Durchstart-Hilfe

Mit einem Franchise-Konzept wagen viele den Schritt in die Selbstständigkeit. Grafik: Benjamin Sackmann
Die Zahl der Franchise-Angebote und -Salons wächst. Ist das auch ein Weg für Sie? Grafik: Benjamin Sackmann

Auch in der Friseur-Branche wächst die Zahl der Franchise-Angebote und -Salons. Sie setzen auf bewährte Konzepte – und sehr gute Erfolgschancen.

Wer sich selbstständig machen möchte, sieht meist hohe Kosten auf sich zukommen, begleitet von einem nur begrenzt kalkulierbaren Risiko. Mit letzter Sicherheit lässt sich nunmal nicht vorhersagen, ob die Geschäftsidee leistet, was sich der Existenzgründer erhofft!

Risikominimierung 

Nicht zuletzt, um diese Gefahren zu begrenzen, entscheiden sich viele Start-up-Unternehmer, aber auch gestandene Geschäftsleute mit Expansionswunsch für Modelle, die sich im Markt bereits bewährt haben und für deren Nutzung sie eine Lizenz erwerben. Sie zahlen eine einmalige Gebühr bei Vertragsabschluss und entrichten darüber hinaus einen monatlichen Obulus, in einer vorab festgelegten Höhe oder umsatzabhängig, erhalten als Gegenleistung ein fertiges Unternehmenskonzept und viele weitere Unterstützungsleistungen, etwa Werbemittel, Hilfe bei der Finanzierung, beim Erstellen des Businessplans und bei der Unternehmensführung. Dieser vertraglich festgelegte Austausch von Leistung und Gegenleistung verbirgt sich hinter dem Begriff Franchise. 

Konzeptvielfalt

Wie in anderen Markt-Bereichen explodiert auch in der Friseur-Branche die Zahl der Franchise-Anbieter. Tummelten sie sich zunächst nur im Bereich der Superbillig-Salons so gibt es inzwischen viele anspruchsvolle Konzepte, die auch den Komfort-Aspekt berücksichtigen und das Mittelpreissegment hinter sich gelassen haben, j.7 hair lounge oder Keller Haircompany etwa. „Momentan haben wir 16 Franchise-Salons – mehr nicht. Uns ging die Qualität immer vor Quantität“, so Dieter Keller. Achim Rothenbühler, j.7, ergänzt: „Ich halte es für wichtig, den Markennamen zu schützen. Wir lehnen daher auch manche Anfragen ab.“ Ähnlich verfährt auch Oliver Schmidt, der gleich mehrere Lizenzkonzepte anbietet und zuletzt mit „Individuals“ auf den Markt kam. Anwärter hat er auch schon abgelehnt. Er sucht Friseure mit Herz: „Existenzgründer sind hier ebenso gefragt wie bereits selbstständig arbeitende Friseure, die ihren Salon umwandeln wollen, um sich dem Markt anzupassen.“

Achim Rothenbühlers Franchise-Konzept ist so detailliert, dass die Kundin sich in jedem j.7-Salon so heimisch fühlt wie in ihrem Stamm-Salon; die Vorgaben reichen von der Einrichtung über die verwendeten Produkte bis hin zur Kommunikation am Stuhl oder am Telefon. Über Erfolg oder Misserfolg entscheidet letztlich die Grundeinstellung des Franchise-Nehmers.
Wer beispielsweise aufsteigen will zum Friseur-Star à la Udo Walz, der ist mit der Übernahme eines Konzeptes sicher schlecht bedient. Er sollte besser mit seinem eigenen Modell und individuellem Salon zu reüssieren versuchen. Denn das Top-Segment – exklusives Ambiente mit Spitzenpreisen und Spitzenservice – bleibt dem Besonderen vorbehalten, das die Einzigartigkeit der Kundin mit einzigartigem Ambiente unterstreicht und zugleich die Unternehmer-Persönlichkeit aufs Individuellste in Szene setzt.

Persönliche Voraussetzungen

Franchise-Konzepte sind nämlich nur passend für die Unternehmer, die ihr Ego zumindest ein Stück zurücknehmen können: 

1.     Existenzgründer, die auf Nummer sicher gehen wollen, die einen starken Partner suchen, der sie bei Einrichtung, Weiterbildung, Marketing etc. unterstützt.

2.     Erfahrene Selbstständige, die expandieren oder sich aus dem Tagesgeschäft (teilweise) zurückziehen wollen, für Schulung, Weiterbildung und PR daher einen Partner suchen, der ihren Part übernimmt.

3.     Branchenfremde Unternehmer, die die Friseur-Branche für sich erobern wollen.

Im Allgemeinen gehen die Franchise-Konzepte zurück auf einen Friseur-Unternehmer, der seine Salon-Idee einmal oder schon mehrfach so erfolgreich in die Praxis umgesetzt hat, dass er sie mit standardisierten Parametern auf andere Standorte übertragen kann. Je nach Konzept können u. a. folgende Vorgaben gemacht werden: Standort, Einrichtung, Farben, Werbung, Haarkosmetik, Preise. Mag der Eine diese ,Vorgaben‘ als einengend betrachten, so sind sie für den Anderen eine wertvolle ,Gehhilfe‘ bei seinen ersten selbstständigen Schritten in einem umkämpften Markt: Denn der junge Unternehmer profitiert vom Wiedererkennungswert der immer gleichen Farben, des unverwechselbaren Interieurs, des Logos und der Preise und – häufigster Fall – von der Unterstützung in allen betriebswirtschaftlichen Fragen.

 

>>> Zwei Erfolgsstories

Mehr zum Thema Franchise lesen Sie in der TOP HAIR Business vom 15. Januar 2011.