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In Bewegung bleiben

- Physiotherapeutin Julia Dördelmann rät zu ergonomisch konzipiertem Werkzeug im Salon. Foto: IFK e.V., Bundesverband Selbstständiger Physiotherapeuten
Julia Dördelmann weiß, wie man als Friseur Belastungen minimiert und Schmerzen und Schädigungen verhindert. Für ihren Abschluss als Bachelor of Science im Studiengang Physiotherapie hat sie sich besonders intensiv mit dem Verhalten von Friseuren befasst und den Verhältnissen, in denen sie arbeiten.
Bei der Ausübung ihres Berufs haben Friseure zahllose Möglichkeiten, sich die Arbeit und das Leben unnötig schwer zu machen. Groß ist die Gefahr, im Alltagsstress die eigene Gesundheit aus den Augen zu verlieren und extreme Belastungen zur Gewohnheit werden zu lassen. Durchgestreckte Knie, hochgewinkelte Arme, ein abgeknicktes Becken – das ist, tut man es einmal, kein Problem. Aber auf Dauer, über die Jahre, viele Berufsjahre lang, führt die falsche Haltung unweigerlich zu Problemen: Rückenschmerzen, Verspannungen, Kopfschmerzen, chronische Entzündungen und vieles mehr gehören zu den gesundheitlichen Problemen, die eng mit diesem Beruf verknüpft sind.
Spätestens dann, wenn sie auftreten, ist das Können der Physiotherapeuten gefragt. Julia Dördelmann, die unlängst ihre Ausbildung in diesem Fach mit dem Bachelor of Science abgeschlossen hat, hält aber viel mehr von Prävention, von der Vermeidung von Belastungen und Überbeanspruchungen, um langfristig Schäden und Abnutzungserscheinungen vorzubeugen. „Ich schaue mir das Verhalten und die Verhältnisse in den Salons an und stelle fest, dass es oft sehr leicht wäre, die Arbeitsbedingungen deutlich zu verbessern“, erläutert sie: Wenn nämlich beispielsweise die Einstellmöglichkeiten, die das oft hochpreisige Mobiliar bietet, auch ausgenutzt werden, wenn also die Bedienstühle und die Schneidehocker optimal an die Körpergröße angepasst werden. Selbstverständlich, sollte man meinen, doch Julia Dördelmann hat anderes beobachtet.
Gelenke entlasten
Ihre Betrachtungen beginnen bei den Füßen, wenn sie beurteilen will, wie ein Friseur sich hält und verhält. „Wir gucken von unten nach oben. Wie stehen die Füße? Wie stellen sich Knie- und Hüftgelenke darauf ein? Wie werden Alltagsbewegungen ausgeführt?“, erläutert die Fachfrau, die dazu derzeit beim Bundesverband selbstständiger Physiotherapeuten IFK e. V. die Mitglieder berät und selbstständige Physiotherapeuten in der betrieblichen Gesundheitsförderung fortbildet. Generell, so hat sie festgestellt, sind Friseure von den Bein-Achsen her eher passiv und starr, stehen am Stuhl mit überstreckten Knien – und belasten so die Gelenke über Gebühr. Julia Dördelmann: „Besser wär’s, in Bewegung zu bleiben, mal einen Schritt zu machen, um die Beine durchlässig zu halten.“ Dann tragen nicht Knorpel, Bänder und Knochen die Belastung, sondern die Muskulatur – und eben das ist ihre Aufgabe. So bietet eine stabile Ausgangsstellung die beste Voraussetzung für eine freie Beweglichkeit der Schulter-Armgelenke und die Entlastung des Rückens.
So individuell die Haltung beim Schneiden sein mag – verbreitet sind hochgereckte Arme, Hände vor dem Körper. Und das ist sehr anstrengend für den Rücken, insbesondere für die Schulter- und Nackenmuskulatur. „Sehr schmerzhaft können hier die Verspannungen sein“, so Julia Dördelmann. „Zudem sind verspannte Muskeln schlechter durchblutet. Das alles kann dazu führen, dass man schneller ermüdet und unter Spannungskopfschmerzen leidet.“
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