"Kein Problem"

Unterwegs mit dem Außendienst von Hair Haus
Hereinspaziert! Norbert Schönauer ist bei Marion Oltmanns ein gern gesehener Besuch. Foto: Yvonne Rühle

 

TOP HAIR on Tour: Beobachtungen vom Beifahrersitz: Ein Tag mit einem Verkaufsberater von Hair Haus  

 

Bayreuth, 7.20 Uhr. Noch sind wenige Menschen unterwegs. Norbert Schönauer, Verkaufsberater bei Hair Haus, gehört dazu. Eigentlich wäre er schon auf dem Weg zum ersten Kunden, doch „die TOP HAIR noch früher aus dem Bett zu werfen“, hat er nicht übers Herz gebracht.

Sympathische Erscheinung

Schönauer betreut die Postleitzahlen-Gebiete 95 und 96 und fährt viel Landstraße – an diesem Tag nach Neustadt bei Coburg. Erster Stopp: der familiengeführte Salon von Günter Düsel. Eine feine Adresse und ein Laden, der immer brummt. Zeit für den Berater findet der Chef dennoch.
Düsel schätzt an der Betreuung durch Schönauer, dass „er sich kümmert, er ist entgegenkommend – und das nicht nur mit dem Preis“. Doch: „Das Ganze ist vor allem eine Sympathie-Sache. Sind wir ehrlich, das meiste Zeugs gibt es doch überall.“ Schönauer geht an diesem Tag nur mit einem kleinen Auftrag aus dem Salon. Denn Düsel bezieht Pflege, Farbe und Styling weiter direkt von seinem Industriepartner.
Wie hier, kommt Schönauer in manchem Salon nur ins Spiel, wenn es um Arbeitsgeräte und Zubehör geht. Aber auch dort hat er Konkurrenz: Fünf weitere Großhändler sind in seinem Gebiet vertreten. Um sich da einen Kundenstamm aufzubauen, braucht es Ausdauer und gute Angebote.

Mit Ehrlichkeit geht’s voran

Zurück im Auto. Es ist noch nicht 9 Uhr und das Handy zeigt bereits zwei Anrufe in Abwesenheit an. Ein Kunde soll eine falsche Haarfarbe bekommen haben, doch Schönauer ist sich sicher: 774? Die gibt es nicht! „Ich kläre das ab, kein Problem!“, verspricht er und wählt die Nummer der Hair-Haus-Zentrale in Viersen. Nach kurzer Recherche steht fest: 774 gibt es wirklich nicht. Schnell der Kundin Bescheid geben: „Norbert hier. Die 774 gibt es nicht. Darf ich dir eine andere bestellen?“
Anfangs tat er sich schwer, gibt er zu: „Ich dachte mir, die merken sofort, dass ich keine Ahnung habe.“ Denn Schönauer ist weder gelernter Friseur, noch hat er zuvor in der Haarkosmetikindustrie gearbeitet. Als er vor knapp drei Jahren bei Hair Haus begann, beherzigte er den Tipp eines Kollegen: „Sei ehrlich, und wenn du etwas nicht weißt, dann sage das auch.“ Daran hat er sich gehalten und hat heute viele Artikelnummern im Kopf, kann sie den einzelnen Marken und Produkten zuordnen.
Einen anderen Beruf kann er sich längst nicht mehr vorstellen. Er schwärmt für seinen Job und die Kunden, denen er nicht nur für ihr handwerkliches Können Respekt zollt: „Ich bin bei einem Friseur noch nie unfreundlich empfangen worden.“

Nicht anders ist das im Salon von Tanja Müller, „Das Haarsternchen“ in Neustadt. Eine herzliche Begrüßung, ein paar Neckereien, dann nimmt der Hair-Haus-Mann die Aufträge der Friseurmeisterin entgegen. Eine Aktion aus dem Flyer des Vormonats hat’s der Friseurin angetan. „Kein Problem, kannst du diesen Monat auch noch bekommen.“ Mit einer Bestellung für jede Menge Farbtuben verlässt Schönauer nach 20 Minuten den Salon. „Der Schönauer schon wieder, ich gebe dir gerade mal einen Auftrag durch.“ Artikel für Artikel buchstabiert er die Wünsche in die Zentrale nach Viersen. „Das geht heute noch raus und ist morgen beim Kunden“, sagt Schönauer. Nur wenige Minuten auf Strecke und schon der Anruf: „Wir haben gestern bei unserer Bestellung etwas vergessen.“ Artikelnummer notieren, flugs die Bestellung nach Viersen weiterleiten und weiter geht’s.

Nächste Station: der Salon CreHaarTiv von Nathalie Bohl. Für Norbert Schönauer eine dieser Erfolgsgeschichten, die seinen Job für ihn so reizvoll machen: Vor zwei Jahren hat sich die junge Frau selbstständig gemacht, heute läuft ihr Salon so gut, dass sie zwei Friseurinnen beschäftigt. Bei Schönauer bestellt sie hauptsächlich Klammern, Strähnchenfolie, Handschuhe und heute den Vergrößerungsspiegel: „Für mich“, sagt sie und lacht. Kaum im Auto, gibt Schönauer die Bestellung durch – schließlich soll die Ware morgen dort sein. Und das wird sie: „Ja, geht heute noch raus“, versichert Viersen.

