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Pivot Point

"Deutschland ist ein wichtiger Markt"

Das sagt Jan Laan, Vize-Präsident von Pivot Point International. Im Redaktionsgespräch mit TOP HAIR International erklärt er, wie das amerikanische Unternehmen um neue Partner im deutschen Markt werben möchte.

Jan Laan (Geschäftsführer Pivot Point Deutschland) im Gespräch mit Stephanie Hladik (m.) und Yvonne Rieken (beide TOP HAIR). ::: Foto: Anke Krespach

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Ende 2014 hatte der führende Anbieter der Pivot Point-Lehrmethode den Vertrag mit seinem Deutschland-Distributeur Marcus Curth in Obrigheim gekündigt. Zeitgleich musste dessen Beautyschool Insolvenz anmelden. Die Friseurbranche war verunsichert, wie es nun weitergeht. Auch in der Pivot Point-Zentrale war man unglücklich über die Schlagzeilen. Nun gilt es, bei den Interessenten wieder Vertrauen aufzubauen. Denn, so sagt Laan im Gespräch, „die Lehrmethode Pivot Point ist gut.”

Als Leo Passage 1962 in den USA die neue Friseur-Ausbildungsmethode  Pivot Point entwickelte, ahnte er wohl nicht, welchen Siegeszug diese weltweit antreten würde. Bis heute haben mehr als 50.000 Schüler in über 70 Ländern Seminare und Ausbildungen nach Pivot Point absolviert. Auch in Deutschland gibt es viele Anhänger. „Deutschland ist für uns ein sehr wichtiger Markt“, sagt Jan Laan, Vize-Präsident von Pivot Point International und verantwortlich für die strategische Entwicklung weltweit. Gerade in Deutschland lief in der Vergangenheit nicht alles optimal. Die Distribution für Pivot Point lag in den Händen der Beauty School von Anja und Marcus Curth in Obrigheim. Sie meldete Anfang ­Januar Insolvenz an und musste mittlerweile geschlossen werden. Pivot Point ­International hat das Heft nun selbst in die Hand genommen, um möglichen Schaden von der Marke abzuwenden und verloren gegangenes Vertrauen wieder zurückzugewinnen. Mit den vorhandenen Strukturen (Schulen, Salons, Industrie) soll das System in Deutschland ausgebaut werden. 

Kündigung unvermeidbar

Jan Laan will keine alten Wunden auf­reißen, wie er im Gespräch mit TOP HAIR mehrfach sagt. „Wir haben 17 Jahre mit den Curths sehr gut zusammengearbeitet und sie haben die Marke Pivot Point in Deutschland bekannt gemacht. Dafür gebührt ihnen ein großes Dankeschön.“ Dennoch: „Wir mussten schließlich den Vertrag kündigen – auch, um unser Ausbildungs-System zu schützen.“

Unglückliche Diskussion

„Es hat viel negative Energie im Markt gegeben. Plötzlich befand sich Pivot Point inmitten einer politischen Diskussion um die private oder duale Ausbildung. Wir haben uns nicht wiedererkannt“, sagt der Vize-Präsident und stellt klar: „Wir sind überhaupt nicht gegen ein bestimmtes System, sondern FÜR eine gute Ausbildung. Ob diese privatschulisch oder staatlich dual erfolgt, ist uns egal. Das ist eine rein deutsche Diskussion gewesen.“ In anderen Ländern stelle sich diese Frage nicht. „In den Niederlanden und Belgien gibt es zum Beispiel staatliche Schulen, in den USA sind sie überwiegend privat, in Australien, Kanada, Frankreich existieren beide Schulsysteme nebeneinander“, erklärt Laan, der auf seinen Reisen vieles davon kennengelernt hat. „Das Schulsystem ist nicht wichtig, sondern allein die Methode, nach der gelehrt wird. Und da hat sich das Produkt Pivot Point, das immerhin auf sechs Kontinenten vertrieben wird, als sehr gut erwiesen.“

Deutscher Markt wichtig

Der Vertrieb in Deutschland wird nun direkt von Amsterdam aus gesteuert – hier hat der gebürtige Holländer sein Büro. Kein Distributeur mehr, dafür näher am Kunden. Laan hat keine Berührungsängste. „Mit 24 Jahren habe ich Friseur gelernt und viele Jahre im Salon gearbeitet, bevor ich Trainer für Pivot Point wurde“, sagt er. Laan stieg ins internationale Management auf und war von 2000 bis 2005 CEO von ­Pivot Point International USA, bevor er 2008 nach Europa zurückkam. Da lagen bereits 20 Jahre Auslandserfahrung hinter ihm, u. a. lebte er in den USA, in Hongkong und Italien, wo er zwischendurch auch drei Jahre für die Marke Davines arbeitete.

