Jede Frau kann schön sein

Jede Frau kann schön sein, egal wie alt sie ist. Beautyexpertin Renate Lüdmann berät jede Kundin individuell. Fotos: Bettina Lewin, Hamburg

Schluss mit dem Jugendwahn“ sagt Friseurmeisterin und Beautyexpertin Renate Lüdmann (69) aus Hamburg. „Beauty 40 Plus“ heißt ihr Salon im Stadtteil Grindelberg, in dem sie ihre Kundschaft ganzheitlich berät. Haare, Make-up und Mode werden dem Stil jeder Kundin angepasst. Färben um jeden Preis muss da nicht sein. „Auch graue Haare können schön sein,“ sagt Renate Lüdmann selbstbewusst.

TOP HAIR: Sie führen seit Jahren erfolgreich einen Salon „Beauty 40 Plus“. Was machen Sie anders als andere Friseure?

Renate Lüdmann: Ich weiß nicht, ob ich etwas anders mache als meine Kollegen. Aber ich lasse mich nicht von den Vorurteilen „ je älter, desto kürzer die Haare“ oder „ Grauabdeckung um jeden Preis“  beeinflussen. Auch nicht von Marketingstrategien, wie „die Farbe oder der Schnitt des Monats“. Mein Konzept „Beauty 40 Plus“ ist, dass meine Kundinnen, die wie ich mitten im Leben angekommen sind, ihre übersehenen Pluspunkte für sich entdecken. Ich unterstütze die Kundin dabei, wie sie ihr Äußeres optimieren kann, oder welchen Wechsel sie step by step wagen sollte, z.B. durchaus auch von kurz auf lang, was die Kundin sich ein Leben lang gewünscht hat. Ich betrachte jede Kundin ganz individuell, bei mir gibt es keine Dubletten. So war ich schon als junge Friseurin.

Attraktive, ältere Frauen sind Ihre Zielgruppe. Was halten Sie von Kategorisierungen wie „Best   Ager“ oder „Silver Ager“?

Von diesen Kategorisierungen halte ich nichts, und meine Kundinnen auch nicht. Als die Industrie die Verbraucher über 40 als wachsende Zielgruppe für sich entdeckte, brauchte das Kind einen charmanten Namen. Wenn man hierzu heute bei Wikipedia oder im Duden für Szene-Sprachen nachliest, scheint die Auflistung unendlich zu sein. Die über 40-Jährigen lassen sich aber nicht in Kategorien einteilen, und je älter eine Frau wird, desto mehr sollte sie ihre eigene Persönlichkeit entwickeln. Es geht um Individualität und nicht um Kategorien. Da sollte die Haar-, Kosmetik,- und Mode-Industrie ansetzen.

Frauenzeitschriften vermitteln das Bild der jung gebliebenen und selbstbewussten Seniorin. Warum schaffen es Friseure nicht, sie als Kundin zu gewinnen und zufriedenzustellen?

Die meisten Friseure stellen sich vielleicht emotional nicht auf die Kundin 40 plus ein. Sie haben meist junge Mitarbeiterinnen, die oft technisch hervorragend ausgebildet sind und alles über Haare wissen, sich aber mit den Wünschen und Befindlichkeiten einer Frau über 50, 60 oder 70 nicht auskennen. Für eine kompetente Beratung dieser Zielgruppe ist ein gewisses Alter und eine gewisse Erfahrung von großem Vorteil. Reifere Kunden trauen jungen Mitarbeitern oft nicht zu, sie wirklich zu verstehen. Schon eine unbedachte Bemerkung einer jungen Friseurin kann Vertrauen und Bindung unmöglich machen. Und ohne Vertrauen fühlt sich die Kundin nicht wohl.

Als ich 20 Jahre alt war, waren für mich eine 35-jährige Kundin sowie eine Kollegin in diesem Alter uralt. Und dieses Gefühl soll und wird sich auch nie ändern, das liegt in der Natur des Menschen! Aber man kann diesen jungen Friseurinnen und Friseuren durch Schulungen und Beispiele zeigen, z.B.  durch Gespräche mit attraktiven reiferen Frauen, dass sich das Lebensgefühl trotz ein paar Falten und vielleicht auch grauer Haare nicht verändert. Die Lust am Leben, an der Liebe und Schönheit bleibt ein Leben lang gleich. Deswegen finde ich, jeder Salon sollte geschulte Kräfte haben. Im Übrigen, meine Mitarbeiterinnen sind Mitte zwanzig.

Die Frau ab 40, 50, 60 als Umsatzbringer. Was muss ich als Friseur anbieten? Make-up, Pflege für graues Haar, Grauhaarabdeckung um jeden Preis? Wie vermarkte ich diese Dienstleistungen?

Die Vermarktung geht über die Zufriedenheit der Kundin. Wenn der Friseur und seine Mitarbeiter im Umgang mit Frauen über 40 geschult sind, und sie haartechnisch und vor allem auch emotional kompetent beraten, wird die Kundin begeistert sein. Je mehr Frauen den Salon zufrieden verlassen, desto mehr gute Mundpropaganda wird es geben. Das würde ich als emotionales Marketing bezeichnen.

Benötige ich speziell geschultes Personal zur Bedienung älterer Kunden?

Ja, auf jeden Fall, ohne Schulung (oder Erfahrung) erhält man das Vertrauen der reiferen Kundin nicht. Sie erwartet einfühlsame Bedienung mit Erfahrung, am besten mit eigener Erfahrung. Das Gros der Salon-Mitarbeiter ist zu jung, um sich in eine ältere Kundin hineinversetzen zu können, gemeinsam mit ihr die Probleme herauszufinden, und die dann optimal zu lösen. Diese Erfahrung mache ich seit Jahren in meinem eigenen Salon. Da kommen mir mein Alter und meine Erfahrung im In- und Ausland sehr zugute. Deswegen ist eines meiner Ziele für die Zukunft, Filme zu produzieren oder Schulungen zu geben, aus denen jüngere Salon-Mitarbeiter lernen können, Frauen 40 plus emotional zu verstehen, richtig zu beraten und sie attraktiv und selbstbewusst zu machen.

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