Lange Puste gefragt

800 bis 1.400 Kilometer im Monat fährt Schönauer durch die Lande, im Umkreis von 150 Kilometern um Bayreuth. Am Tag kommt er auf bis zu 15 Salonbesuche. Viele wissen, was sie wollen und der Besuch geht ratzfatz. Bei anderen dauert es länger, weil sie auch mal ihr Herz ausschütten, wenn es gerade nicht so rund läuft. Und dann gibt es da noch die potenziellen Kunden, bei denen Durchhaltevermögen gefragt ist.

Bei Marion Oltmanns mit ihrem Friseursalon Dremel hat Schönauer diese Ausdauer bewiesen: Viele Monate ist er in den kleinen Ort Rödental gereist und wurde weggeschickt. Bis er ihr ein unschlagbares Angebot machen konnte. Auch an diesem Tag legt er sich dort ordentlich ins Zeug: Marion Oltmanns möchte ein bestimmtes Shampoo in Reisegröße. Im Katalog ist es nicht aufgeführt. „Möglich, dass wir das erst mit einer Verzögerung bekommen“, mutmaßt Schönauer. „Der Berater der Konkurrenz hat das aber schon“, insistiert Oltmanns. Ein Telefonat mit Viersen, zwei Gesprächspartner und ein Rückruf später steht fest:  „Kein Problem!“ Auch Schönauer kann das Produkt besorgen, obwohl es nicht gelistet ist.

Nachbestellungen

Wieder klingelt das Telefon: „Norbert, wir haben noch etwas vergessen“, meldet sich die Dame von vorhin. Für den freundlichen Verkaufsberater gilt auch hier: „Kein Problem! Das passiert häufig, da hat man gerade einen Auftrag durchgegeben und dann fällt jemandem noch ein, dass er etwas vergessen hat.“ Schnell nach Viersen telefoniert. Ja, das geht noch in das Paket.

Mal sind es Beträge von 60 Euro, dann wieder ein paar Hundert Euro und es gibt auch Tage, da verkaufte er Waren im vierstelligen Bereich, berichtet Schönauer. Dass es einerseits mal für ihn so glattläuft und es andererseits ganz normal ist, wenn er einen Salon ohne Abschlüsse verlässt, daran musste er sich erst gewöhnen. Auch hier half der Rat eines Kollegen: „Du musst den Leuten ca. zwei Jahre Zeit lassen, sich an dich zu gewöhnen.“ Heute wird er, wohin er auch kommt, mit großem Hallo empfangen.

Die Sache mit den Knöllchen

Kurz vor 11 Uhr ergibt sich die erste Gelegenheit für eine Brotzeit. Ein „Leberkäsweckla“ beim Metzger, eine Zigarette und dann zurück ins Auto. Doch halt, was flattert da unter dem Scheibenwischer? Na klar, ein Knöllchen! 5 Euro fürs Parken ohne Parkscheibe. Schönauer nimmt’s gelassen: „Das ist das Los jeden Außendienstmitarbeiters.“

„Hast Du noch Spitzenpapier?“ „Moment, ich schau nach!“ „Strähnchenfolie?“ „Ja!“ „Handschuhe?“ Ein Blick in die Schublade: „Reicht noch bis zu deinem nächsten Besuch!“ Gabriele Walter hat ihre Bestellung abgeschlossen. Im Auto wieder der Griff zum Telefon. Moment, eine Nummer und Bezeichnung stimmen nicht. Zum Glück steht Schönauer noch vor dem Salon, also nochmal rein. Alles klar, es fehlte eine Zahl – weiter zum nächsten Kunden.


Nach zig Salonbesuchen schwirrt der Beifahrerin der Kopf, während Schönauer noch guten Mutes ist. Er hat ja auch noch zu tun: Alle Aufträge, die noch nicht telefonisch durchgegeben wurden, müssen nach Viersen gefaxt, eingegangene Bestellungen bearbeitet, vereinbarte Konditionen dokumentiert werden. Auch darüber, dass er bald 3 Wochen Urlaub hat, setzt er seine Kunden in Kenntnis. „Ich bin aber daheim. Wenn Du was brauchst, ruf an!“ Für einen Vollblut-Außendienstler gilt auch hier: kein Problem!

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Autor: Yvonne Rühle

 

 

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Info: 

::: Hair Haus Friseur Partner ist unter dem Dach der KMS-Group Management GmbH 2008 aus dem Zusammenschluss mehrerer Großhändler (Uschi-Versand, Comair, FKB, KMS und GS) entstanden. Seinen Sitz hat das Unternehmen in Viersen. Derzeit werden 30.000 Kunden von 100 Außendienstmitarbeitern betreut. Hair Haus betreibt zusätzlich 34 Abholmärkte und einen Online-Shop. Neben dem Vertrieb in Österreich (seit 1999) hat in diesem Jahr zum 1. April auch die Hair Haus Suisse AG die Arbeit aufgenommen :::