Unternavigation:
Problemzone Hände
Ganz besondere Belastungen müssen die Hände ertragen: Spitzenleistungen werden von ihnen verlangt, den ganzen Tag über, in mehr oder minder gekrümmter Haltung. „Die Finger sind nie gerade, die Hand ist fast zur Faust geballt. Und das kann zu schmerzhaften Verkürzungen der Muskulatur führen“, erläutert die engagierte Physiotherapeutin. Auch die Handgelenke werden stark strapaziert, sind überstreckt, verdreht und geknickt.
Gefährdungen also lauern überall, nur einige haben wir gerade beschrieben. Hinzu kommen denkbare psychische Belastungen etwa durch Stress, und auch sie können wiederum körperliche Beschwerden wie Rückenschmerzen zur Folge haben. „Am besten“, meint Julia Dördelmann, „ist natürlich das Vermeiden von Problemen. Wir, der Verband selbstständiger Physiotherapeuten, haben dafür das Konzept ,Bewegter Betrieb‘ entwickelt. Der Titel sagt schon alles: Bewegung ist gut und soll langfristig zu einem gesunden Lebensstil motivieren!“
Aktive Pausen
Oft sind es bereits Kleinigkeiten, die viel bewirken können. Aktive Pausen einzubauen, ist ihr dringender Rat. Die Mittagspause also verbringt man, ihr folgend, nicht sitzend am Tisch, vielmehr nutzt man sie etwa für eine Runde um den Block oder mit kleinen Bewegungsübungen. „Man sollte sich nie zu viel vornehmen“, meint die Fachfrau. „Je komplexer das Programm, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass man es nicht durchzieht.“ Realistischer ist es daher, sich kleine Bewegungen vorzunehmen, die man ohne Aufwand – und ohne Aufsehen – einfach mal zwischendurch machen kann: die Brust rausstrecken und dehnen, den Oberkörper drehen und in verschiedene Richtungen strecken, bewusst und ganz tief ein- und ausatmen, beim Schneiden die Haltung verändern, vielleicht gar zwischen Stehen und Sitzen abwechseln.
Wer gern hohe Absätze trägt, sollte zwischendurch mal für einige Zeit zu flachen wechseln, kann sich auch ganz hoch auf die Zehen stellen und im Wechsel das Gewicht wieder auf die Fersen verlagern. „Das aktiviert die Wadenmuskulatur“, erklärt Julia Dördelmann. Und wenn Sie zwischendurch mal ein paar freie Minuten finden und einen unbeobachteten Moment, dann bringt eine ,Klopfung‘, das Abklopfen des ganzen Körpers, neuen Schwung: „So wird die Durchblutung angeregt.“
Verwöhnprogramm für beanspruchte Hände
Die besonders beanspruchten Hände verwöhnt man mit einer kleinen Spezialmassage, indem man Fingerglied für Fingerglied und Zentimeter für Zentimeter des Handtellers sanft knetet. „Unser eigentliches Anliegen ist es ja, das Körperbewusstsein zu schulen, damit die persönlichen Fähigkeiten optimal genutzt werden können“, erläutert die Physiotherapeutin. Die Mitarbeiter sollen selbst erkennen lernen, was ihnen gut tut. Und zwar frühzeitig und ehe gesundheitliche Probleme auftauchen.
Azubis beispielsweise klagen selten über Rückenschmerzen, auch dann nicht, wenn sie einen halben Tag vorgebeugt am Waschbecken gearbeitet haben. Aber wie mag es ihnen 20 Jahre später ergehen? „Hier müssen wir früh ansetzen“, sagt Julia Dördelmann mit Nachdruck. „Hier müssen wir ein Bewusstsein schaffen und dafür sorgen, dass man sich eine zu einseitige Haltung gar nicht erst angewöhnt.“
Abwechslung im Arbeitsalltag
Auch die Salon-Inhaber sind gefordert, wenn die Fachfrau zu abwechselnden Tätigkeiten rät. Wer den ganzen Tag wäscht, wer den ganzen Tag schneidet, wer den ganzen Tag an der Rezeption steht, der neigt zu starren Haltungen. Wer immer wieder neue Aufgaben hat, der bleibt eher in Bewegung. Vehement befürwortet Julia Dördelmann auch den Gebrauch von ergonomisch konzipiertem Werkzeug – und von neuartigen Schnitttechniken. Eng arbeitet sie mit Karen Schütz zusammen, der Göttinger Friseurunternehmerin (http://www.karen-schuetz.de), die schon seit Jahren eine eigene ergonomische Schere und eine innovative und schonende Scherenhaltung propagiert – für den Spaß bei der Arbeit und für die Gesundheit.



