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Fälschungen in der Friseurbranche

ghd-Original und Fälschung
Fälschungen sind vom Original heute auf den ersten Blick teils nur noch schwer zu unterscheiden. Foto: ghd
Mogelpackung

Fälscher machen auch vor der Friseurbranche nicht halt. Wie Firmen damit umgehen

Im vergangenen Jahr stellte der Zoll gefälschte Waren im Wert von 364 Millionen Euro sicher. Auch wenn keine konkreten Zahlen für die Friseurbranche vorliegen – ist sie längst von Produktfälschungen betroffen: Gerade im Bereich der professionellen Arbeitsgeräte würden immer mehr Markenfälschungen auftauchen, stellt Alexander Benesch, Projekt- und Rechtsreferent vom Aktionskreis gegen Produkt- und Markenpiraterie (APM), fest. Vor allem elektrische Geräte wie Föhns und Glätteisen, aber auch hochwertige Scheren werden gefälscht. Die Fälscher sitzen dabei meist in asiatischen Ländern. Den deutschen Markt erreichen die Plagiate per Internetbestellung auf dem postalischen Weg. Fälschungen können so direkt vom Hersteller an den Endkunden geliefert werden und müssen nicht mehr in großen Stückzahlen ins Bestimmungsland verschifft werden, so Benesch. Durch diese Einzellieferungen wird es auch für den Zoll immer schwerer, gegen diese Markenrechtsfälschungen vorzugehen.  

Wöchentliche Vorfälle

Viele Unternehmen sind mittlerweile sensibilisiert. Sie gehen gezielt und strikt gegen Marken-Piraterie vor, teilweise mit eigenen Abteilungen, und setzen sogar Detektive ein, um Fälschern auf die Spur zu kommen. Recht regelmäßig bucht Jaguar im Ausland die Spürnasen-Dienste von Detektiven im Kampf gegen die Piraten: „Sobald wir einen ernstzunehmenden Hinweis haben, setzen wir entsprechend Detektive ein“, erklärt André Schmidt, Leiter Strategische Projekte bei der Jaguar Stahlwarenfabrik. Fast wöchentlich ist das Unternehmen mit einem neuen Fall von Fälschungen konfrontiert. Da man auf Messen stets kontrolliere, seien dort nur noch vereinzelt Jaguar-Kopien zu finden, berichtet Schmidt. Eine wahre Fundgrube seien hingegen Internetseiten wie ebay: „Da ist es für den Friseur natürlich noch schwieriger zu beurteilen, ob es sich um ein Original oder eine Kopie handelt.“

 

 

Online-Angebote unter der Lupe

Auch bei ghd nimmt eine eigene Abteilung die gängigen Online-Angebote gezielt unter die Lupe. Je nach Fall werden Ansichtsmuster bestellt, um zu überprüfen, ob es sich um Originalware oder Fälschungen handelt. Ist letzteres der Fall, wird Anzeige erstattet, der Fall der Polizei übergeben. Das Unternehmen ist sehr aktiv, wenn es um den Schutz eigener Produkte geht: Ausführlich werden die Kunden etwa auf der Homepage auf das Thema aufmerksam gemacht. Dort lässt sich auch der gekaufte Styler anhand einer Seriennummer auf seine Echtheit überprüfen. „Etwa 25 Prozent der verkauften Styler werden auf unserer Website anhand der 15-stelligen Seriennummer auf Echtheit überprüft“, berichtet Jan Gröner, zuständig für Markenschutz: „Davon sind täglich etwa zehn bis 15 dabei, bei denen es sich um Fälschungen handelt.“ Und die sind mittlerweile nicht mehr nur immer schneller auf dem Markt, sondern häufig auf den ersten Blick auch nicht als solche zu erkennen.  

