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Master-Arbeit

Die Unverstandenen

Zu Beginn der Ausbildung sind Azubis noch zufrieden mit ihrer Berufswahl, doch das nimmt mit den Lehrjahren ab.

Wenn sich die Auszubildenden nicht verstanden fühlen, nimmt die Zufriedenheit schnell ab. >< Foto: Shutterstock

Friseurmeister mit Master-Asbchluss: Pasqualino Kiegeland. >< Foto: privat

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Wie attraktiv ist der Friseurberuf für die Generationen Y und Z? Verknappt dargestellt beschäftigt sich die Masterarbeit von Friseur Pasqualino Kiegeland, die er im Rahmen seines Masterstudiengangs „Systemisches Personalmanagement“ an der Hochschule Heilbronn verfasst hat, mit dieser Frage. Mithilfe einer Umfrage, für die Kiegeland auch Unterstützung von TOP HAIR erhielt, wollte er von angehenden Friseuren wissen, was sie denken und was sie zufrieden macht.
Im Folgenden hat er die wichtigsten Ergebnisse seiner Arbeit zusammengefasst:
„Y und Z – diese Generationen stellen den Friseurunternehmer vor neue Herausforderungen. Um ihnen gerecht zu werden, müssen die Friseurunternehmer sich umstellen. Die Generation, die auf den Arbeitsmarkt strömt, besitzt Marktmacht und hinterfragt alles genau. Ist die Wahl des Ausbildungsberufes für mich gut? Komm ich mit dieser Wahl beruflich weiter? Macht der Beruf mir Spaß? Weiß der Arbeitgeber meine Arbeit zu schätzen? Das sind Fragen, die sich die junge Generation stellt und die ihre Berufswahl beeinflußen. Der von mir entwickelte Fragebogen wurde erstellt, um die Lehrlinge zu verstehen und zu ergründen, was zukünftig getan werden muss, um den Friseurberuf für junge Menschen attraktiver zu machen. Untersucht wurde auch, wie sich der Friseurberuf besser darstellen lässt und dadurch die Berufswahl junger Menschen beeinflusst. Dabei habe ich folgende Fragen aufgegriffen: Wie präsentiert sich der Beruf und wie stellt er sich den Jugendlichen dar? Welches Image wird vermittelt? Welche möglichen Konsequenzen hat das für die Berufsorientierung? Warum haben Auszubildende diesen Beruf gewählt und was sollte aus ihrer Sicht verbessert werden, um den Beruf für zukünftige Generationen attraktiver zu machen?

Die Umfrage

Befragt wurden Azubis im 1., 2. und 3. Lehrjahr. 151 Personen (23 Männer, 128 Frauen) haben an der Umfrage teilgenommen. Der Median des Alters lag bei 20 Jahren. 54 Personen befanden sich im 1. Lehrjahr in der Ausbildung zum Friseur, 60 im 2. und 37 im 3. Jahr ihrer Ausbildung. Hier ein Auszug der interessantesten Fragen:

Frage: Hast du schon mal über einen Wechsel der Lehrstelle oder gar einen Abbruch der Ausbildung nachgedacht?
25 Probanden überlegen noch, zwei sagen ‚Ich breche ab‘, 15 ‚Ich wechsle die Lehrstelle‘ und 65 möchten auf gar keinen Fall wechseln, da sie zufrieden sind und diesen Beruf sehr gerne ausüben. Den Auszubildenden ist es sehr wichtig, ‚mehr Geld zu verdienen‘. Das fordern 107 der Befragten. Nicht wichtig ist ihnen hingegen der Punkt ‚Trinkgeld‘ als Motivation , den Beruf zu erlernen. Wichtiger ist ihnen ‚ein anständiges Gehalt zu bekommen‘, was ihre Arbeitsleistung ‚belohnt‘. Danach folgt ‚Weiterbildungsmöglichkeiten hervorheben‘, was 14 Probanden aussagen. Bessere berufliche Chancen möchten zehn Azubis haben.

Fazit: Scheinbar kommt bei den Lehrlingen die Info, welche Aufstiegsmöglichkeiten es im Friseurhandwerk gibt, nicht an. Es muss transparent gemacht werden, welche Möglichkeiten die Azubis nach der Lehre haben.

