in der Friseurbranche – weltweit.  

„Ich wusste, was ich wollte“

Mit Leidenschaft steht die Grande Dame der Friseurkunst noch oft im Salon am Neuen Wall in Hamburg. Ein Luxus-Beauty-­Tempel auf über 1.000 Quadratmetern. Haare, Make-up, Kosmetik, Pediküre – kein Wunsch bleibt unerfüllt. Ganzheitlich denken sei schon immer ihr Anspruch gewesen, sagt Möller. Den Blick dafür habe sie ihr Leben lang geschärft. „Ich wusste, was ich wollte und bin immer meinen Weg gegangen“, sagt die heute über 70-Jährige. Frühzeitig begann sie an Wettbewerben teilzunehmen und schnupperte so tiefer in die bunte Welt der Haare. Ein Hamburger Friseur wurde auf sie aufmerksam und sie wechselte den Salon. „Sieben Jahre arbeitete ich als Gesellin. Für 60 D-Mark die Woche“, erzählt Marlies Möller. Mit Jobs als Maskenbildnerin am Theater oder beim Fernsehen verdiente sie sich etwas dazu. Mit 22 Jahren machte sie ihren Meister. Ein halbes Jahr nach der Geburt ihres Sohnes Christian eröffnete sie 1962 einen 100 Quadratmeter großen Laden mit drei Angestellten im Souterrain einer Stadtvilla in Harvestehude. Marlies Möller, die als Kind mit Lockenwicklern im Haar schlief, hatte sich ihren Traum erfüllt. „Der Salon ging los wie eine Bombe und war nach einem Jahr schon zu klein.“   

Die Welt gesehen

Das Geschäft wuchs über die Etagen. Die kleine Familie wohnte unterm Dach. „Das war für mich damals sehr praktisch“, erzählt die zweifache Mutter. „Meinem Mann Manfred machte die Expansion fast ein wenig Angst. Er hatte sein Versicherungsbüro aufgegeben und den kaufmännischen Bereich übernommen. Ich konnte mich ganz auf den kreativen Part konzentrieren.“    

Es waren spannende Zeiten. „1979 gestaltete ich meine erste Bühnenshow, reiste für Wella um die Welt, u. a. nach New York, London, Paris, Moskau, Brasilien, Italien und erhielt viele Auszeichnungen. Dienstags stand ich wieder im Salon.“ Das sei wichtig gewesen, sagt sie und rät auch heute allen jungen Kollegen: „Als Friseur solltest du alle Chancen wahrnehmen, Shootings machen, reisen, dich fortbilden, aber dein Geschäft darfst du dabei nie vernachlässigen.“ Tat sie auch nicht. Marlies Möller hatte sich bereits seit 1962 mit dem von ihr entwickelten Trockenhaarschnitt einen Namen gemacht. 1988 folgte ein Haarpflegekonzept. Als ihr Sohn 1990 ins Unternehmen einstieg, setzte dieser ein noch höheres Ziel: „Ich mache aus dir die Marke Marlies Möller!“

Eine Marke entsteht

Die perfekte Ergänzung war eine eigene Haarbürsten-Kollektion, die heute in über 20 Ländern vermarktet wird. „Sogar in Peking ist sie zu haben“, schwärmt Möller. Das Imperium wuchs. Nach und nach kamen fünf Salons dazu. Die Lagen waren gut gewählt, die Inneneinrichtung auf höchstem Niveau. „Unsere Kunden sollen sich wohlfühlen und spüren, dass sich bei Marlies Möller immer was Neues tut. Stillstand geht für mich gar nicht.“

Eine schöne Einrichtung und der Name seien noch kein Garant für dauerhaften Erfolg. Ein Geschäft will alle paar Jahre verändert werden. „Rücken Sie Möbel!“ Das sorge für Aufmerksamkeit und wecke die Neugier beim Kunden. Auch bei den Dienstleistungen darf’s mal was anderes sein. „Im Werben um jeden Kunden muss der Friseur ständig das Optimale finden.“ Und keine Angst vor vermeintlich schwieriger Kundschaft. „Die gibt es nicht. Anstrengende Kunden sind nur anspruchsvoll und fordern den Friseur. Es muss kribbeln. Kunden, die immer nur ,Wie immer‘ wollen, bringen dich nicht weiter.“

Im Bemühen um höchste Qualität wurden bei Marlies Möller in all den Jahren rund 400 bis 500 Lehrlinge ausgebildet. „Ohne gute Mitarbeiter bist du gar nichts“, weiß die Hamburgerin, die sich selbst mehr als Kollegin denn als Chefin sieht und der das Thema Nachwuchs (gemeinsam mit L’Oréal Professionnel) am Herzen liegt. Umso mehr könnte sie darüber verzweifeln, was in den Köpfen der Schulabgänger vor sich geht. „Ich versteh das nicht, wenn von hundert nur fünf zum Bewerbungsgespräch kommen und der Aus­erwählte dann die Stelle nicht antritt. Seither konzentrieren wir uns darauf Jungfriseure weiterzubilden.“ Dringend ­ändern müsste sich auch etwas in der ­dualen Ausbildung. „Drei Lehrjahre sind zu lang. Das System muss neu durchdacht werden.“

Es gäbe noch viel zu erzählen. Kleine und große Schiffe ziehen am Fenster vorbei. „Ich habe nie den Segelschein gemacht“, sagt Marlies Möller, „aber ich liebe das Wasser und den Wind“. Hamburg sei ihre Stadt. New York hätte es auch werden können. „Da hätte ich gut hingepasst“, ist sie sicher. Doch es gibt noch andere Pläne. Eine TV-Doku über ihr Berufsleben ist geplant. „Da freue ich mich drauf.“ Ein neues Projekt – und bloß kein Stillstand. Wie lange sie noch arbeiten möchte? Möller: „Es gibt kein Ende …“

Unternehmen

Die Marlies Möller Holding GmbH ist mit 130 Mitarbeitern in sechs exklusiven Salons in Hamburg, Düsseldorf, Hannover und Palma de Mallorca (Spanien) vertreten. Der größte von ihnen umfasst 1.000 Quadratmeter. Die MM Pflegeserie und Haarbürsten-Kollektion gibt es in über 20 Ländern. Ehemann Manfred und Sohn Christian sind als Geschäftsführer verantwortlich.

Autor: Stephanie Hladik