Der kleine Kosten-Check

Wissen Sie, wie viele Kosten Sie sich leisten können? Unternehmensberater Peter Hofmann kennt die Antwort.

Seit 1988 Unternehmensberater, Coach, Autor und Branchenkenner. 2002 Mitbegründer der Fröhlich & Friends Consulting AG. >< Foto: Petra Schaupner

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Warum haben Sie den Friseurberuf ergriffen? Um sich mit Buchhaltung zu quälen? Wohl kaum! Dennoch empfehle ich Saloninhabern, ihre Erträge und Kosten stets im Blick zu behalten. In dem folgenden kleinen Kosten-Check sehen Sie, welchen Anteil Ihre Kosten am Umsatzerlös, also Ihrem Nettoumsatz, maximal haben sollten. Die Referenzwerte stammen aus unserer langjährigen Erfahrung in der Friseurbranche.

Los geht’s

Um den kleinen Kosten-Check mitzumachen, holen Sie sich am besten Ihre betriebswirtschaftliche Auswertung (BWA) von 2017. Sollte diese keine Prozentwerte ausweisen, können Sie diese leicht mit der folgenden Formel ausrechnen: jährliche Kosten ÷ jährliche Umsatzerlöse x 100 = X Prozent. Hier ein Beispiel: 10.000 Euro Kfz-Kosten ÷ 200.000 Euro Umsatz x 100 = 5 Prozent.

Personalkosten

Die Personalkosten sind der größte Block jeder BWA. Daher sollten Sie ein besonderes Augenmerk darauf richten. Unsere Empfehlungen für Einzelunternehmen sind:

  • mit bis zu 4 Mitarbeitern: 36 Prozent
  • mit bis zu 10 Mitarbeitern: 39 Prozent
  • mit bis zu 15 Mitarbeitern: 43 Prozent

Einzelunternehmen haben übrigens generell einen geringeren Personalkostenanteil als Kapitalgesellschaften, da der Chef in der Regel mitarbeitet und keinen Lohn bezieht. Aber auch bei Kapitalgesellschaften sollten die Lohnkosten, unabhängig von der Mitarbeiterzahl, bei maximal rund 46 Prozent liegen.

Mein Tipp: Aufgrund des zunehmenden Personalmangels werden die Personalkosten in den nächsten Jahren weiter ansteigen. Bedenken Sie dies bei Ihrer Perspektivplanung.

Materialkosten

Bei der Erfassung der Materialkosten sollten Sie grundsätzlich nach Kabinettware und Verkaufsware unterscheiden. Das ist deshalb so wichtig, weil das Finanzamt bei Werten, die über 16 Prozent liegen, schnell Ungereimtheiten vermutet. Der Referenzwert bei Kabinettware, also zum Beispiel einer Tönung, die Sie direkt beim Kunden anwenden, liegt deutlich unter dem Wert von dem „normaler“ Verkaufsware, hier die Zahlen:

  • Kabinettware: 8 Prozent
  • Verkaufsware: zwischen 50 und 70 Prozent

Weisen Sie neben Kabinett- und Verkaufsware auch unbedingt Haarersatz oder auch Haarverlängerung bei der Kostenaufstellung getrennt aus, da diese Dinge oft einen Kostenanteil von weit über 50 Prozent haben.

Mein Tipp: Ihr Materialeinsatz kann sich auch schnell durch Trainingseinsätze, Reklamationen oder verdorbene Waren erhöhen. Führen Sie deshalb unbedingt eine „Material-Mehraufwandsliste“. Spätestens bei der nächsten Steuerprüfung können Sie so belegen, dass bei Ihnen tatsächlich mehr Materialkosten angefallen sind.

