Künstlich erzeugte Idealbilder treffen auf den Wunsch nach mehr Natürlichkeit, Selbstdarstellung auf nachweisbare Wirkung und schnelle Beauty-Shortcuts auf langfristige Vorsorge. Was bedeutet das für die Schönheitspflege der Zukunft? Die Studie „Transforming Beauty“ im Auftrag des Industrieverbands Körperpflege- und Waschmittel (IKW) taucht ein in die aktuellen Trends der Kosmetik.
Inhaltsübersicht
- 1. zwischen Hyperästhetik und ganzheitlicher Schönheit
- 2. zwischen Selbstinszenierung und Funktionalität
- 3. zwischen Mühelosigkeit und Prävention
- Schönheitspflege, die zum Leben passt
Früher gab es in der Modewelt zwei Kollektionen im Jahr. Heute entstehen mehrere tausend Designs am Tag. In der Schönheitspflege ist das Tempo nicht weniger rasant: Auf Social Media sieht man wöchentlich neue Trends und Ästhetiken, die sehr temporär und fluide sind, erklärt Lena Papasabbas, Co-Founder und Trend- & Zukunftsforscherin bei The Future:Project. Dennoch konnte ihr Team in dieser verrückten Trendwelt drei zentrale Trends und ihre starken Gegentrends identifizieren. „Die Zukunft passiert in ihrem Spannungsfeld“, sagt Lena Papasabbas.
1. zwischen Hyperästhetik und ganzheitlicher Schönheit
Künstliche Intelligenz, Filter und perfekt inszenierte Gesichter setzen neue Maßstäbe – und erzeugen viel Druck, sich den technologisch optimierten Looks auch im echten Leben anzupassen. Der erste große Trend, Artificial Beauty oder Hyper Aesthetic, sei sehr wirkmächtig. Was bisher als schön galt, wird extrem übertrieben, erklärt die Zukunftsforscherin und nennt als Beispiel den aufwändigen Beauty-Trend „Glass Skin“. Hier zeige sich, wie ein digital generierter, surrealer Trend die Schönheitsbilder im echten Leben verändere. „Das analoge Empfinden passt sich der digitalen Bildwelt an“, so Lena Papasabbas.
Als Gegentrend dazu oder gar als Rebellion dagegen nennt die Zukunftsforscherin Holistic Beauty, also die ganzheitliche Schönheit. Menschen werden dem digital produzierten Optimierungsdruck müde und machen Schönheit zum Teil eines ganzheitlichen Konzepts von Wohlbefinden und Gesundheit. Hier steht der Wunsch nach Pflege, die sich gut anfühlt, natürlich ist und die Gesundheit stärkt, im Vordergrund. Körperpflege ist damit Teil einer umfassenden Selbstfürsorge, die den gesamten Körper und Geist miteinbezieht. Als Beispiel für die vielen kleinen Trends, die hier entstehen, nennt Lena Papasabbas „Slow Beauty“: wenig Produkte, dafür hochwertig, minimalistisch. Aus der Anwendung wird ein Wohlfühlritual.
2. zwischen Selbstinszenierung und Funktionalität
Als zweiten großen Trend identifizieren die Zukunftsforscher Performative Beauty, Selbstinszenierung auf einem neuen Level. Es geht darum, neue Charaktere zu bauen. Der Körper ist eine Projektionsfläche, die bespielt wird. Dabei lösen sich Make-up, Duft und Pflege immer stärker von klassischen Geschlechterbildern. Als Subtrend davon nennt Lena Papasabbas „Ungendered Beauty“, befeuert durch die LGBTQ-Bewegung und die Popkultur Asiens. „Ein sehr spannender Trend, von dem wir noch mehr sehen werden“, prognostiziert Papasabbas.
Der Gegentrend dazu: Functional Beauty. Entscheidend ist, ob ein Produkt zum Menschen, zur Haut und zum Lebensstil passt. Gleichzeitig achten Verbraucher*innen stärker darauf, was in Kosmetik steckt und was sie tatsächlich bewirkt. Inhaltsstoffe, wissenschaftliche Belege und transparente Versprechen gewinnen an Bedeutung. Beauty-Produkte sollen konkrete Probleme lösen und so im Alltag entlasten. „Skin Minimalism“ sei eine Ausprägung von Functional Beauty, so die Zukunftsforscher.
3. zwischen Mühelosigkeit und Prävention
Effortless Beauty, sprich, Schönheitsideale einfach zu kaufen, ist der dritte große Trend, den Future:Project benennt. Ausprägungen dieses Trends sind schnelle Lösungen – Shortcuts – wie Filler oder Abnehmspritzen. Es werde ausgehebelt, dass man sich anstrengen muss, um ein Schönheitsideal zu erreichen. Wer dünn sein will, muss nicht mehr leiden. Der Gegentrend ist die Preventive Beauty. Menschen möchten nicht erst reagieren, wenn Haut, Haare oder Zähne sichtbar altern, sondern vorsorgen. Schönheitspflege rückt damit näher an Gesundheit heran und wird schon früh mitgedacht. Anti-Aging wird zum Lebensprojekt und beginnt bereits in der Jugend. Beispiel: der Gen C-Trend, sich mit einem extremen Lichtschutzfaktor zu schützen. Das Ziel: Weg vom schnellen Boost, hin zur dauerhaften Prävention, in der gesunder Schlaf, Sonnencreme und individuelle Pflege-Routinen für einen verlangsamten Alterungsprozess sorgen. Als „Spitze des Eisbergs“ in Sachen Preventive Beauty nennt Lena Papasabbas Longevity: ganzheitliche Wahrnehmung von Schönheit innen und außen – personalisierte und regenerative Pflege für das System Mensch.
Schönheitspflege, die zum Leben passt
Was passiert nach der Reibungsphase zwischen Trends und Gegentrends? Für die Zukunft zeichnet die Studie „Transforming Beauty“ ein Bild von Schönheitspflege, die immer genauer zum Leben der Menschen passt, so der IKW. Produkte werden künftig noch stärker auf persönliche Daten, Hautzustand, Stresslevel, Hormone, Schlaf oder Mikrobiom (Gesamtheit aller Mikroorganismen, wie Bakterien, Viren, Pilze und Einzeller, die einen Lebewesen besiedeln) eingehen und passende Lösungen anbieten.
Pflege soll helfen, sich im eigenen Körper wohlzufühlen, den Alltag besser zu bewältigen und mit mehr Selbstvertrauen aufzutreten. Schönheit wird damit weniger ein starres Ideal. Sie wird zu einem Zusammenspiel aus Individualität, Aussehen, Wohlbefinden, Gesundheit, Haltung und Lebensqualität. Die Schönheitspflege der Zukunft frage nicht nur, wie jemand aussieht, sondern was Menschen konkret brauchen, um sich gut, gesund und selbstbestimmt zu fühlen.
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