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Great Lenghts

Auf Hausbesuch

Anita Lafer hat uns ihr neues Great- Lengths-Werk gezeigt und nebenbei erklärt, wie sie Wirtschaftlichkeit mit sozialer Verantwortung vereint.

Eine Mitarbeiterin von Anita Lafer (l.) erklärt TOP HAIR-Redakteurin Aletta Helsper (Mitte), wie sie die Haare verblendet und den Farbton kontrolliert. >< Foto: Joachim Haschek

Verblendete Haare wirken natürlich >< Foto: Joachim Haschek

Die Verbindungsstellen sind bei Great-Lenghts-Extensions immer eingefärbt, damit sie "unsichtbar" werden >< Foto: Joachim Haschek

Im "Eldorado der Haare": der Versand >< Foto: Joachim Haschek

Anita Lafer (l.) ist seit 24 Jahren bei Great Lenghts. Die Marke gibt es seit 25 Jahren. >< Foto: Joachim Haschek

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Ende Januar durchlief die millionste Strähne­ die neue Great-Lengths-Produktionsstätte im österreichischen St. Stefan. Mitten auf dem Land liegt das Werk, das seit vergangenem August Extensions für den deutschsprachigen Raum produziert und aufgrund der räumlichen Nähe auch die Distribution von Slowenien und Kroatien beliefert. Das wollten wir uns genauer anschauen und sind mit Anita Lafer, Geschäftsführerin und Miteigentümerin von Great Lengths Österreich, durch die Produktion gelaufen. Es ist schon das dritte Werk von Great Lengths, zwei weitere stehen in Nepi in Italien, dem Hauptquartier der Marke. „Die Chance war natürlich einmalig, als Italien gesagt hat, wir werden zu klein, wir müssen noch mal was bauen. Ich habe nicht lange überlegt“, erzählt Anita Lafer. „Wir sind immer gesund gewachsen und das Kapital ist auch da gewesen, um das hier zu bauen.“

Regional verwurzelt
Es sei auch eine Chance für die Region, der sich Lafer sehr verbunden fühlt. 17 neue Stellen hat sie geschaffen, sodass sie nunmehr 80 Mitarbeiter beschäftigt. „Das kann nicht sein, dass alle Arbeitsplätze immer verschwinden, und schon gar nicht für ein hochwertiges Produkt wie Great Lengths, dass dies billigst in Asien produziert wird. Letztendlich ist Great Lengths noch ein Unternehmen in Familienhand, das keine Aktionäre hat, denen es was schuldet. Da geht es nicht nur um Gewinn.“

Hilfe aus Italien
Doch so ein neues Werk auf die Beine zu stellen und in Betrieb zu nehmen ist nicht so einfach. Ohne die Unterstützung aus Italien hätten sie sich nicht getraut, schließlich seien sie bisher nur als Vertrieb tätig gewesen, verrät Anita Lafer, während wir an ihrem „Eldorado“ – endlose Regalmeter mit Extensions, Haar­accessoires und Pflegeprodukten im Versand – entlangschreiten. Der Produktionsleiter konnte sein neues Handwerk von der Pike auf und über Monate hinweg in Nepi lernen. Und aus Italien war trotz sprachlicher Hindernisse wöchentlich Hilfe da. „Die Italiener sprechen sehr viel italienisch, wir eher steirisch.“ Anita Lafer lacht herzlich.
Wir nehmen hochmoderne Maschinen in Augenschein, in denen sich 5-Kilo-Chargen computergesteuert färben lassen. „Auch jetzt kommen noch immer Italiener, nicht jede Woche, aber einfach weil du die Kontrolle brauchst. Es durfte auf keinen Fall passieren, dass man erkennen konnte, was österreichisch und was italienisch ist. Fünf Kilo wegzuschmeißen, das ist Horror.“ Denn das Rohmaterial ist kostbar. Das Kilo fängt bei 650 Dollar an, inklusive Ausschussware und kurzer Längen, die möglichst noch als Trainingssträhnen und Farbringe verwertet werden.
Sehr zufrieden berichtet die Geschäftsführerin, dass das neue Werk schon 20 der derzeit 103 Sortimentsfarben selbst produziert. Der Rest wird aus Italien zugeliefert. Doch das steirische Know-how wächst beständig, neue Produkte  stehen in den Startlöchern. Farbveränderungen, Verdichtungen, Frisurenveränderungen, Haarteile sind die Themen in den Salons. Das Werk kann darauf nun flexibler als zuvor reagieren. Seine Kapazitäten haben noch Luft nach oben. Der Zentraleinkauf der Rohhaare liegt zu Lafers Erleichterung weiterhin in Italien und dort in den Händen des Produktionsleiters Fabio Antonino, denn er hat die Erfahrung die es dafür braucht. 

Produktion in Handarbeit
Auf unserem Rundgang durch das Werk erfahre­ ich, dass es energietechnisch autark werden soll, lerne die Betonkernheizung kennen. Ich höre, dass alle Zusatzmaterialien aus der Region­ stammen, um kurze Lieferwege und Qualität zu gewährleisten. Ich sehe Färbe­becken, eine massive Haar-Trocknungsmaschine; schaue zu, wie die Strähnen penibel verblendet werden, bis der Farbton stimmt; wie sie anschließend auf eine Länge gebracht werden, um schließlich die Verbindungsstellen anzubringen und die Formen zu stanzen. Das meiste geschieht in Handarbeit.
Wie findet man eigentlich Mitarbeiter für eine Extensions-Produktion, will ich unterdessen von Anita Lafer wissen. „Es gibt diese Menschen nicht, die diese Qualifikation haben“, bestätigt sie meinen Verdacht. Mit engagierter Unterstützung des Arbeitsmarktservices suchte­ sie nach handwerklich begabten Menschen mit Fingerspitzengefühl, zum Beispiel Näherinnen, Friseure, Maler oder Chemiker, die schließlich vor Ort eingelernt wurden. 

Great place to work
Als wir in das Verwaltungsgebäude wechseln, berichtet Anita Lafer stolz von ihrer dritten Firmenauszeichnung als „great place to work“. Dass sich ihre Mitarbeiter wohlfühlen, ist ihr wichtig. Leistung komme nicht allein durch Druck, sondern durch Freude am Arbeiten. In der Wirtschaft schaue leider der Controller meist nur auf die Zahlen. Glücklicherweise­ könne sie die Rahmenbedingungen selbst gestalten. Ihre Firma fördert vollwertige Mittag­essen, die das örtliche Gasthaus liefert. Jeden Morgen organisieren die Mitarbeiter reihum eine Jause mit wechselnden Mottos Masseurin und Akupunkturarzt kommen einmal im Monat während der Arbeitszeit ins Haus. Gemeinsam initiieren Chefin und Team Laufgruppe oder Gymnastikstunde. „Viele Dinge kann man vielleicht nicht mit dem Rechenstift machen am Anfang, aber es kommt 100 Prozent zurück.“ Seit zehn Jahren gehört ein Kindergarten zum Betrieb, auch Teilzeitarbeit ist willkommen. Als dreifache Mutter hat Lafer selbst eine 4-Tage-Woche. Auch wenn es manchmal ein Drahtseilakt sei, „aber zum Leben gehört eben auch das Leben dazu, nicht nur die Arbeit.