Frage: Was müsste am Berufsbild geändert werden, um die Ausbildung attraktiver für andere Jugendliche zu gestalten?
Motivation ist ein Faktor, der Zufriedenheit auslöst. Die Probanden bemängelten in der Umfrage, dass zu wenig Geld verdient wird – das gaben 107 von ihnen an. Am zweithäufgsten wurde, wie auch in der Frage zuvor, genannt, dass die Weiterbildungsmöglichkeiten transparenter werden müssen. 22 Probanden wählten offene Antworten. Hier nannten die Probanden erneut, dass sie mehr Geld verdienen möchten. Sie äußerten auch, dass sie andere Arbeitszeitmodelle wünschen und ggf. andere Schulformen.

Fazit: Der Faktor Geld ist ein Problem. Hier müsste deutlich gemacht werden, dass man verbunden mit den Aufstiegschancen im Beruf auch hier gutes Geld verdienen kann. Bei den offenen Antworten wurde der Wunsch nach anderen Arbeitszeitmodellen und Schulformen leider nicht weiter ausgeführt.

Frage: Hast du das Gefühl, dein Chef versteht dich und kann sich in dich hineinversetzen?
Bei den Antworten hier zeigte sich deutlich: Die Zufriedenheit nimmt über die Lehrjahre konstant ab. Azubis im dritten Lehrjahr sind unzufriedener als die Azubis im 1. und 2. Lehrjahr. Erst mit Anwachsen der Lehrjahrstufen hat die Verständigung mit dem Chef bzw. wie er sich in sie hineinversetzen kann, Auswirkungen darauf, wie zufrieden sie im Beruf sind. Haben die Lehrlinge das Gefühl, dass der Chef sie nicht mehr versteht, macht sie das unzufrieden. Hier werden dann Fehler oder Unzufriedenheit auf das Verhalten des Ausbilders zurückgeführt.

Fazit: Der Grund, dass Azubis nicht mehr motiviert sind und die Lehrstelle wechseln, liegt darin begründet, dass sie sich nicht mehr vom Chef verstanden fühlen, und er sich nicht in den Azubi hineinversetzen kann.

Ergebnis der Arbeit

Die Zufriedenheitsorientierung der Lehrlinge ist hoch bei der Wahl. Die berufliche Weiterentwicklung nach Abschluss der Lehre ist den Lehrlingen wichtig: 56 Probanden wollen den Meister machen, 36 wollen eine Spezialisierung zur Kosmetikerin oder Farbspezialistin. Nur vier Lehrlinge wollen berufsbegleitend studieren. 30 wollen nach erfolgreicher Ausbildung als Geselle weiterarbeiten. Das steht im Widerspruch zum Fachkräftemangel. Anzunehmen ist, dass die Lehrlinge sich doch beruflich umorientieren wollen, da das Gehalt nicht ausreichend hoch ist. 25 antworteten klar, dass sie einen anderen Beruf wählen wollen. 107 wollen ‚mehr Geld verdienen‘ und fordern mehr Infos über Weiterbildungsmaßnahmen. Wichtig wäre es hier, schon von Anfang an darauf hinzuweisen, was es für beruf liche Optionen gibt. Denn diese Forderung der Lehrlinge ist berechtigt. Hier müssen die Rahmenbedingungen durch die Handwerkskammern, Berufsschulen und Innungen geschaffen werden und stimmen.“

Friseur mit Master

Pasqualino Kiegeland absolvierte 1985 bis 1988 die Ausbildung zum Friseur. 2000 folgte der Meistertitel, 2012 die Weiterbildung zum Betriebswirt (HWK) und der Beginn des berufsbegleitenden Studiums „Unternehmensführung für Meister“ an der Hochschule München. 2013 wagte Kiegeland den Sprung in die Selbstständigkeit (Friseur Nino, München). 2015 schloss er das Studium als Bachelor of Arts mit „summa cum laude“ ab. 2016 begann er das berufbegleitende Master-Studium „Systemisches Personalmanagement“ an der Hochschule Heilbronn, das er 2018 als Master of Arts mit der Note 1,3 abschloss. Kontakt: haircutter@alice-dsl.net