Raumkosten

Die Raumkosten sind je nach Lage, Miete, Pacht oder Eigentum sehr unterschiedlich. Insbesondere die Lage ist ein wichtiger Faktor. Je besser sie ist, desto mehr Menschen kommen regelmäßig mit dem Salon in Kontakt. Das lassen sich die Vermieter natürlich bezahlen. Jeder muss selbst entscheiden, ob er das Zentrum oder die Alternative sucht. Heute ist es aber nicht nur wichtig, wo die Kunden sind. Es ist ebenso wichtig, wo die Mitarbeiter sind, dass bezahlbarer Wohnraum zur Verfügung steht, die Infrastruktur und das Umfeld stimmen. Folgende Zahlen empfehle ich bei Mietobjekten als Richtwert:

  • Durchschnittliche Lage: 10 Prozent
  • Stadtrandlage (Großstadt): 12 Prozent
  • Zentrum (Großstadt): 14 Prozent
  • 1A-Centerlage: ab 20 Prozent

Mein Tipp: Prüfen Sie, ob Ihre Raumnebenkosten zum Beispiel durch Doppelverglasung, LED-Beleuchtung, Wechsel des Strom- und/ oder Gasanbieters reduziert werden können. Und bei Leerstand oder einem zu großen Salon kann eine Untervermietung sinnvoll sein.

Versicherungen/Beiträge

Die Kosten hierfür sollten nicht über 1,5 Prozent vom Nettoumsatz liegen. Falls doch: Nicht alles, was versichert werden kann, muss auch versichert sein. Überprüfen Sie jährlich Ihre Sachversicherungen. Oft bergen gerade Kfz-Versicherungen große Einsparpotenziale.

Werbe-/Reisekosten

Zielgerichtete Werbung kann entscheidend für den Geschäftserfolg sein. Bei den Werbekosten dürfen es deswegen schon bis zu 3 Prozent vom Nettoumsatz sein. Die Höhe der Reisekosten ist da schwerer festzulegen, da diese je nach Reisetätigkeit sehr unterschiedlich ausfallen. Zusammen mit den Werbekosten sollte der Referenzwert hier 6 Prozent nicht überschreiten. Ausnahmen sind z. B. umfangreiche Eröffnungs- oder Jubiläumsaktivitäten.

Abschreibungen

In Ihrer BWA werden auch die Abschreibungen als Kosten ausgewiesen. Dieser Wert variiert von Salon zu Salon, da er von Investitionen und sonstigen Notwendigkeiten, wie z. B. Umbaumaßnahmen, abhängig ist. Besprechen Sie Laufzeit und Höhe der Abschreibungen gut mit Ihrem Steuerberater. Einen verbindlichen Referenzwert gibt es hier leider nicht.

Reparatur- und Instandhaltungskosten

Im Laufe der Jahre fallen immer mehr Kosten für die Renovierung und Erhaltung an – „es nagt der Zahn der Zeit“. In einem schönen Salon arbeitet es sich nicht nur angenehmer, sie reduzieren mit den Renovierungskosten auch Ihren Gewinn – und zahlen damit weniger Steuern. Wenn Ihr Wert hier relevant über 1,5 Prozent liegt, kann es an so einer Renovierung liegen.

Mein Tipp: Stimmen Sie den Zeitpunkt solcher Maßnahmen mit Ihrem Steuerberater ab. Er kann Ihre Gewinnsituation einschätzen und Ihnen somit den optimalen Zeitpunkt für Investitionen vorschlagen.

Sonstige Kosten

Alles, was der Steuerberater zuvor nicht verbuchen konnte, findet hier seinen Platz. Daher variiert der Wert natürlich stark. Ich empfehle hier einen Wert von 5 bis 7 Prozent.

Neutraler Aufwand

Hier werden z. B. die Zinsen für gewerbliche Darlehen verbucht. 1,5 Prozent sollte der Wert nicht überschreiten. Wenn doch, dann sollten Sie prüfen, ob eine Umfinanzierung niedrigere Zinsen bringt.

Auf einen Blick

  • Personalkosten: 36 bis 46 Prozent
  • Materialkosten: hängt sehr stark vom Material ab
  • Raumkosten mittlere Lage: 10 bis 13 Prozent
  • Versicherungen/Beiträge: max. 1,5 Prozent
  • Werbe-/Reisekosten: max. 6 Prozent
  • Reparatur- und Instandhaltungen: 0,5 bis 1,5 Prozent
  • Sonstige Kosten: 5 bis 7 Prozent
  • Neutraler Aufwand: max. 1,5 Prozent