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Dieter Bonk soll Klinck aus Krise führen

Dieter Bonk, bis vor kurzem noch Mitglied im Vorstand der Klier Hair Group, hat nun zum Familienunternehmen Klinck nach Kiel gewechselt.

Dieter Bonk, bis vor Kurzem noch einer der Geschäftsführer der Klier Hair Group, arbeitet jetzt für das Familienunternehmen Klinck in Kiel. >< Foto: privat

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Den Neuanfang als Interim Manager Marketing, Vertrieb und Restrukturierung bei der angeschlagenen Kieler Friseurkette verkündete Dieter Bonk auf seiner Facebook-Seite. Auf seinen Eintrag erhielt Bonk viele Glückwünsche. Auf demselben Kanal wurde sein Ausscheiden aus der Klier Hair Group im Dezember mit viel Bedauern zur Kenntnis genommen.

Im Gespräch mit TOP HAIR erklärt Dieter Bonk welche Aufgaben bei der insolventen Friseurkette in den nächsten Wochen auf ihn warten und warum sich die Zusammenarbeit mit Klinck so gut anfühlt: 

 

TOP HAIR: Herr Bonk, Sie sind jetzt Interim Manager Marketing, Vertrieb und Restrukturierung. Das klingt nach jeder Menge Arbeit! Was sind Ihre ersten Aufgaben?

Dieter Bonk: Die Restrukturierung steht an erster Stelle. Nach dem Insolvenzantrag Ende November wurde drei Monate analysiert und jetzt zum 1. Februar das Insolvenzverfahren eröffnet. Jetzt heißt es, sich in den kommenden drei Monaten von Dingen zu trennen, die nicht gut für das Unternehmen sind. Es geht damit los die Personalstruktur (Innen und Außen) zu analysieren, die Salonstruktur, um dann die Markenstrategie zu erarbeiten. Derzeit haben wir 95 Salons und neun Marken. Hier gilt es zu definieren: Was kostet Geld und ist überflüssig?

Es wird sich also auch etwas an der konzeptionellen Ausrichtung der Salons ändern?

Ja, es gab keine Standortstrategie. Jeder Geschäftsführer des Unternehmens Klinck – immerhin fünf in den vergangenen zweieinhalb Jahren - hatte da so seine eigenen Vorstellungen, die er umgesetzt hat.

Jeder wollte seine eigene Duftmarke hinterlassen.

Ja, genau. Jeder wollte eigene neue Ideen und Konzepte etablieren. Das unterscheidet mich. Ich will das Unternehmen so strukturieren, dass wir wieder wirtschaftlich erfolgreich sind und expandieren können. Meine „Duftmarke“ ist eine erfolgreiche Zukunft. Klinck bleibt Klinck nur in der Version Klinck 2.0.

Sie wollen Kosten sparen, Salons schließen, aber auf der anderen Seite expandieren? Das klingt jetzt für mich erst einmal widersprüchlich.

Das ist es aber nicht: Die bisherige Standortstrategie sah so aus, dass Läden angemietet, aber vorher keiner Prüfung unterzogen wurden. Es wird nicht so sein, dass wir uns „sexy sparen“. Ich bin kein reiner Sanierer, sondern einer, der umstrukturiert, um die Zukunft zu gestalten. Langfristig wollen wir 100, 120 Salons haben. Es wird aber keine politischen Standorte mehr geben, sondern nur noch wirtschaftliche. Das wird erst einmal mit Schließungen einhergehen. Die Frage ist doch, wollen wir national tätig sein oder regional? Wir wollen regional aktiv sein. Es macht keinen Sinn, ein Geschäft weit vom Schuss zu haben. Wir werden nicht wild expandieren, sondern uns auf Schleswig Holstein Hamburg, Bremen, die Küste entlang und Nordrhein-Westfalen konzentrieren.

Müssen die Mitarbeiter denn nun um ihre Jobs bangen oder nicht?

