Einjährige Berufsfachschule für Friseur*innen: Ein Jahr zum Ankommen in der Ausbildung

21. Juli 2026
zwei junge Frauen an Frisierköpen vor einem Spiegel
Marion Van den Abeele, 17 (r.), hat sich nach einem Schulpraktikum für den Ausbildungsstart über die einjährige Berufsfachschule entschieden, links im Bild: Konstantina Samoli. Foto: Anke Krespach

Mit der einjährigen Berufsfachschule bietet die Gewerbliche Schule Waiblingen jungen Menschen ein Jahr fachliche Vorbereitung in Vollzeit auf die duale Ausbildung im Friseurhandwerk.

Inhaltsübersicht

Die angehenden Friseur*innen starten dabei nicht direkt im Salon, sondern verbringen ihr erstes Ausbildungsjahr überwiegend an der Schule. Theorieunterricht, Praxis im schuleigenen Friseursalon und monatliche Praktika vermitteln die handwerklichen Grundlagen und bereiten Schritt für Schritt auf den Arbeitsalltag im Betrieb vor.

Handwerkliche Grundlagen für eine erfolgreiche Friseurausbildung

Das Modell existiert in Waiblingen seit vielen Jahren parallel zur klassischen dualen Ausbildung. Die Jugendlichen schließen zunächst einen Vorvertrag mit einem Salon ab. Im ersten Ausbildungsjahr der Berufsfachschule legen die Schülerinnen und Schüler das handwerkliche Fundament ihres Berufs. Sie erwerben grundlegende Kompetenzen aus den Lernfeldern der Körperpflege – von Hygiene, Kundenorientierung und Haar- und Hautanalyse bis hin zum sicheren Umgang mit Fachbegriffen und professionellen Arbeitsabläufen.

„Einen besonderen Schwerpunkt bilden die klassischen Techniken des Friseurhandwerks, die in dieser Intensität nur in der Berufsfachschule vermittelt werden können“, erläutert Schulleiter Manuel Ilg. Dazu gehören Einlegetechniken, das Arbeiten mit Volumenwicklern und Papilloten, die traditionelle Wasserwelle sowie erste Grundlagen der dauerhaften Umformung. Ebenso trainieren die Auszubildenden den sicheren Umgang mit Kamm und Schere, das Einteilen und Abteilen des Kopfes, das Kennenlernen der Kopfbereiche sowie grundlegende Schnitt-, Föhn- und Formgebungstechniken. Auch der Umgang mit thermischen Geräten, das Ausarbeiten einfacher Frisuren und die Grundlagen der Material- und Produktkunde gehören dazu. Ergänzt wird dies durch ergonomisches Arbeiten, Beratungssituationen und die Planung professioneller Arbeitsabläufe.

Ziel des ersten Ausbildungsjahres sei es laut Manuel Ilg, ein solides, breit gefächertes Fundament zu schaffen, auf dem die weiteren Ausbildungsjahre fachlich sicher aufbauen können.

Die Lehrkräfte verstehen dieses erste schulische Ausbildungsjahr als Phase des Ankommens und Lernens. Im Vordergrund stehen handwerkliche Grundlagen, fachliches Verständnis und der sichere Umgang mit den Anforderungen des Berufs: „Die Grundlagen müssen sitzen“, sagt Fachlehrerin Sabine Hauber. Anschließend können sie fachlich und menschlich gestärkt ins zweite Lehrjahr im dualen System wechseln und sind für die Betriebe direkt einsatzfähig.

Einblicke in den fachpraktischen Unterricht der Berufsfachschule Waiblingen. Fotos: Anke Krespach

Berufsfachschule erleichtert den Übergang in den Salonalltag

Für die Verantwortlichen in Waiblingen ist die Berufsfachschule mehr als ein zusätzliches Schuljahr. Sie soll jungen Menschen den Übergang von der Schule in den Berufsalltag erleichtern. Nach Beobachtung der Lehrkräfte scheitern viele Nachwuchskräfte genau an diesem Schritt: Sie kommen direkt aus der Schule und müssen sich plötzlich in einem anspruchsvollen Dienstleistungsberuf zurechtfinden. Kundenkontakt, Zeitdruck und Verantwortung gehören von Beginn an dazu.

„Dadurch verlieren wir auch sehr viele Auszubildende in der Branche. Richtig tolle junge Menschen, die aber einfach mit der Situation nicht klarkommen“, sagt Fachbereichsleiterin Körperpflege Makrina Iosifidou.

Die Berufsfachschule biete einen geschützten Rahmen, in dem die Jugendlichen fachliche Sicherheit gewinnen und Schritt für Schritt in den Beruf hineinwachsen können. Fachlehrerin Ines Häsler ergänzt: „Die jungen Menschen kommen von hier ins zweite Lehrjahr in den Salon und bringen die fachliche Basis und ein gewisses Selbstvertrauen bereits mit.“

Praktika verbinden Schule und Ausbildungsbetrieb

Eine wichtige Rolle spielen dabei die regelmäßigen Praktikumsphasen. Einmal im Monat wechseln die jungen Menschen aus dem schulischen Umfeld in die Betriebe und erleben dort den Arbeitsalltag hautnah. Sie lernen Abläufe kennen, sammeln erste Erfahrungen im Umgang mit Kundinnen und Kunden und können das in der Schule Gelernte unmittelbar anwenden. Gleichzeitig erhalten die Betriebe frühzeitig Einblick in die Entwicklung ihrer künftigen Auszubildenden.

Die Schule versteht sich ausdrücklich nicht als Alternative zu den Ausbildungsbetrieben. „Wir sehen die Betriebe als Partner“, betont Schulleiter Manuel Ilg. Entsprechend eng tausche sich die Schule mit den Betrieben über Leistungen, Fehlzeiten und Fortschritte der Auszubildenden aus.

Vorteile der Berufsfachschule für Friseursalons

Aus Sicht der Schule zahlt sich dieser Ansatz auch für die Betriebe aus. Die Lehrkräfte beobachten, dass viele Absolvent*innen mit größerem Selbstvertrauen in die Salons wechseln und dort schneller Verantwortung übernehmen können.

Gerade für kleinere Betriebe kann das Modell Vorteile haben, wie Schulleiter Manuel Ilg ausführt: „Sie verfügen nicht immer über die personellen Ressourcen, Berufsanfänger intensiv anzuleiten.“

Auszubildende schätzen die intensive Vorbereitung

Auch die Schülerinnen und Schüler bewerten das Konzept positiv. „Wir lernen hier sehr viele Sachen und alle Grundlagen. Das ist sehr praktisch für nächstes Jahr, wenn wir im Betrieb sind“, sagt die 17-jährige Marion van den Abeele. Gleichzeitig profitierten die Jugendlichen vom Lernen in der Gruppe: „Wir helfen uns gegenseitig.“

Berufsfachschule als Beitrag gegen den Fachkräftemangel im Friseurhandwerk

Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels im Friseurhandwerk sehen die Verantwortlichen in Waiblingen das Modell der einjährigen Berufsfachschule als wichtigen Beitrag zur Nachwuchssicherung. Ziel sei es nicht, die klassische duale Ausbildung zu ersetzen, sondern sie zu stärken. Wenn es gelinge, junge Menschen besser auf den Berufsalltag vorzubereiten und Ausbildungsabbrüche zu vermeiden, profitierten davon letztlich alle Beteiligten – die Auszubildenden ebenso wie die Betriebe und die Branche insgesamt.

Einjährige Berufsfachschule für Friseur*innen: Ein Jahr zum Ankommen in der Ausbildung - TOP HAIR International - Das führende Friseurmagazin