Ein kleiner Salon – eine große Entscheidung: Iris Scheuermann baut sich in ihrem kleinen Heimatort mit Locken ein neues Fundament auf.
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Zwischen dem nordhessischen Frankenberg und Medebach liegt ihr Ort. 370 Einwohner, ruhig, vertraut. Hier kennt man sich. Und genau deshalb war der Schritt so groß, den Friseurin Iris Scheuermann wagte. Nach 36 Jahren im Beruf stellte sie alles um – in einer Zeit, die für viele Stillstand bedeutete. So wurde Corona für sie kein Bruch, sondern ein Wendepunkt, der Mut verlangte.
Ein gewagter Schritt
Die Entscheidung fiel Iris Scheuermann nicht leicht: Keine Herren, keine Kinder und keine langjährigen Stammkundinnen mehr. Manche Kund*innen nahmen es ihr übel, waren zunächst enttäuscht und machten ihr Vorwürfe. „Ich habe ihnen erklärt: Das ist nichts gegen dich. Das ist für mich.“ Und so entstand ihr Salon „Haarverliebt“ für Lockenkund*innen. Denn der Bedarf ist ganz klar da. „Sich zu spezialisieren bedeutet erst mal auch, bewusst Entscheidungen zu treffen und vielleicht nicht mehr alles für jeden anzubieten. Das kann sich im ersten Moment ungewohnt oder sogar beängstigend anfühlen.“

Aber es hat funktioniert: Kund*innen nehmen über eine Stunde Fahrtweg in Kauf, um in ihren Salon zu kommen. Der kleine Ort Lichtenfels-Münden wurde zum Ziel. „Ich habe gelernt, dass in dem Moment, in dem man sich auf das konzentriert, was man wirklich mit Leidenschaft macht, sich unglaublich viel verändert. Man wird klarer in seiner Positionierung, arbeitet mit mehr Freude, entwickelt Expertise und zieht genau die Kundinnen an, die zu einem passen.“
Locken sind für sie mehr als ein Trend. Sie sind Persönlichkeit. Ausdruck. Und oft auch Herausforderung. Als Lockenkopf kennt die Friseurin die Fragen, die Unsicherheit, die falschen Routinen. „Locken haben andere Bedürfnisse, sie sind oft trockener, empfindlicher und brauchen eine individuelle Pflege statt einer Standardroutine. Viele meiner neuen Gäste haben bereits lockengeeignete Produkte zu Hause, aber nicht unbedingt die, die zu ihrer Haarstruktur passen. Oft wird geschaut, was bei anderen funktioniert oder auf Social Media empfohlen wird, statt auf die eigenen Bedürfnisse, den Alltag und die eigene Locke zu schauen. Genau da entstehen häufig Frust und Unsicherheit.“

Erfolg mit Haltung
Sie hat sich tief eingearbeitet, fortgebildet, international gelernt. Eine Reise nach Dubai brachte neue Impulse, Techniken und Sicherheit. Heute entwickelt sie individuelle Locken- und Farbkonzepte und berät ganzheitlich – mit Blick auf Haar, Kopfhaut, Schnitt, Pflege und Inhaltsstoffe. Einen guten Lockenschnitt erkennt die Expertin daran, dass er nicht nur im Salon schön aussieht, sondern dass die Kundin auch zu Hause gut damit zurechtkommt. „Lockiges Haar funktioniert einfach anders als glattes Haar – jede Locke hat ihre eigene Bewegung und Sprungkraft, manchmal sogar unterschiedliche Muster an einem Kopf.“
Deshalb, so sagt sie, gebe es für sie nicht nur die eine Technik, die immer passt. „Ich muss zunächst das Haar lesen, schaue mir die Struktur an, wie die Locke fällt, wie stark sie sich zusammenzieht, und was die Kundin sich wünscht. Und ganz wichtig: Ich versuche nicht, sie in eine Form zu zwingen, sondern eine Form zu schaffen, die ihre natürliche Struktur unterstützt und im Alltag funktioniert. Ihr Mut wurde belohnt. Ende letzten Jahres erreichte sie den zweiten Platz bei einer Auszeichnung für Lockenfriseure. Für Iris ein Moment, der zeigt: Der Weg stimmt. Ihr Salon ist heute ein Rückzugsort. Eins zu eins, ohne Hektik. Sie hat sich nicht nur fachlich spezialisiert, sondern auch innerlich neu ausgerichtet. Weg vom Funktionieren, hin zum bewussten Arbeiten mit Raum für Gespräche, Wandel und neue Perspektiven.
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