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Ausbildung

Das passende Leben

Lehrlinge sind vor allem eines: junge Menschen. Und als diese auf der Suche nach Selbstbestimmung und Zutrauen.

Birgit Nöckl hat das Ausbildungskonzept MaiMentor entwickelt. >< Foto: Maischön GmbH

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Sonntagmorgen auf dem Weg in den Urlaub, voll beladen mit Fahrrädern, geht mein Auto in den Streik. Wir schaffen es noch zur nächsten Tankstelle. Beim Warten auf den Abschleppwagen kaufe ich die Zeitschrift „Stern“ und entdecke ein Interview mit Kinderarzt und Bestsellerautor Remo Largo. Vertieft in die Lektüre faszinieren mich Sätze wie: „Wir brauchen den Umgang mit Menschen, denen wir wirklich vertrauen, um uns so entfalten zu können, wie wir wirklich sind.“ Und: „Zutrauen in mich selbst – das muss ich lernen. Ich muss Erfahrungen machen, dass ich selbstbestimmt Dinge erreichen kann. Das nennt man Selbstwirksamkeit.“ Über die jüngere Generation sagt Largo: „Junge Menschen haben schon heute ein ganz anderes Verhältnis zu Eigentum und Karriere. Es geht ihnen viel mehr als früher um die Suche nach individueller Zufriedenheit.“ Vier Stunden später geht es per Mietfahrzeug weiter nach Burgstall in Südtirol, doch dieses Interview lässt mich nicht mehr los.

Individuelle Zufriedenheit finden

Allein in den drei zitierten Sätzen aus Largos Buch steckt eine Menge zum Thema gute Ausbildung: Es geht nicht ohne die Einbindung in ein Team, das Sicherheit und Geborgenheit gibt, und jemanden, dem die Lehrlinge ihr Vertrauen schenken. Es geht nicht ohne Erfahrungen, die ich durch selbstbestimmtes Lernen machen darf. Und es geht gerade in der Gestaltung des beruflichen Lebens um die Suche nach individueller Zufriedenheit. Klar, dass ich mir nach unserer Ankunft in Südtirol schleunigst das 480 Seiten umfassende Buch „Das passende Leben“ auf meinen E-Book-Reader geladen habe. Meine Neugierde auf diesen Autor und seine Erkenntnisse war geweckt. Seitdem blitzt der Begriff „passend“ immer wieder in Gedanken und Gesprächen auf. Aber nicht im Sinne eines lässigen „passt schon“, das aus einem Nicht-genau-Hinschauen resultiert und meist eine gerade nicht vorhandene Passung überspielt. Überall sind wir auf der Suche nach dem Passenden, nach dem, was uns entspricht. Der passende Beruf, der passende Partner, die passende Ausbildung.

Sich durch Vertrauen entfalten

Viele Jugendliche wissen aber noch nicht, was zu ihnen passt. Sie kennen nur die Schule, werden dort „vernotet“, also über Noten bewertet, aber welchen Wert sie wirklich haben, welche Fähigkeiten in ihnen stecken oder welche Bedürfnisse sie antreiben, das bleibt oft unklar. Wir brauchen den Umgang mit Menschen, denen wir wirklich vertrauen, um uns zu entfalten. Genau in dieser Reihenfolge – zuerst Vertrauen und daraus resultierend Entfaltung – setzt das Ausbildungsprogramm der Maischön GmbH, „MaiMentor“, an. Wir als Ausbildungsbetrieb trauen unseren Auszubildenden zu, dass sie ihre Aufgaben selbstständig und verantwortungsvoll erarbeiten. Dass sie Lerninhalte über die Nutzung verschiedener Kanäle aufarbeiten und Praxis aufgaben gewissenhaft und eigeninitiativ organisieren.

Selbstwirksamkeit erfahren

Dieser reformpädagogische Ansatz ist ein möglicher Weg, auf dem unsere jüngsten Mitarbeiter lernen, wie man mit dem Vertrauen anderer umgeht. Das ist die Grundlage, auf der Selbstwirksamkeit entstehen kann. Natürlich kann das Resultat auch Enttäuschung bedeuten, aber selbst darin erfahren sie ihre Selbstwirksamkeit. Wir können die Freiheit und die Eigenverantwortung für die Lerninhalte an unsere Lehrlinge übertragen, ohne in die Bedrängnis zu kommen, dass sie etwas falsch oder gar nicht lernen. Wie soll das gehen? Ganz einfach: Wir begleiten als Coach jeden noch so kleinen Lernfortschritt, dokumentieren und haben immer das große Ganze im Auge. Was dabei entsteht, ist eine individuelle Zufriedenheit, weil unsere Lehrlinge genau das machen, was sie als sinnvoll erachten. „Menschen können nicht irgendein Leben führen, sondern nur ihr eigenes“, formuliert Remo Largo in seinem Buch. Für junge Menschen ist das ein großes Ziel. Wir als Ausbildungsbetriebe begleiten sie auf diesem Weg und helfen ihnen dabei, ihre Fähigkeiten und Talente zu entdecken und zur Entfaltung zu bringen. Je mehr das gelingt, desto erfolgreicher läuft die Ausbildung – auch für den Betrieb.

Text: Birgit Nöckl, Geschäftsführerin der Maischön GmbH mit drei Salons in Österreich. Die Friseurmeisterin und studierte Pädagogin erhielt 2017 den Staatspreis „Bester Lehrbetrieb“.

 

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