Die Ausbildungszahlen im Bestattungsgewerbe sind auf Rekordniveau. Was macht die Friseurbranche falsch? René Krombholz hat Antworten.
Inhaltsübersicht
„Im nächsten Leben werde ich lieber Totengräber.“ Das war 1998 die Antwort eines Auszubildenden im Friseurhandwerk, als ich gemeinsam mit einer großen Berufsschule in Bayern junge Menschen nach ihrer Zufriedenheit mit der Ausbildungssituation fragte. Die Ergebnisse waren ernüchternd. Trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb, wurden sie damals in einem großen – heute nicht mehr existenten – Fachmagazin veröffentlicht. Der Bericht brachte mir zwar Bekanntheit, aber auch Beschimpfungen und sogar Drohungen ein. Verändert hat er (aus heutiger Sicht) kaum etwas.
Mangelnde Wertschätzung und schlechte Ausbildung waren auch 2022 die zentralen Kritikpunkte einer weiteren Umfrage. Und die Ergebnisse des Berufsbildungsberichtes 2025 bestätigen genau das Gleiche. Wenn 84 Prozent der Befragten ein klares JA zur Berufswahl Friseur*in geben, aber 72 Prozent die Frage nach Wertschätzung im Betrieb mit NEIN beantworten, mag das nicht repräsentativ, aber richtungsweisend sein. Viele Friseur*innen reiben sich heute verwundert die Augen über den Niedergang der Ausbildungszahlen. Schuld ist die Einstellung der Generation Z, Schule, Elternhaus … Ich sage: Nein – es ist nicht nur die Generation Z. Die Ursachen liegen zu einem großen Teil in der Branche selbst.
Neue Generation, neue Regeln
Die Gen Z macht Arbeit zur Werteplattform. Junge Menschen haben heute andere Kriterien bei der Berufswahl als noch vor wenigen Jahren. Eine Umfrage unter rund 800.000 Teilnehmer*innen zeigt das deutlich: „UniNow“ fand heraus, dass zwar das Gehalt mit 39 Prozent weiterhin der wichtigste Faktor bleibt, aber für bereits 25 Prozent der Befragten stand die Sinnhaftigkeit des Berufes an zweiter Stelle.
Es geht darum, welchen positiven Beitrag die eigene Tätigkeit für Kunden, Gesellschaft oder Umwelt leistet. In der Wertegemeinschaft „Der faire Salon“ haben wir das Berufsbild des Friseurs dahingehend überarbeitet. Mit der Friseurinnung Düsseldorf haben wir Leitlinien für die Ausbildung geschaffen. Junge Menschen sind erstaunt, was der Friseurberuf zu bieten hat. Die Generation Z kann nicht nur – sie will! Unternehmen müssen heute glaubwürdig zeigen, wofür sie stehen und wie sich das im Alltag widerspiegelt. Wer das kann, hat im Recruiting klare Vorteile.
„Morgen ist, was du daraus machst!“…
… So lautet das Kölner Karnevalsmotto der kommenden Saison. Und es steckt viel Wahrheit darin. Führung, Kommunikation und wertschätzenden Umgang mit Mitarbeitenden haben wir, meine Generation, in unserer Ausbildung – einschließlich Meisterprüfung – nie gelernt. Dabei ist genau dies das zentrale Kriterium für eine Arbeitsstelle, bei der man sich wohlfühlt und mit der man sich identifiziert. Das Interesse an Veränderung ist in der Friseurbranche jedoch überschaubar. Stattdessen wird gejammert, und die Schuld dafür wird überall gesucht, nur nicht bei sich selbst.
Wie man sich als Branche verändern kann und Nachwuchs findet und bindet, haben die Bestatter vorgemacht. Die Ausbildungszahlen in diesem Gewerbe haben sich in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt, während dem Friseurhandwerk Mitarbeitende weglaufen. Es liegt an uns, das zu ändern und den schönen Beruf des Friseurs wieder erstrebenswert zu machen. Nicht morgen. Heute!

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