Mehr Zugänge und erstmals seit Jahren weniger Abgänge sorgen für ein deutliches Plus. Dabei zeigen sich Unterschiede zwischen den Gewerken. Das Wachstum konzentriert sich vor allem auf das zulassungsfreie Handwerk, während die Zahl der zulassungspflichtigen Betriebe im Land sinkt. Positive Ausnahme: Friseure. Hier geht es mit 35 zusätzlichen Betrieben erstmals seit drei Jahren wieder aufwärts.
Inhaltsübersicht
- Zulassungsfreies Handwerk: Größtes Plus bei Gebäudereinigern und Kosmetikern
- Rückgang im zulassungspflichtigen Handwerk: Hier ist ein Meisterbrief vonnöten.
- Friseure sind positive Ausnahme: Erstmals wieder Zuwachs seit drei Jahren
- Schwäche der Industrie trifft handwerkliche Zulieferbetriebe
HANDWERK BW zieht Bilanz des ersten Halbjahres 2026:
Zum 30. Juni 2026 waren 145.266 Betriebe bei den baden-württembergischen Handwerkskammern eingetragen. Seit Jahresbeginn ist der Bestand damit um 942 Betriebe oder 0,7 Prozent gewachsen. Ein stärkeres Plus hatte es zuletzt im ersten Halbjahr 2021 gegeben. Mit 8.212 Eintragungen wurde zugleich ein neuer Höchststand erreicht.
Die Zahl der Abgänge sank erstmals seit 2021 auf 7.270, liegt im längerfristigen Vergleich aber weiterhin auf hohem Niveau.

„Das Handwerk zeigt auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten eine bemerkenswerte Stabilität und Gründungsdynamik“, sagt Landeshandwerkspräsident Rainer Reichhold. „Dass mehr Betriebe hinzukommen und zugleich weniger vom Markt verschwinden, ist ein gutes Signal. Die Zahlen zeigen aber auch, dass sich die einzelnen Bereiche sehr unterschiedlich entwickeln.“
Zulassungsfreies Handwerk: Größtes Plus bei Gebäudereinigern und Kosmetikern
Das Wachstum konzentriert sich weiterhin vor allem auf das zulassungsfreie Handwerk. Dort stieg der Betriebsbestand seit Jahresbeginn um 3,5 Prozent. Die größten Zuwächse verzeichneten wie in den Vorjahren die Gebäudereiniger mit 764 zusätzlichen Betrieben und die Kosmetiker mit einem Plus von 443. Dahinter folgen die handwerksähnlichen Bodenleger mit 160 und die Fotografen mit 149 zusätzlichen Betrieben. Auch das handwerksähnliche Gewerbe legte insgesamt um 1,0 Prozent zu. Damit setzt sich der Trend zu kleineren, nicht zulassungspflichtigen Einheiten fort.
Rückgang im zulassungspflichtigen Handwerk: Hier ist ein Meisterbrief vonnöten.
Anders sieht es im zulassungspflichtigen Handwerk aus. Hier waren zum Stichtag 88.476 Betriebe eingetragen, 596 beziehungsweise 0,7 Prozent weniger als zu Jahresbeginn. Der Rückgang fiel geringer aus als im Vorjahreszeitraum. Dennoch komme es vor allem in diesem Bereich darauf an, Betriebsaufgaben zu verhindern und Nachfolgen zu sichern. Denn gerade das zulassungspflichtige Handwerk sei bei Arbeitsplätzen und Ausbildungsengagement führend. Handwerk BW erwartet daher vom Land die Sicherung der Nachfolgeprogramme, so wie im Koalitionsvertrag vereinbart.
Friseure sind positive Ausnahme: Erstmals wieder Zuwachs seit drei Jahren
Die Elektrotechniker legten um 99 Betriebe zu. Bei den Friseuren gab es mit einem Plus von 35 erstmals seit drei Jahren wieder einen Zuwachs. Auch bei den Kraftfahrzeugtechnikern ging es mit 30 zusätzlichen Betrieben erstmals seit 2021 wieder aufwärts.
Schwäche der Industrie trifft handwerkliche Zulieferbetriebe
Auch die Entwicklung bei den Feinwerkmechanikern bleibt angespannt. Ihr Bestand ging um 94 Betriebe zurück. Nachdem sich das Minus bereits im ersten Halbjahr 2025 deutlich verstärkt hatte, nahm es nun nochmals leicht zu. Für Handwerk BW ist dies ein weiteres Indiz dafür, dass die anhaltende Schwäche der Industrie auch handwerkliche Zulieferbetriebe trifft.
„Die insgesamt positive Bilanz darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Druck auf viele Betriebe hoch bleibt“, sagt Reichhold. „Das Handwerk kann ein Stabilitätsanker für Baden-Württemberg sein – dafür muss die Politik Mittelstand und Handwerk aber konsequent im Blick behalten und verlässliche Rahmenbedingungen schaffen.“
Dazu gehöre auch die Fortsetzung von Horizont Handwerk. Mit der Zukunftsinitiative unterstützen Handwerk BW und die Handwerkskammern Betriebe dabei, sich für kommende Herausforderungen aufzustellen.
Hier geht’s zur ausführlichen Betriebsstatistik 1. Halbjahr 2026 von HANDWERK BW.
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