Gefahr für den Kunden

Das böse Erwachen für den Kunden folgt später: „Die Technik in Inneren ist absolut minderwertig und nie den gezahlten Preis wert.“ Nicht zuletzt gehe man auch das Risiko ein, sich zu verletzen: Ruinierte Haare, Verbrennungen und Stromschläge seien möglich, da die Produkte über keine Sicherheitsstandards verfügen. Dabei gehen die Fälscher auch noch extrem dreist zur Sache und bieten Modelle an, die es vom Originalhersteller gar nicht gibt, so Gröner.

Dreiste Fälscher

Von sehr dreisten Fälschern kann auch Elke Rahmann, Leiterin Marketing bei Tondeo, berichten: „Pakistan ist mittlerweile ein großer Herstellermarkt. Von dort wurden uns Scheren mit Tondeo-Aufdruck zum Kauf angeboten.“ Wo man früher nur wenige Markenrechte und Schutzpatente angemeldet hatte, gehe Tondeo heute ganz gezielt in den einzelnen Märkten vor – man sei gut aufgestellt, sagt Rahmann: „Es ist schwierig, unsere Scheren zu kopieren.“ Tondeo-Fälschungen erkenne sie auf den ersten Blick: „Sie sind schlecht verarbeitet und klapprig.“

Neben den üblichen Schutzrechten kann sich Tondeo auf das Solingen-Gesetz berufen, das Schneidwaren aus Solingen schützt. „Auf deutschen Messen, werden Sie keine Plagiate finden“, sagt Rahmann. Anders sieht es da im Ausland aus. „In Bologna beispielsweise habe ich schon häufig gesehen, dass ganze Stände dicht gemacht und leer geräumt wurden.“  

Gefahr für den Kunden

Auch das italienische Unternehmen Parlux, Lieferant der Großhändlers Fripac Medis, berichtet, dass auf der vergangenen Cosmoprof Aussteller mit gefälschten Parlux-Produkten entdeckt wurden. Mehr als 2700 Fälschungen, hauptsächlich aus China, seien dort von den italienischen Behörden konfisziert worden, teilt das Unternehmen in einer Presseerklärung mit.

Auch das Schweizer Unternehmen Solis hat vor allem im Ausland Probleme mit Fälschungen, Besonders in China sei das ein großes Thema, so Mara Agnelli von der Pressestelle. Konfrontiert mit der Problematik werden vor allem die Außendienstmitarbeiter, die international tätig sind. Auch die Partner und Distributoren geben dem Unternehmen Tipps, wenn Sie Fälschungen sichten, damit rechtliche Schritte unternommen werden können.

Wirtschaftlicher Schaden

Auf dem wirtschaftlichen Schaden, den keines der Unternehmen so genau beziffern kann, bleiben die Firmen sitzen. Auch handle es sich bei den aufgespürten Produkten sicher nur um die Spitze des Eisbergs, so Jan Gröner von ghd.

Selbst wenn ein Fälscher dingfest gemacht wird, gehen die Unternehmen meist leer aus: „In den meisten Fällen erhalten wir keine Entschädigung. Auf keinen Fall werden entstandene Kosten durch Anwälte etc. gedeckt“, erklärt André Schmidt von Jaguar.

Wer sich schützen will und effektive Prävention von Produktfälschungen betreibe, müsse finanziell wie zeitlich viel investieren, so Alexander Benesch von APM. Vor allem für kleine Unternehmen sei dies nur schwer zu bewältigen.

Kompliment

Bei allen Firmen, die von Plagiaten betroffen sind, wird aber auch der Wert der Marke deutlich: Wer nachgeahmt und gefälscht wird, ist gefragt. „Inzwischen kann man es sogar als  ,Kompliment’ betrachten, wenn die Produkte gefälscht werden. Das bedeutet, wir bieten sehr gefragte Produkte an, die sich gut verkaufen lassen“, erklärt Mara Agnelli von Solis. Das bestätigt auch Alexander Benesch: „Die Erfahrung zeigt, dass die Fälscher nach dem Motto ,Gefälscht wird, was erfolgreich ist’ handeln.“

Autor: Yvonne Rühle 

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