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Friseure und Social Media

Daniel Golz erzählt Geschichten im Netz

Daniel Golz ist Friseurmeister und Video-Blogger. Mit TOP HAIR sprach er darüber, warum man als Salon in den Sozialen Medien präsent sein sollte und wie man das anstellt.

 

 

Daniel Golz hat eine große Fan-Gemeinde, hier auf der TOP HAIR Messe 2018. >< Foto: Melanie Fredel

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In den Sozialen Medien hat Daniel Golz eine riesige Fan-Gemeinde und tritt mittlerweile auch als Redner auf – zum Beispiel auf der TOP HAIR Messe. Als er 2014 mit seinem Blog begann, war er der erste Friseur, der Kollegen firmenunabhängige Schulungsfilme zeigte. Heute nimmt er mit Freundin Martha Winkler auf www.abouthair.rocks in charmanten, lustigen Filmen Situationen aus dem Friseur-Alltag unter der Lupe.

TOP HAIR: Noch vor einem Jahr hat Du uns in einem Interview gesagt: Friseure und Social Media sind wir Katz und Maus. Hat sich daran etwas geändert?
Daniel Golz: Es ist definitiv besser geworden.

TOP HAIR: Woher kommt denn Deiner Meinung nach die Skepsis, die viele Friseure haben, wenn es um das Thema Social Media geht?
Daniel Golz: Ich glaube, das liegt viel daran, dass viele einfach unwissend sind. Unwissenheit heißt für mich gleich wieder Angst. Angst vor etwas, was ich nicht kenne. Natürlich bin ich dann derjenige, der versucht, so gut wie möglich Aufklärung zu leisten, damit diese Angst verschwindet und Friseure merken: Ja ok, ich kann da ganz viele Vorteile rausziehen, ich kann ganz viel für mich tun, vor allem habe ich das noch kostenlos, ich muss nichts bezahlen.

TOP HAIR: Als Saloninhaber habe ich jetzt verstanden, dass es wichtig ist, in den Sozialen Medien aktiv zu sein. Doch was ist dann jetzt ganz praktisch der erste Schritt? Dein Tipp!
Daniel Golz: Ganz klar: Erst einmal eine Kundenauswertung machen für seinen eigenen Salon. Das heißt: In welchem durchschnittlichen Alter ist meine Kundschaft? Wo bewege ich mich? Und dann sage ich ganz klar: jüngeres Segment ist Instagram, da werde ich aktiv. Habe ich mehr ältere Kunden, dann werde ich bei Facebook aktiv.

TOP HAIR: Und das wären Deiner Meinung nach auch schon die beiden wichtigsten Plattformen mit denen  man einsteigen sollte?
Daniel Golz: Für mich persönlich ja, definitiv.

TOP HAIR: Was ist die wichtigste Regel für Neueinsteiger?
Daniel Golz: Nicht zu viel posten!

TOP HAIR: Was ist zu viel?
Daniel Golz: Ich finde, am Tag fünf Bilder ist definitiv zu viel. In der Woche drei Mal reicht vollkommen aus. Und, was ich auch ganz wichtig finde: Mittlerweile ist es so, dass ich auch als Salon eine Geschichte erzähle. Schon lange wird nicht mehr nur über Haare, Vorher-Nachher-Bilder, gesprochen, sondern es werden Geschichten erzählt. Persönliches, viel Friseur, Menschliches, wie gut gehen wir mit unseren Kunden um.  Bilder vom Kaffee - hier bei uns bekommst Du nicht nur tolle Haare, sondern auch tollen Kaffee. Kaffee hat ja immer so eine gemütliche Ausstrahlung. Zeitungen, schön drapiert. Viele vergessen immer, dass man das auch alles schön kopieren kann. Einfach großen Salons folgen und dann macht man die Bilder für den eigenen Salon nach.

TOP HAIR: Was lernst Du denn von Deinen Kunden in den Sozialen Netzwerken?
Daniel Golz: Auf der einen Seite lerne ich aus Friseur-Statements wo ich noch etwas zu tun habe, wo sie einfach noch mehr an die Hand genommen werden müssen, wo ich noch Aufklärung leisten kann. Auf der anderen Seite sehe ich auch die Endverbraucher, die mir dann auch in persönlichen Nachrichten ganz lieb schreiben, was sie beim Friseur einfach gestört hat, Verbesserungsvorschläge, wie ihr Empfinden gewesen ist.  Da kann ich dann auch ganz klar sagen, ok, das muss ich nochmal an unsere Friseure weitergeben. Vielen ist es gar nicht bewusst, was Kunden denken.

TOP HAIR: Hast Du das Gefühl, dass da die Hemmschwelle durch Social Media gesunken ist? Äußern sich Kunden heute eher?
Daniel Golz: Ja, viele Kunden schreiben mir, das sind locker 50 am Tag.

TOP HAIR: Oh, das ist viel! Wann beantwortest Du all diese Fragen und Kommentare?
Daniel Golz: Morgens beim ersten Kaffee und abends beim letzten Wasser  - und zwischendurch auf der Toilette (lacht).

