Erfolgsstory

Friseur-Gemeinschaft

Bedürftigen Würde schenken

Barbers Angels Brotherhood schneiden bedürftigen Menschen kostenlos Haare und Bärte. TOP HAIR hat mit Claus Niedermaier über die Idee und den Erfolg dieser Friseur-Initiative gesprochen.

Tina Flohr und ihre Kollegen beim Einsatz im Männerwohnheim der Heilsarmee in München >< Foto: BAB_©emotion-fotos.eu_Viola Hedtke

Unverwechselbar: die "Barber Angels Brotherhood" >< Foto: BAB_©emotion-fotos.eu_Viola Hedtke

Präsident Claus Niedmaier >< Foto: BAB_©emotion-fotos.eu_Viola Hedtke

Tief empfundene Dankbarkeit >< Foto: BAB_©emotion-fotos.eu_Viola Hedtke

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„Den ganzen Tag machen wir Menschen mit unserem Handwerk glücklich. Wir sollten auch die nicht vergessen, die die Gesellschaft ausgeschlossen hat.“ Claus Niedermaier und seine „Apostel“, wie er sie liebevoll nennt, schneiden als „Barber Angels Brotherhood“ bedürftigen Menschen kostenlos Haare und Bärte. Anstoß zur Gründung dieser ungewöhnlichen Gemeinschaft von Friseuren gab ein Fernsehbericht, den sich Claus Niedermaier ansah. Dieser zeigte, wie Obdachlose in Deutschland im Winter über die Runden kommen. „Ich habe mich gefragt: Warum sind diese Menschen so tief gefallen und warum kommen sie aus diesem Tief nicht mehr heraus? Die Antwort für mich war: Weil sie keiner beachtet“, so der Gründer. Diesen Impuls, lieber wegzusehen, kennt man von sich selbst. Zottige Haare, ungepflegter Bart, ungewaschen – erst mal Abstand halten. Claus Niedermaier schlug eine andere Richtung ein. Er wollte den Obdachlosen nahe kommen, ging zunächst nach draußen, auf die Straße und bot an, ihnen Haare und Bart zu schneiden „Die Distanz war am Anfang deutlich zu spüren. Sich öffentlich die Haare schneiden lassen und dann auch noch ohne Gegenleistung, das irritierte die Menschen“, erzählt er. Und schließlich machte im Dezember schlichtweg die Kälte einen Strich durch die Rechnung.

Als Gemeinschaft losziehen

Eine neue Idee war gefragt und eine Organisationsstruktur. Claus Niedermaier kontaktierte Einrichtungen für Obdachlose und suchte Mitstreiter unter seinen Friseurkollegen. Die „Barber Angels Brotherhood“ waren geboren. An die ersten Einsätze zum Beispiel im Café Löffel in Lahr, einer Begegnungsstätte für Menschen in Not, erinnert sich der Gründer gut. Eine kleine Gruppe von Obdachlosen hatte sich an diesem Sonntagnachmittag eingefunden, erzählt er. „Am Anfang haben uns starre, ausdruckslose Gesichter angeblickt. Dann kam mit den ersten Scherenschnitten und Rasierstrichen erst die Ungläubigkeit, dann ein Lächeln und schließlich kindliche Freude, Strahlen über beide Ohren und einfach nur tiefe Dankbarkeit.“

Das Gesicht zurückgeben

Es ginge nicht nur um einen Haarschnitt, den man schenke, sagt Claus Niedermaier. „Wir geben den Menschen ihr Gesicht zurück.“ Und eine Berührung sowie ein offenes Ohr. Während sich die Obdachlosen beim Frisieren öffneten und ihre Geschichte erzählten, würde einem klar, dass sie ihr altes Leben nicht vergessen haben. „Das Gefühl, das uns im Gegenzug erreicht, kann man nicht in Geld aufwiegen. Dass wir diese Momente als Gemeinschaft erleben dürfen, schweißt uns als Gruppe unheimlich zusammen“, sagt der Präsident.

Türöffner sein

Bei den Einsätzen ist auch Tina Flohr meistens mit von der Partie. Als Barber Lady Tina hat sie sich in Schwäbisch Gmünd auf Männer spezialisiert und eine Barber-Ecke im Salon ihrer Freundin eingerichtet – mit viel Erfolg. Von Claus Niedermaiers Idee, einen Club zu gründen, der Obdachlosen die Haare schneidet, ließ sie sich sofort anstecken. „Wir haben ein so tolles, schönes Handwerk. Mit unseren Einsätzen können wir etwas zurückgeben“, meint sie. Die Begegnungen mit den Menschen hinter dem verwahrlosten Äußeren möchte sie nicht mehr missen. Ein neues Erscheinungsbild verändere die ganze Haltung, gebe Würde zurück, motiviere. Wenn sich beim Blick in den Spiegel die Schultern straffen und die Augen glänzen, ist das für die Barber Angels immer wieder ein Gänsehautmoment. Tina Flohr hatte davon einen ganz speziellen: Wenige Wochen nachdem sie einem Obdachlosen Haare und Bart geschnitten hatte, ihm zugehört und zugeredet hatte, fand er eine Arbeitsstelle. „Ich habe mich so gefreut, ich habe nur noch geweint.“

Keine Einzelkämpfer bleiben

Inzwischen sind die „Barber Angels“ regelmäßig im Einsatz. Einmal im Monat besucht die Truppe Obdachlosenheime, Frauenhäuser, Männerwohnheime, die Diakonie oder die Heilsarmee. Das Ziel ist es, die Bruder- beziehungsweise Schwesterschaft weiter zu vergrößern. „Wir haben Wundervolles vor“ heißt es auf der Homepage – und Claus Niedermaier unterstreicht die Ambitionen. „Wir möchten keine Einzelkämpfer bleiben sondern ein Netzwerk aus Kollegen für unsere Einsätze aufbauen – zunächst in Deutschland, aber vielleicht auch einmal international."

 

Die „Barber Angels Brotherhood“ setzt sich derzeit aus 24 Mitgliedern zusammen. Gegründet hat den Club Claus Niedermaier, Friseur aus Biberach an der Riß, im November 2016. Mehr über die Einsätze, wie man Mitglied oder Sponsor wird, lesen Sie unter www.b-a-b.club oder auf Facebook.