Bedingt. Wenn wir Standorte hier in Kiel schließen, dann kann ich die Mitarbeiter natürlich einfach in eine andere Filiale in Kiel versetzen. Schließe ich einen Salon dort, wo keine andere Filiale in der Nähe ist, kann ich den Mitarbeiter natürlich nicht so gut versetzen. Wir werden mit Traditionen brechen müssen: Wir wollen Leute, die auch Erfolg haben wollen. Mitarbeiter, die seit Jahren nicht wirtschaftlich arbeiten, werden Probleme bekommen – daraus mache ich keinen Hehl. Wir haben Mitarbeiter, die für uns arbeiten – leider zu Zeiten, in denen ich sie nicht brauche. Da war das Unternehmen sehr sozial eingestellt. Das anzupassen, wird auch zu Konflikten führen. Ich will aber auch keinen Mitarbeiter entlassen, der seinen Beitrag leistet, Geld zu erwirtschaften.

Das könnte Sie nicht gerade zu einem beliebten Mann im Unternehmen machen. Wie wurden Sie denn dort aufgenommen?

Die Aufnahme war unerwartet herzlich! Ich bin erstaunt, wie viel positiven Zuspruch ich bekomme. Ich erfahre hier keine Gegenwehr, sondern erhalte im Gegenteil Hilferufe. Die Mitarbeiter und die Eigentümerinnen Susanne und Monika Klinck setzen sehr viel Hoffnung in mich.

Da lastet ein großer Druck auf Ihnen!

Ja. Das habe ich so nicht erwartet, ich dachte, ich stoße auf große Skepsis und Ablehnung. Der Innendienst ist wirklich 24 Stunden am Tag für mich da: „Wenn Sie was brauchen, egal was, geben Sie Bescheid.“ Die wollen, dass ich bloß nicht wieder von Bord gehe. Auch ehemalige Mitarbeiter von mir haben angekündigt, dass sie kommen, wenn ich sie brauche und helfen.

Sie haben einen sehr guten Ruf in der Branche. Solche Angebote sind doch verlockend, oder?

In der Tat. Ich will aus Klinck aber keine zweite HairGroup machen! Der Geist des Familienunternehmens soll erhalten bleiben. Aber natürlich werden mein Vertrieb und ich immer gute Mitarbeiter einstellen.

Was hat Sie an dem Familienunternehmen Klinck gereizt?

Manfred Schröder, einst Geschäftsführer von Klinck, war über 20 Jahre lang mein Chef. Er hatte mich bei Essanelle als Auszubildender in Bremen eingestellt. Immer wieder hatten wir uns in der Vergangenheit ausgetauscht und Klinck war dadurch keine unbekannte Größe für mich. Als ich dann die ersten Unterlagen gesichtet hatte, dass Missmanagement der jüngsten Vergangenheit gesehen habe, hatte ich den Antrieb zu helfen. Meine erste Idee war, ich helfe Euch, ich berate Euch - einfach aus emotionellen Gründen. Wir hatten dann eine intensive Kennenlernphase, dafür haben wir uns ein ganzes Wochenende Zeit genommen, und es fühlte sich da schon viel zu gut an. Eigentlich wollte ich eine Auszeit nehmen, aber dann standen die Eigentümer in Düsseldorf vor meiner Tür. Ich konnte gar nicht Nein sagen! Das fühlt sich so gut an, das wieder aufzubauen für die Familie. Es fühlt sich an, als ob man zur Familie gehört und das macht es so charmant und berührend.

Jetzt sind Sie als Interim Manager gestartet. Also auf Zeit. Gibt es Pläne für danach?

Ja, es gibt Ideen. Ich wollte aber in erster Linie, dass das Unternehmen Stabilität hat. Ich werde das Unternehmen von vielen Seiten kennenlernen, aber auch das Unternehmen wird mich von vielen Seiten kennenlernen. Nach dieser Phase wollte ich, dass die Familie Klinck die Chance hat zu sagen, wie es weiter gehen soll. Natürlich gibt es sehr klar definierte Pläne einer gemeinsamen Zukunft. Als Geschäftsführer bis hin zu einer Beteiligung am Unternehmen.

Vielen Dank für das Gespräch Herr Bonk und viel Erfolg bei dieser Herausforderung!

 

 

Ende 2018 hatte die Klier Hair Group bekannt gegeben, dass man sich von den Geschäftsführern Dieter Bonk (Vertrieb) und Dirk Wiethölter (Personal) trennt.
Klinck hatte zuletzt von sich Reden gemacht, als das Kieler Unternehmen im 90. Jahr seines Bestehens im November 2018 ein Insolvenzverfahren beantragte, das am 1. Februar eröffnet wurde.

Interview: Yvonne Rieken