Gesundheit

Hygiene beim Barbier

Wie steht es um das Thema Desinfektion in Deutschlands Barbershops und Friseursalons? An welche Hygienevorschriften muss sich ein Barbier halten?

Foto: Josh Sorenson/Pexels

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Warum ist die Einhaltung der Hygiene­vorschriften beim Barbier so wichtig?

Im Bereich der Haar- und Bartpflege arbeitet man genauso wie z. B. in der Kosmetik, beim Piercen oder Tätowieren ganz nah am Kunden mit viel Körperkontakt. Insbesondere beim Rasieren kann man schon über kleine Hautverletzungen in Kontakt mit Blut kommen. Dadurch besteht ein Ansteckungsrisiko mit Krankheitserregern. Dies ist besonders bei der hoch ansteckenden Bartflechte, einer Pilzerkrankung im Bereich des Bartes, zu beachten. Kunden mit dieser Erkrankung dürfen nicht behandelt werden. Daher sind unbedingt die Bestimmungen der Hygieneverordnung und des Infektionsschutzgesetzes zu beachten.

An welche Hygienevorschriften hat sich ein Barbier zu halten?

In einem Barber-Shop muss genauso wie in einem klassischen Friseursalon die Hygiene­verordnung zur Verhütung übertragbarer Krankheiten eingehalten werden. Diese Verordnung besagt zum Beispiel, dass „mehrfach verwendete Geräte für Tätigkeiten, bei denen es leicht zu Verletzungen kommen kann, insbesondere Manikür- und Pedikürgeräte sowie Rasiermesser, nach jeder Anwendung zu desinfizieren und zu reinigen sind. Nach unbeabsichtigten Verletzungen ist eine Wunddesinfektion mit einem zugelassenen Wunddesinfektionsmittel durchzuführen.“

Die Hygieneverordnung ist Ländersache, d.h. jedes Bundesland erlässt eine Landeshygieneverordnung. Diese wird von den zuständigen Gesundheitsämtern sowie der Gewerbeaufsicht kontrolliert. Entdecken sie Verstöße, können sie empfindliche Bußgelder verhängen.

Blick in den Herrensalon

Gesundheitsschutz hat für Pascal Jahn, Frankenberger Barber Club Aachen, oberste Priorität. „Das ist eins der wichtigsten Dinge überhaupt in unserem Barbershop. Es spielt keine Rolle, ob wir über einen Barbershop oder einen klassischen Friseursalon sprechen. Es geht um die Sicherheit des Kunden und natürlich auch um die der Mitarbeiter. Das Risiko ist vielen in der Branche nicht bewusst. Bei uns gehört das regelmäßige Desinfizieren aller Tools nach jedem Kunden zum Grundsatz“, so Pascal Jahn. „Aber auch die Arbeitsplätze werden immer sofort wieder gründlich gereinigt.“ Natürlich spürt auch der Kunde den Unterschied. „Manchmal fragen uns die Kunden, was wir da genau machen, wenn sie sehen, wie wir unsere Werkzeuge desinfizieren. So passiert auch viel auf der Kommunikationsebene und es gibt dem Kunden zusätzlich ein sicheres Gefühl. Als Kunde fühlst du dich doch auch viel wohler in einem gepflegten Friseursalon oder Barbershop. Das ist auf jeden Fall auch ein Qualitätsmerkmal“, erklärt Pascal Jahn.

To Dos

HIV, Hepatitis B und C sowie Pilzinfektionen und Parasiten - aufgrund des engen Kontakts zwischen Kunden und Salonteam sind Hygienemaßnahmen ein Muss!

  • Beispiel Kamm: Wer effizient vorgehen möchte, legt sich am besten gleich mehrere Haarschneidekämme zu, so dass er für jeden Kunden einen frischen Kamm griffbereit hat. Zusammen können diese allabendlich desinfiziert werden und sind so wieder für den nächsten Tag einsatzbereit.
  • Benutzte Scheren und andere verunreinigte Tools sollten neben Bürsten, Lockenwicklern und Co. immer gründlich gereinigt und desinfiziert werden.
  • Besonders viel Hautkontakt entsteht bei den Blades der Haarschneidemaschinen. Daher müssen auch diese nach jedem Kunden gründlich gereinigt und vor allem desinfiziert werden.

Rasur-Hygiene

Die Grundbegriffe zu Infektionsrisiken und Hygiene

  • Antiseptikum wird bei Verletzungen äußerlich (auf der Körper­oberfläche) angewandt, um Mikroorganismen abzutöten, zu inaktivieren, zu entfernen oder deren Wachstum zu hemmen.
  • Bakterien sind Mikroorganismen, die z. B. Entzündungen hervorrufen.
  • Desinfektion: Hierbei werden Viren, Pilze oder Bakterien abgetötet oder inaktiviert, sodass sie keine Infektionskrankheiten mehr verursachen können. Das Rasiermesser z. B. ist dadurch keimarm.
  • Desinfektionsmethoden: Es gibt physikalische (z. B. UV-Licht, Auskochen in kochendem Wasser) und chemische Desinfektionsmethoden (z. B. Alkohol und Wasserstoffperoxid). Die desinfizierende Wirkung ist von der richtigen Konzentration, der Einwirkzeit und der Wahl der Anwendungsmethode abhängig.
  • Hygiene ist die Lehre von der Förderung und Erhaltung der ­Gesundheit durch Ausschalten gesundheitsschädlicher Umwelteinflüsse.
  • Infektion: Ansteckung mit einem Krankheitserreger durch das Eindringen dieser Mikroorganismen in den Körper.
  • Kontamination bedeutet, dass auf der Oberfläche von Gegenständen (z. B. Rasiermessern) oder auf Händen Krankheitserreger haften und dadurch weiterverbreitet werden können.
  • Mikroorganismen sind Krankheitserreger wie Bakterien, Viren oder Pilze.
  • Pilze sind Fadengeflechte, die Pilzerkrankungen der Haut und Nägel hervorrufen, wie z. B. die Bartflechte.
  • Sterilisation: Im Gegensatz zur Desinfektion werden bei der Sterilisation alle vorhandenen Mikroorganismen einschließlich ihrer Sporen abgetötet. Das Rasiermesser z. B. ist dadurch keimfrei.
  • Viren sind Erreger, die z. B. Hepatits, HIV oder Herpes auslösen.

Text: Evelyn Pruin, Sabine Schwamborn, Barbicide