TOP HAIR: Hast Du denn jemals auch negative Erfahrungen mit Social Media gemacht?
Daniel Golz: Ja, definitiv! Man lernt ja aus seinen Fehlern. Ich persönlich habe am Anfang sehr viele Fehler gemacht. Und zwar auch dabei, wie man etwas ankündigt: Ein persönliches Wort und eine Gesichtsmimik hat die höchste Ausstrahlungskraft jemandem etwas zu sagen, was ich meine. In schriftlicher Form, nur ein Bild, dagegen relativ wenig .  Das heißt, man sollte so clever schreiben, dass letzten Endes kein Shitstorm, keine Missverständnisse entstehen. Das war für mich ein ganz, ganz wichtiger Aha-Effekt, den ich auch gleichzeitig wieder genutzt habe im Beratungsgespräch. Kurz, knapp und knackig so zu erzählen, dass 1. verstanden wird, 2. der Weg klar ist und 3. das Ergebnis. Das war ein großer Lerneffekt.

TOP HAIR: Das machst Du aus dem Bauch heraus?
Daniel Golz: Immer! Ich habe nur bei meinen Kunden darauf geachtet, wie sie reagieren. Ich bin sehr visuell und ich passe sehr gut auf und Gesichtsmimiken sind ganz leicht zu erkennen. Das ist wie ein Smiley: Findet der das gerade toll, was ich gesagt habe, findet er das nicht so toll, ist er begeistert?

TOP HAIR: Was ist der größte Fehler, den ich machen kann in den Sozialen Medien?
Daniel Golz: Leider Gottes ist der größte Fehler den ich machen kann, schlechte Haarfarben oder Stylings zu zeigen. Man muss sich im Klaren darüber sein: Was im Internet landet ist nie mehr löschbar, das kann immer wieder als Bumerang zurückkommen. Das heißt, man sollte sich schon Gedanken darüber machen, wie und was ich poste. Ein Bild muss perfekt aussehen.

TOP HAIR: Im Idealfall habe ich einen Facebook- und einen Instagram-Account. Ist da dann die klassische Homepage Deiner Meinung nach hinfällig? Es gibt einige Salons, die keine Webseite mehr haben.
Daniel Golz: Man hat ja verschiedene Kunden, die wir glücklich machen. Man braucht schon eine Homebase, da fühlt man sich wohl, nämlich Zuhause, und das ist die Website vom Salon. Mein Fashion-Geschäft ist dann zum Beispiel Facebook und natürlich ein Hipster-Account von Instagram. Ich finde schon, dass eine Homebase, um sich gut zu positionieren und alles zusammenzutragen, wichtig ist. Auf einer Website kann man am Tag 25.000 Mal was reinstellen. Bei Facebook ist wieder das Problem, dass es so kurz und knapp wie möglich sein muss. Wenn jemand mehr lesen möchte, sollte immer eine Verlinkung auf die Webseite stattfinden, für diejenigen, die lange Texte lesen wollen und ganz viel Input möchten.

TOP HAIR: Hast Du schon Erfahrungen mit What’s App-Business und ist das etwas für Friseure
Daniel Golz: Ja, das ist ja gerade ein Trend, telefonieren geht schreiben kommt! Auch ich mache mir Gedanken mit Martha (Anm. d. Redaktion Martha Winkler von @ansatzlängespitze, mit der er zusammen seine Videos produziert) wie man einen Whats App Kundenservice im Friseursalon einbinden kann. Aber so, dass die persönliche Note nicht verloren geht und auch ein Friseursalon gesichert wird, z.b in der Termin Vergabe durch so einen Service. Whats App hat einen großen Vorteil, den Friseure für sich nutzen könne, aber mehr zu diesem Projekt darf ich noch nicht sagen! 

TOP HAIR: Lass uns ein bisschen rumspinnen: Wie sieht Dein Salon der Zukunft aus?
Daniel Golz: Mein großer Traum ist es irgendwann einen Spiegel zu haben, der interaktiv ist, der mich sozusagen mit meinem Gesprochenen unterstützt. Denn ich mag es immer ganz gerne in Geschichten und in Bilder zu sprechen. Momentan mache ich es noch so, dass ich meine iPads bespiele und in meine Beratung miteinfließen lasse. Das heißt Aufklärung leiste, dass ein Pastellton zum Beispiel ungeföhnt -  auf Deutsch gesagt -  Scheiße aussieht, dass etwas gemacht werden muss. Gleichzeitig kann ich ein Pflegeprodukt anbieten, dass mir der Spiegel dann zeigt. Dann kann ich natürlich auch gleich sagen, liebe Kundin, so und so teuer ist es. Und dann kann ich die Kundin fragen,  ob ich es ihr gleich nach Hause schicken darf. Du musst es gar nicht mehr durch die Stadt schleppen, es kommt aus meinem Salon, ich habe die Kundin beraten und werde daran natürlich als Salon beteiligt. So ein interaktiver Spiegel, der mit mir eine Beratung und einen Friseurbesuch noch lebhafter macht, fände ich schön.

TOP HAIR: Was wäre die Horrorvorstellung im Salon der Zukunft?
Daniel Golz: Kurze, knappe Antwort: Friseur-Roboter. Ich wünsche mir, dass das nie kommt – ich habe ihn aber schon gesehen.

TOP HAIR: Bitte vervollständige den Satz: Ein Wochenende ohne Social Media wäre für mich …
Daniel Golz: Ein Wochenende zu 100% Urlaub.

TOP HAIR: Kommt das vor?
Daniel Golz: Nein.

Interview: Yvonne Rieken 

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