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Wella-Mitarbeiter geschockt

Coty schließt Werk in Hünfeld

In Hünfeld produziert Wella einen Großteil seiner Haarpflegeprodukte. Der neue Eigentümer Coty will den Standort 2018 schließen.

Coty will das Wella-Produktionswerk in Hünfeld bis 2018 schließen

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Und wieder geht ein Stückchen „alte Wella“. Der US-amerikanische Kosmetikkonzern Coty hat diese Woche die Mitarbeiter am Standort Hünfeld in einer Betriebsversammlung informiert, dass die Produktion bis Ende 2018 auslaufen soll. Betroffen sind 380 Mitarbeiter.

Standort zu unrentabel?

Coty hatte nach der Übernahme von Wella in 2015 im Zuge einer Reorganisation seine weltweiten Produktions- und Logistikkapazitäten überprüft und ist nun zu dem Ergebnis gekommen, dass es für die Produktion in Hünfeld keine langfristige, nachhaltige Perspektive gibt, wie eine Unternehmenssprecherin auf Anfrage von TOP HAIR bestätigte. Die globalen R&D-Kapazitäten (Forschung & Entwicklung) von Professional Beauty, die teilweise in Hünfeld angesiedelt sind, bleiben von dieser Veränderung unberührt, heißt es. Coty werde nun die Beratung mit den Arbeitnehmervertretern beginnen, um die Umsetzung der Maßnahme fair und sozialverträglich zu gestalten.

Die Maßnahme ist Teil eines globalen Programms des Unternehmens, im Produktions- und Logistik-Bereich die Kapazität und Leistungsfähigkeit der Produktionsstätten der Geschäftsbereiche einzuschätzen und so den besten Weg zu finden, um die Pläne hinsichtlich des Geschäftswachstums sowie unsere Service- und Effizienzziele zu erreichen, so das Unternehmen. Dies stehe in Übereinstimmung zu dem Ziel von Coty, im Laufe der Zeit ein globaler Marktführer und echter Herausforderer im Beauty-Bereich zu werden.  Das Unternehmen produziert weiterhin in Deutschland am Standort Rothenkirchen/Sachsen sowie in Köln.

Mitarbeiter enttäuscht, Stadt verärgert

Die Wellen, die diese Nachricht in Hünfeld auslöste, sind indes enorm. Mitarbeiter, Betriebsrat, Bürgermeister, Politiker und Wirtschaftsvertreter reagierten mitunter schockiert und verärgert, sei man doch von der Entscheidung „kalt erwischt“ worden. "Ich bin ein Stück weit erstaunt, weil sich Wella mit seinen top ausgebildeten Mitarbeitern unter Procter & Gamble auf dem Weltmarkt immer wieder durchgesetzt hat", sagte Bürgermeister Stefan Schwenk gegenüber hessenschau.de. Was der neue Besitzer zu diesem Schritt veranlasst hat, wisse er nicht. Zwar habe es seit der Übernahme durch Coty die üblichen Diskussionen um Umstellungsmaßnahmen gegeben. Dass es dabei nicht um Produktlinien, sondern um Arbeitsplätze gehen würde, habe er aber nicht geahnt. Der Bürgermeister hat nach eigenen Angaben umgehend einen Brief an Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) geschrieben und ihn um Mithilfe gebeten. Konkret will Schwenk mehr über die Hintergründe der Entscheidung erfahren und darüber, ob der Stellenabbau hinter verschlossenen Türen bereits in Stein gemeißelt ist.