Blondinen bevorzugt

Blond oder lieber brünett?

Promi-Colorist Denis de Souza lebt und liebt den kalifornischen Lifestyle. Hollywood-Stars wie Ashlee Simpson und Nicole zählen Richie zu seinen Kundinnen. Sprechen wir also über Blond.

Denis de Souza betreibt mit seinen Partnern in L.A. den „Mare Salon“ >< Foto: Joico

Für Joico coloriert der Brasilianer Denis de Souza die Brand Models. So auch dieses >< Foto: Joico

TOP HAIR-Redakteurin Aletta Helsper traf Denis de Souza zum Interview >< Foto: TOP HAIR

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TOP HAIR: Stimmt es, dass alle Frauen in Kalifornien blonde Haare haben wollen?
Denis de Souza: Nicht unbedingt blond, aber auf jeden Fall heller.

TOP HAIR: Wirklich?
Denis de Souza: Ja, es sind die Brünetten. Sie haben helleres Haar, zählen aber nicht als Blondinen.

TOP HAIR: Gibt es in Kalifornien wirklich eine höhere Nachfrage nach Blond als woanders?
Denis de Souza: Ja, bestimmt.

TOP HAIR: Wie kommt das?
Denis de Souza: Es passt zum Lifestyle. Es ist der Strand, jeder ist gebräunt. Es  passt zur Haut, es macht die Haut gleichzeitig weicher. Dunkle Farben betonen manchmal die Linien und Falten. Wenn du helleres Haar hast, werden sie weicher. Jeder in L.A. will so schön wie möglich sein. Deshalb investieren sie viel Geld und Zeit, um schön auszusehen, mit Yoga, mit Pilates, mit Haaren, Maniküre. Sie gönnen sich etwas. Durch das hellere Haar sehen sie weicher aus. 

TOP HAIR: Blond ist deine Spezialität, richtig?
Denis de Souza: Eigentlich nennen sie mich den Brünett-Meister. 

TOP HAIR: Warum?
Denis de Souza: Brünett ist am schwersten umzusetzen. Blond ist viel einfacher. 

TOP HAIR: Echt? Normalerweise gilt doch Blond als die Königsdiziplin. 
Denis de Souza: Oh mein Gott, der Meinung bin ich überhaupt nicht! Brünett ist so schwierig, richtig zu machen. Meistens sieht man Messing, Orange, überholte Highlights. Da ich Brünett beherrsche, glaube ich, dass ich alle Farben gut kann. Aber die Magazine müssen jemanden wählen, der der Spezialist für eine Farbe ist, und „Allure“ hat mich in einem Jahr zum Brünett-Typ erkoren.

TOP HAIR: Interessant.
Denis de Souza: Es ist doch besser, etwas zu sein, als nichts zu sein, oder? (lacht) Aber ich liebe meine Blondinen und ich denke, ich blondiere wirklich gut. 

TOP HAIR: Was liegt denn deiner Meinung nach im Trend?
Denis de Souza: In letzter Zeit Platin …

TOP HAIR: … damit wären wir wieder bei Blond.
Denis de Souza: Ja. Das ist eine große Sache, und die Leute wollen zeitlose, klassische, sehr subtile Highlights, sogenannte Babylights. 

TOP HAIR: Worauf muss man bei diesen Techniken achten? 
Denis de Souza: Bei Blond muss man natürlich in vielfacher Hinsicht vorsichtig sein, weil du das Haar schädigen kannst. Du musst sicher sein, dass das Haar die Blondierung verträgt, du musst die Textur verstehen und die Porosität des Haares, um sagen zu können, dass du es machen kannst. Manche sagen: „Ja, ich kann dir das machen.“ Und dann bricht das Haar ab und die Kunden verlassen entsetzt  den Salon.
Du musst ehrlich sein und unverblümt sagen „Ich denke nicht, dass dein Haar es vertragen wird. Lass uns etwas anderes machen, dich auf den Weg bringen, dein Haar wieder gesund zu machen. Drei, vier, fünf Monate später ziehen wir es dann in Betracht, wenn deine Haare nachgewachsen sind.“ Coloristen müssen sehr, sehr ehrlich zu den Kunden sein. Diese verlassen den Salon zwar ein bisschen enttäuscht, weil sie nicht das bekommen haben, was sie wollten, aber wenigstens wissend, dass man sich um sie gekümmert hat.

