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Wenn Sie verkaufen wollen

Der Wert meines Unternehmens

Was ist mein Unternehmen wert? Um Verkaufsgespräche mit potenziellen externen Interessenten emotionsfrei führen zu können, ist eine Unternehmensbewertung

Bernd Werner ::: Foto: Schaefer & Partner

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durch einen Außenstehenden hilfreich. Mit einer solchen kann eine Gesprächsbasis geschaffen werden, wobei nicht immer der ermittelte Unternehmenswert der endgültige Kaufpreis sein muss.

Gerade im Friseurmarkt wird der Verkäufer, bedingt durch den örtlichen Bekanntheitsgrad, großen Wert auf eine erfolgreiche Nachfolge legen. Nichts ist für Verkäufer und Käufer ärgerlicher, als im Nachhinein feststellen zu müssen, dass aus Versäumnissen Nachteile entstanden sind, die vermeidbar gewesen wären.

Unternehmensbewertung

Für die Bewertung eines Unternehmens gibt es den Ertragswert, den Marktwert und den Substanzwert. Die heutzutage am häufigsten durchgeführte Variante ist die Ertragswertberechnung. Man nennt sie auch die „Discounted-Cash-Flow-Methode“ (DCF-Methode). Sie stellt die Unternehmensbewertung unter Zugrundelegung der Erträge der letzten fünf Jahre dar mit einer Diskontierung (= Ab-/Aufzinsung) in die Zukunft. Es werden die Gewinne vor Steuern der letzten fünf Jahre dargestellt.

Atypische Erträge oder Kosten, die normalerweise in den kommenden Jahren nicht zu erwarten sind, werden herausgerechnet. Die Abschreibungen werden zum Jahresergebnis hinzugezählt. Es wird dann ein gewichteter, durchschnittlicher Cash-Flow dargestellt, der dann die Basis für eine Bewertung ist.

Salonniveau steigert den Preis

Bei kleineren und mittleren Unternehmen wird zur Unternehmensbewertung oft die Ermittlung des sogenannten „Goodwills“ herangezogen. Gerade hier werden die nicht aus den Bilanzzahlen erkennbaren Faktoren eingebaut. Dabei geht es um den Qualifikationsstand des Teams, das Preisniveau, die modische Kompetenz und das Image des Salons. Als Goodwill wird dann das Zwei- bis Vierfache der Unternehmensrendite angenommen.

Der wichtigste Bewertungsteil ist der Kundenstamm. Hier zeigt es sich, wie dieser in den letzten Jahren im Datenbestand der EDV gepflegt worden ist. Die gesamte Salon­einrichtung ist bei einer Bewertung bereits im ermittelten Kaufpreis enthalten. Sofern jedoch erkennbar ist, dass infolge Verschleiß­erscheinungen der Käufer zu ­Investitionen gezwungen ist, ist ein Wert­abschlag am ­Bewertungspreis vorzunehmen.

Kaufpreisfinanzierung

Für die Finanzierungsanfrage bei einer Bank ist die Vorlage einer qualifizierten Unternehmensbewertung sehr von Vorteil. Hier ist im Vorfeld die gewünschte Finanzierungsform festzulegen. Dabei muss der eigentliche „Kaufgegenstand“ geklärt werden. Bei einer GmbH kann der Erwerber die GmbH-Anteile kaufen. Der Nachteil hier sind geringe Abschreibungsmöglichkeiten. Werden hingegen abschreibungsfähige Gegenstände gekauft, stehen dem Käufer hieraus gewinnmindernde Abschreibungen zu.

Nicht selten wird ein Kaufpreis ganz oder teilweise über eine „Verrentung“ dargestellt. Dies setzt allerdings ein hohes Vertrauen in die Leistungsfähigkeit des Käufers voraus. Ein solcher „Mix“ aus Bank- und Verkäuferdarlehen wird von vielen Banken gern gesehen, da er eine Risikoaufteilung darstellt. Es empfiehlt sich, schon im Vorfeld der Übergabe einen Steuerberater hinzuzuziehen, der auch die Bankgespräche begleitet.

(TH sprach mit mit Bernd Werner, Finanzexperte bei Schaefer & Partner Consulting GbR; www.schaefer-consulting.com)