Und nun also Deutschland. „Ein wichtiger Markt, weil hier gute Friseure sitzen“, weiß Laan. Seit Jahresbeginn hat er alle bisherigen Pivot-Point-Akademien besucht und eine Menge Gespräche geführt. „Ich habe niemanden getroffen, der unzufrieden war. Alle wollen weiterhin mit uns zusammenarbeiten“, sagt er sichtlich froh, dass das Vertrauen der Kunden noch da ist. Und das der Trainer? „Alle sind mit an Bord. Jens Hagenmüller ist ja unser Cheftrainer, und seine Frau Sabrina kenne ich schon sehr ­lange. Jens konzipiert unser Schulungsmaterial, zweimal im Jahr eine Trend-Kollektion und reist als Trainer um die Welt. Insgesamt haben wir 15 Trainer. Beim neuen Trainer­seminar im August sind sogar 22 dabei.“ Die Trainer führen oft nebenbei einen eigenen Salon oder arbeiten in Schulen. Aktuell zählen zu den Pivot-Point-Partnern mehrere Friseurschulen und Friseurbetriebe mit eigener Akademie (siehe S. 99). Neben ihrem eigenen Schulnamen dürfen diese den Zusatz „Educated by Pivot Point“ führen. Jan Laan legt Wert darauf, dass es sich hier nicht um ein Franchise-System handelt. „Die Schulen zahlen keine Jahresgebühr. Sie bezahlen allein das Schulungsmate­rial, das sie von Pivot Point beziehen.“ Auch hier hatte es in der Vergangenheit immer wieder Irritiationen gegeben. „Pivot Point ist kein Franchise­geber.“

Neue Webseite

Das umfangreiche Seminarangebot von ­Pivot Point kann jeder Interessent auch über die Webseite (www.pivotpoint.de.com) online buchen. Hier gibt es auch eine Hotline, die momentan noch in die Pivot-Point-Academy Bern weitergeleitet wird. Diese macht die Pivot-Point-Distribution für die Schweiz.  Der österreichische Markt wiederum wird zurzeit von Jan Laan direkt betreut. Wichtig ist dem Vize-Präsidenten auch die Industrie. „Wir sind firmenunabhängig, arbeiten aber mit allen zusammen, die es wollen“, sagt Laan. Wella sei z. B. ein langjähriger Partner. „Über die Industrie erreichen wir die Key Accounts, denen wir maßgeschneiderte Seminare anbieten können. Das klappt u. a. bei Ryf sehr gut. Hier haben wir gemeinsam mit Wella das Angebot ,Junior College‘ entwickelt. Auch Cutting Crew in Heilbronn ist unser Kunde.“

Seminare im Großhandel

Neue Wege beschreitet das US-Unternehmen ab Herbst 2015. Dann werden erstmals die Pivot-Point-Seminare über den Friseur-Fachgroßhandel FPE in Filderstadt beworben. Warum gerade der Großhandel? „Hier erreichen wir die Salons im Markt, die nicht mit der Industrie zusammenarbeiten. Der Großhandel, und speziell FPE, hat einen großen Außendienst und viel Erfahrung.“       Und wie sieht die internationale Entwicklung von Pivot Point aus? „2016 führen wir u. a. in England, Skandinavien und den Niederlanden ein neues Online-Learning-System an den Schulen ein, das die Trainer unterstützt. Die Schüler können dann rund um die Uhr die Lehrmethode studieren. Das ist die Zukunft“, sagt Laan. „Der Schüler steht im Mittelpunkt und wir helfen ihm, dass er sich seiner (Friseur)Kompetenz bewusst wird. Ganz im Sinne von Leo Passage.“

Autor: Stephanie Hladik