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Culumnatura

Eine ökologische Alternative

Willi Luger gründete 1996 das österreichische Naturkosmetikunternehmen Culumnatura. Der Friseurmeister reagierte damit auf die Gesundheitsprobleme der Branche. TOP HAIR traf den Öko-Pionier der Friseurbranche zum Gespräch.

Willi Luger möchte konsequent ökologisch wirtschaften >< Foto: Culumnatura

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TOP HAIR: Sie wurden vor rund 20 Jahren vom Friseurmeister zum Naturkosmetikhersteller. Warum?

Willi Luger: Ich wollte in meinem Salon ökologische Produkte verwenden, da ich sowohl meinen Kunden als auch Mitarbeitern gegenüber nicht mit gutem Gewissen weiter mit herkömmlicher Friseurkosmetik arbeiten konnte. Damals war die Industrie noch nicht verpflichtet, auf der Verpackung Angaben zu ihren Inhaltsstoffen zu machen. Meine Suche nach Alternativen blieb erfolglos und nach vielen Gesprächen mit Heilpraktikern und Chemikern beschloss ich: Ich mache etwas Eigenes, das meinen Vorstellungen entspricht.

TOP HAIR: Wie sind Sie vorgegangen?

Willi Luger: Auch hier wieder in Zusammenarbeit mit Heilpraktikern und Chemikern. Mit ihnen habe ich Vorgaben entwickelt und bin mit diesen zu sechs verschiedenen Herstellern. Ich wollte ein Shampoo entwickeln, das ausschließlich auf Zuckertensiden basiert. Fünf Hersteller gaben mir den Laufpass, weil sie der Meinung waren, dass Zuckertensid als Emulgator nicht funktioniere. Einer hat es versucht und herausgefunden, dass es darauf ankommt, die Zutaten in der richtigen Reihenfolge mit der richtigen Temperatur und in der richtigen Geschwindigkeit zusammen zu rühren. Und es hat funktioniert.

TOP HAIR: Inzwischen schlagen immer mehr Marken den Weg in Richtung „grüne Kosmetik“ ein. Ist es zum Trend geworden „grün“ zu sein oder ist es eine sinnvolle Tendenz?

Willi Luger: Es führt kein Weg daran vorbei, es muss sich etwas ändern. Und es hat sich in den letzten 20 Jahren zum Glück auch viel getan was die Entwicklung haarkosmetischer Produkte angeht. Doch meines Erachtens müsste es noch strengere Richtlinien für Naturkosmetik und eine verlässliche ISO-Norm geben.

TOP HAIR: Vegan ist in aller Munde. Wie ist es bei Ihren Produkten? Sind alle vegan?

Willi Luger: Vegan hat für mich nicht unbedingt etwas mit Natur zu tun. Alles was chemisch ist, ist vegan. Dennoch sind natürlich die meisten Produkte bei uns pflanzlich. Für die wenigen tierischen Inhaltsstoffe, wie Bienenwachs, wird kein Tier gequält. Für unsere Hornkämme verwenden wir zum Beispiel nur Abfallprodukte.

TOP HAIR: Ihre Produkte sind nach dem Baukastenprinzip konzipiert, sprich, was man für die Haare verwenden kann, geht auch für die Haut. Wie ist das möglich?

Willi Luger: Wir haben zunächst tatsächlich nur Produkte für Haare entwickelt. Dann kamen die Kunden und wollten auch etwas für die Haut. Sie verwendeten zum Beispiel unser Haarwachs für die Lippen. Seitdem füllen wir das in einem kleinen Tiegel ab. Das Haar ist ein Anhanggebilde der Haut und hat die gleichen Bedürfnisse. Deshalb sind alle unsere Produkte untereinander kombinierbar und können sowohl für Haut als auch für Haare verwendet werden.

TOP HAIR: Wie schwer ist es für Friseure, sich in Naturkosmetik einzuarbeiten und es auch den Kunden nahezubringen?

Willi Luger: Einfach nur die Produkte austauschen funktioniert nicht. Man muss dahinterstehen und sich darauf einlassen. Eine Umstellung ist daher bei uns immer auch mit Seminaren in Haut- und Haarpflege und Pflanzenhaarfarbe verbunden. Genauso wichtig ist eine intensive Kundenberatung. Bei einem Erstbesuch machen unsere Friseure ausschließlich Beratung. Denn der Kunde muss sich bewusst sein: Mit unseren Naturprodukten ist es ähnlich wie mit Homöopathie. Es kostet Zeit, das Haar komplett auf Natur umzupolen. Und es gibt auch Dinge, die nicht gehen: Dunkles Haar zum Beispiel kann ich nicht heller machen. Damit muss man zurechtkommen.

TOP HAIR: Sie sagen, dass es in Zukunft mehr Naturfriseure geben wird als andere …

Willi Luger: Ja, ich bin der Meinung, dass es spätestens 2030 mehr Naturfriseure geben wird als andere. Das ist sowohl der Wunsch von Kunden als auch von Friseuren. Das Wort „Naturfriseur“ hat es vor 20 Jahren noch gar nicht gegeben. Inzwischen gibt es einen irrsinnigen Run – alleine schon aus gesundheitlichen Gründen. So zählen zu unseren Partnern zum Beispiel viele berufskranke Friseure, die sogar schon umgeschult waren, und nun wieder dank Naturkosmetik in den Beruf zurückkehren.