TOP HAIR: Wo liegt das größte Manko beim Blondieren?
Denis de Souza: Hm, ich sehe öfter ausgeblutete Farben. Die Blondierung dehnt sich in der Folie aus und läuft aus, und dann hast du diese schrecklichen, fleckigen Stellen mitten im Haar.

TOP HAIR: Wie vermeidet man das?
Denis de Souza: Ich sichere meine Folie mit einer Extrafolie. Ich wickele eine Stützfolie drumherum. Für meine Kunden lege ich mich ins Zeug, denn sie bezahlen viel Geld. Auch bei Balayage sehe ich viele Fehler. 

TOP HAIR: Nehmen wir an, jemand ist gut in Blond und Brünett, aber die Leute wissen es noch nicht. Wie baut man sich einen Ruf auf?
Denis de Souza: Nutze Instagram, Social Media als dein Portfolio. Ich habe immer noch so viele Kunden, die meine Instagram-Bilder irgendwo gesehen haben. Es ist gut für jeden. Deshalb sind die sozialen Medien so toll, weil sie manche dieser Kids groß gemacht haben, die noch nicht so lange arbeiten, aber tollen Status haben. Sie promoten sich selbst, posten zwei, drei Fotos am Tag. Du musst dich reinknieen. Leute folgen uns und sagen: „Oh mein Gott, ich will eines Tages so wie du sein.“ Arbeite zwölf Jahre wirklich hart, dann kannst du da sein, wo ich bin. So etwas geht nicht über Nacht. 

TOP HAIR: Wie viel Zeit, Geld und Material musst du realistischer Weise investieren?
Denis de Souza: Das hängt davon ab. Ich bin eine sehr visuelle Person, liebe gute Dinge im Leben, bin ein sehr ästhetischer Typ Mensch, und so sind auch meine Partner. Wir haben Unsummen an Geld ausgegeben, um unseren Salon zu schaffen. Wir möchten, dass dieser Raum der schönste, intimste, herzlichste Salon in L.A. ist. Wir haben das geschafft. Aber so etwas gibt es definitiv nicht umsonst.
Ich habe jetzt von mir gesprochen. Andere Leute könnten es mit einem Bruchteil dessen schaffen, was wir ausgegeben haben und genauso erfolgreich sein. Letztendlich musst du in gute Leute investieren, die bei dir arbeiten. Du kannst den tollsten, schönsten beeindruckendsten Salon haben, aber wenn die Leute, mit denen du arbeitest, Diven sind, arrogant, problematisch, kann das dein komplettes Geschäft ruinieren. 

TOP HAIR: Wer ist dein blonder Lieblingsstar?
Denis de Souza: Hm, ich habe ein paar. Ashlee Simpson sieht toll aus – ich mache ihre Farbe. (lacht) Sie ist edgy, ihr Haar sieht fantastisch aus, sie trägt keine Extensions. Es sind alles ihre Haare. Und dann mag ich noch Brie Larson, die eher ein subtiles Honigblond trägt. Sie sieht auch toll aus, finde ich.

Wer ist Denis de Souza?

Denis de Souza betreibt mit seinen Partnern in L.A. den „Mare Salon“ (www.maresalon.com). Der gebürtige Brasilianer hat sich einen Namen als Colorist gemacht und zählt Hollywood-Stars wie Mila Kunis, Ashlee Simpson und Nicole Richie zu seinen Kundinnen. Für Joico coloriert er unter anderem die Brand Models und unterrichtet Friseure.