Zehn Jahre am Ball

Siggi Ebenhoch setzt sich seit zehn Jahren für die Zweithaarversorgung von Krebspatienten ein.
Friseurmeister und Zweithaarexperte Siggi Ebenhoch gründete vor zehn Jahren den Solidarpakt für Krebspatienten. Foto: privat

Die fachgerechte Versorgung vom Haarausfall (vor allem durch Krebs) betroffener Kunden mit Zweithaar liegt Siggi Ebenhoch aus Hochheim besonders am Herzen. Der Friseurmeister und Zweithaarexperte gründete vor zehn Jahren einen Solidarpakt, der sich seit kurzem Solidarpakt für Krebs- und Alopeziepatienten nennt. Die Mitglieder stimmten in ihrer Jahresversammlung für die Umbenennung. TOP HAIR sprach zum zehnjährigen Jubiläum mit Siggi Ebenhoch.   

TOP HAIR: Herr Ebenhoch, warum hat sich der Solidarpakt einen neuen Namen gegeben?

Siggi Ebenhoch: Der Impuls für die Gründung des Solidarpaktes war die Wut, dass so getan wurde, als ob man eine fachgerechte Arbeit in der Zweithaarversorgung nicht benötigen würde und, dass das pure Aussuchen und Aufsetzen einer Perücke wie im Kaufhaus seinen Zweck erfüllen würde. Das Resultat waren leidende Patienten, insbesondere die, die Krebs hatten. Aus diesem Impuls für die Krebspatienten heraus hat sich immer mehr entwickelt und die Palette der Anforderungen ist größer geworden, insbesondere im Bereich anderer Arten von Haarausfall. Um hier auch nach außen hin zu zeigen, dass unser fachliches Wissen nicht nur auf Perücken für Krebspatienten beschränkt ist, müssen wir auch namentlich Flagge zeigen.

Seit zehn Jahren tritt der Solidarpakt für die Interessen der Patienten ein. Wie hat sich in dieser Zeit die Qualität der Perückenversorgung durch die Friseure verändert?

Die spezielle Soliertechnik ist der Schlüssel, um vom herkömmlichen Perückenverkauf auf fachgerechte Versorgung umzusteigen. Unser Anspruch bei der Zweithaarversorgung ist, dass wir dem Patienten nicht nur schöne Haare erstellen, denn das ist subjektiv je nach Betrachter. Erst wenn die Seele des Patienten selbst entlastet ist, haben wir unsere Arbeit so ausgeführt wie wir es uns als Ziel vorgenommen haben. „Haare berühren die Seele“ = Das Lächeln des Patienten nach der Fertigstellung (ca. 2 Stunden) zeigt uns, ob wir unser Ziel erreicht haben.

Der SPFfK hat  an u. a. drei wichtigen Punkten die Versorgung perfektioniert:

  1. Bei der fachlichen Arbeit = Soliertraining
  2. Produkt = SPFfK-Perücke
  3. Pädagogische Schulung im Umgang mit so einem sensiblen Kundenklientel

Die Qualität der Perückenversorgung durch die Friseure hat sich aus folgenden Gründen zum Positiven entwickelt, weil
- die Anzahl der sich weiterbildenden Friseure steigt, die mit Herz bei der Sache sind.
- wir mittlerweile an Bekanntheit gewonnen haben und die Patienten sogar oft mehrere Kilometer Anfahrtsweg in Kauf nehmen, um sicherzugehen, dass Sie fachgerecht versorgt werden.
- wir unsere Mitglieder stetig fachlich und pädagogisch schulen, damit der hohe Qualitätsstandard beibehalten wird.

Wird die Zusammenarbeit mit den Krankenkassen immer schwieriger?

Wir haben jahrelang versucht, über Musterprozesse die Höhe einer fachgerechten Versorgung gerichtlich, und damit für die Krankenkassen bindend, feststellen zu lassen. Leider erreichten wir immer nur Einzelurteile und kein Grundsatzurteil. Nachdem der BVZ (Bundesverband der Zweithaarindustrie) den VDEK-Vertrag (Verband der Ersatzkrankenkassen) mit Unterschrift akzeptiert hatte, ohne dass damit eine Verbesserung der Perückenversorgung einhergegangen wäre (teilweise wurde die Zuzahlung sogar schlechter), macht es keinen Sinn mehr in dieser Richtung Geld und Zeit zu investieren.

Ermutigend ist aber, dass es Krankenkassen gibt, die Haare als Hilfsmittel gut bezuschussen, im Gegensatz zu denen, die das Thema Perückenversorgung anscheinend „als nicht so wichtig“ wie andere Hilfsmittelversorgungen ansehen. Interessant sind aber die Erfahrungen, die wir mit unseren Patientinnen in den letzten zehn Jahren gemacht haben – sowohl in der Vollhaarersatz- als auch Teilhaarersatzversorgung. Die Frauen und Männer sind sehr wohl bereit Zuzahlungen zu leisten (wenn Krankenkassen nur einen niedrigen Betrag bezuschussen). Ihnen ist es wichtig, dass Sie Ihre „NEUEN HAARE“ – als Ihre EIGENEN Haare akzeptieren.

Welche Schwerpunkte setzt der Solidarpakt für die nächsten zehn Jahre?

Weiterbildung, Weiterbildung, Weiterbildung!!!!!! Wir setzen auf Qualität und nicht auf Quantität in Bezug auf die Anzahl unserer Kompetenz-Zentren.

Wie viele Mitglieder hat der Solidarpakt aktuell?

Wir haben derzeit 45  Mitglieder mit 52 Kompetenz-Zentren. Unser Ziel ist eine gewisse Flächendeckung von SPFfKlern in Deutschland zu erreichen, bei denen ein gewisser „Sicherheitsabstand“ vorhanden sein muss, damit auch die Offenheit zum fachlichen Austausch vorhanden ist und  erhalten bleibt. Wer schult schon gerne seine eigenen Mitbewerber?

Diese Offenheit ist unsere Stärke! Wir haben so hochkarätige Mitglieder, wo jede Frage eine passende Antwort findet, dadurch ist der fachliche Austausch fantastisch. Es macht Spaß, sich mit den Starken der Branche zu messen und erfahren zu können, wo noch die eigenen Schwächen liegen, die ja jeder hat. Sobald man denkt, dass man genügend Wissen hat, ist man bereits auf dem Abwärtstrend. Wir müssen bestrebt sein, Morgen bereits wieder besser zu sein als heute und genau das ist, was der Solidarpakt der Friseure für Krebs- und Alopeziepatienten nie aus dem Auge verliert.

Was ist Ihre persönliche Bilanz als Vorsitzender?   

Wir konnten nichts Besseres für die Menschen tun, die mit Haarverlust geplagt sind, als den Solidarpakt für Krebs- und Alopeziepatienten zu gründen. Dadurch haben wir klar erreicht, dass das Schild „fachliche Qualität“ hoch gehalten wird. Es ist jedem klar geworden, dass nur eine solide, fachliche und handwerkliche Arbeit der Garant für schöne Haare ist.

Mir persönlich wäre ohne SPFfK so vieles entgangen! Hier kann ich einfach nur „Danke“ sagen, an alle meine SPFfK-Freunde.

Info: www.spffk.de

Text: Stephanie Schober