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Zwei heiße Eisen

- Ein Thema, das für viel Zündstoff sorgt: Lohnerhöhung dank Preiserhöhung. Friseurin Beatrix Bronisch und Friseurunternehmer Robert Dietz diskutieren mit TOP HAIR- Chefredakteurin Dr. Rebecca Kandler und TOP HAIR-Redakteurin Brigitte Wulff (v.l.). Foto: Melanie Fredel
Zehn Prozent höhere Preise gekoppelt mit etwa 20 Prozent mehr Lohn – eine spannende Diskussion mit Robert Dietz und Beatrix Bronisch
TOP HAIR: Herr Dietz, Sie haben mit ihrer Aktion 10 plus 20 Prozent einen Stein ins Rollen gebracht?
Robert Dietz: Ja, von der Resonanz waren wir selbst überrascht. Wir haben eine umfassende Unternehmensstrategie mit einer Powerkampagne gestartet. Im Mittelpunkt standen eine Preiserhöhung von etwa zehn Prozent und etwa 20 Prozent Lohnerhöhung für unsere Mitarbeiter in Thüringen und Sachsen. Und das haben wir in Anzeigen kommuniziert. An dieser Stelle gleich der Hinweis, dass unsere Salons in Nordrhein-Westfalen wegen des dort herrschenden hohen Tariflohn-Niveaus davon ausgeschlossen sein mussten.
TOP HAIR: Das heißt, Sie haben in der Öffentlichkeit die Preiserhöhung damit begründet, dass Ihre Mitarbeiter mehr Geld erhalten. Wie haben die Kunden reagiert?
Robert Dietz: Durchweg sehr positiv, manche haben es gar nicht wahrgenommen. Die Preiserhöhung als solche war natürlich nicht radikal, denn der Ausgangspreis lag bei 22 € in Sachsen und Thüringen. Aber unsere Mitarbeiter haben sich aufgewertet gefühlt.
TOP HAIR: Wie stufen Sie Ihr Preisniveau ein?
Robert Dietz: In der Mitte. Wir haben Paketpreise. Schnitt und Frisur kosteten zwischen € 22 im Osten und 26 Euro im Westen. Das war die Basis für die Erhöhung.
TOP HAIR: Frau Bronisch, wie haben Sie von der Kampagne der Dietz-Salons erfahren?
Beatrix Bronisch: Meine Mitarbeiter haben die Veröffentlichung in der Zeitung gelesen und mir vorgelegt. Sie haben natürlich mit einer ähnlichen Erhöhung gerechnet, auch wenn alle bereits über Tarif mit Leistungslohn bezahlt werden. Alle haben übersehen, dass es eine Anzeige war. Gut gemacht …
TOP HAIR: Und wie haben Sie reagiert?
Beatrix Bronisch: Ich brauchte ein paar Minuten, um hier eine Antwort zu finden. 20 Prozent Lohnerhöhung, das ist schon gewaltig. Große Gewerkschaften holen ein paar Prozent für zwei Jahre raus. 20 Prozent, das klingt für mich wie im Märchen, und das in unserer Branche, in der es vielerorts talwärts geht. Eine clevere Strategie in Zeiten von Mitarbeitermangel.
TOP HAIR: Sie haben uns einen Brief geschrieben und darin gefragt: Wie macht Herr Dietz das?
Robert Dietz: Eine gute Frage. Ich schau auf ein langes Erwerbsleben zurück. Während meines Berufsstarts in einem Kölner Intercoiffure-Salon in den 60er Jahren kostete ein Haarschnitt etwa DM 3,50. Betriebswirtschaftliche Kenntnisse hatten die wenigsten. Wenn das Geld nicht mehr reichte, wurden die Preise automatisch erhöht. Die Zeiten haben sich natürlich stark verändert und der harte Wettbewerb unter den Filialisten prägt vielerorts die Friseurlandschaft. Und da haben wir es z. T. auch mit schlechten Konzepten zu tun. Aber es gibt eine Menge erfolgreicher Unternehmen, auch wenn es bei der Mittelschicht nicht gerade günstig läuft. Grundsätzlich lohnt ein Blick auf die Erfolgreichen, denn sie machen uns vieles mit ihren Konzepten vor. Ohne geht es sowieso nicht.
>>> Wird Beatrix Bronisch dieses Modell auch für sich übernehmen?



