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Initiative wird weiter wachsen
TOP HAIR International: Herr Krombholz, wie viele Salons haben sich schon als fairer Salon registriert?
René Krombholz: Aktuell sind es heute 203 faire Salons. Der Zulauf stagnierte eine Zeit, auch durch personelle Ausfälle im Salon meiner Frau, die meine Arbeitskraft dort benötigte. Dadurch gab es in der Initiative weniger Bewegung. Inzwischen ist wieder Leben eingekehrt. Die Zwangspause hat auch neue Ideen und Perspektiven gebracht, und ich bin sicher, dass wir dadurch sogar stärker geworden sind.
Sie haben auch die Publikumspresse über die Initiative informiert. Wie waren die Reaktionen?
Scheinbar sind in Deutschland nur schlechte Meldungen interessant. Frauenmagazine, die sonst sehr rege über Haare und Frisur, sprich auch Friseure berichten, beachteten das Thema überhaupt nicht.
Im Vordergrund des Interesses stand bei der Presse in der ersten Phase der „faire Lohn“. Das mag im ersten Moment bei Kunden zwar gut ankommen, aber letztlich fragt sich jeder: „Was habe ich davon?“ Da siegt der Egoismus!
Wichtiger ist es aber, im Markt transparent und für Kunden verständlich zu werden. Wenn ich ein paar Beispiele nennen darf?
Aber bitte doch!
Kunden sehen einen Haarschnitt einmal für zehn Euro und dann wieder für 40 Euro. Wie Preise zu Stande kommen, Hintergründe, Gefahren und Bedenkliches… das ist vollkommen unbekannt.
Nehmen wir beispielsweise die Dauerwelle mit anderthalb Stunden Arbeit, enthaltener Mehrwertsteuer von 19 Prozent, Materialkosten, Allgemeinkosten und Gewinn – all das – überspitzt formuliert - für zehn Euro? Stopp! Das stimmt was nicht!
Konzeptfriseur, Discountfriseur, Billigfriseur - nein, das ist eben nicht immer die gleiche Leistung, die dahinter steckt. Die Konzepte sind unterschiedlich und das sollten Kunden wissen! Denn wo „Friseur“ draußen dran steht, ist nicht immer „Friseur“ drin! Immer mehr An,- und Ungelernte stehen im Salon an den Köpfen der Kunden. Darüber muss geredet werden!
Mir persönlich ist es auch wichtig, das Bewusstsein der Menschen für den Respekt vor der Leistung des Anderen zu schärfen. Was erwarte ich von einer Friseurin, die sich für 800 Euro im Monat von morgens bis abends abrackert?
Das, was bei „Geiz ist geil“ an der Kasse gespart wird, zahlen die Verbraucher durch höhere Beiträge und Zuzahlungen wieder drauf: Einfach weil die Sozialsysteme weniger Einnahmen durch Niedriglohnempfänger verzeichnen und diese gleichzeitig wieder unterstützen müssen.
Fair ist es hingegen, Andere am Erfolg teilhaben zu lassen! So agieren zahllose fair arbeitende Friseurbetriebe, die nicht vom Staat subventioniert und mit Steuersparmodellen beschenkt werden! Von zehn Euro, die eingenommen werden, gehen 4,30 Euro zurück in die Solidargemeinschaft - zum Wohle Aller! Das darf man sagen!
Kommen wir zurück zu den Reaktionen der Publikumspresse. Bislang sprachen Sie nur von Frauenmagazinen, reagierten andere Medien mit der gleichen Zurückhaltung?
Besser sah es bei der Tagespresse aus, hier fanden sich bundesweit – auch durch Initiative der einzelnen Mitglieder – zahlreiche Artikel und Presseberichte in der örtlichen Presse.
Verblüffend für mich: In Norddeutschland wurden die Medien von den Innungsverbänden mit derselben Thematik versorgt und berichteten ausführlich. Obwohl wir alle LIV’s ausführlich über diese Initiative informiert haben, vermissen wir jegliche Resonanz, Unterstützung oder Zusammenarbeit. Die machen dann lieber daraus „ihr eigenes Ding“, so mein Eindruck.
Ich möchte alle Kollegen und Mitglieder des „fairen Salon“ ermutigen, alle Möglichkeiten zu nutzen, die lokale Presse zu informieren! Das klappt selten beim ersten Mal!
Vorgefertigte Pressemeldungen für sie gibt es im Starterpaket zum Weiterbearbeiten am PC oder als Download bei www.friseur-news.de
Herr Krombholz, wie fällt Ihr Fazit nach einem guten Dreivierteljahr aus?
„Der faire Salon“ ist auch eine Kampagne kontra „Geiz ist geil“ und kontra Lohndumping. Sie ist nicht gegen Betriebe gerichtet, die preiswert und trotzdem fair arbeiten, sehr wohl aber gegen Unfairness und Profit auf Kosten Anderer.
Diese Initiative soll den Friseuren den Rücken stärken, die das Wohl der Mitarbeiter und Kunden im Auge haben, so wie es der Friseurkodex der EU vorsieht. Zur Zufriedenheit und zum Erfolg von Kunden, Mitarbeitern und Unternehmen.
Rückblickend ist zu sagen: Es war ein guter Anfang, Wunder dauern meistens länger. Nur wenige Innungen und Verbänden sind in dieser Sache aktiv geworden, da waren einzelne Obermeister und Friseure reger. In der Berichterstattung standen meist die fairen Löhne im Vordergrund, die anderen Themen verblassten. Wir sind gerade dabei genau das zu ändern.
Wir sind sicher, dass die Initiative weiter wachsen wird. Wir sind auf dem richtigen Weg und die Zeit ist reif dafür. Die Menschen erkennen langsam, dass sie mit niedrigen Preisen zu niedrigen Löhnen beitragen und eine entsprechende Qualität dafür bekommen…. und die Zeche dafür selber zahlen müssen.
Zum Schluss habe ich noch eine Bitte: Wir informieren alle Teilnehmer regelmäßig per Mails über den Stand der Dinge, über Pressemeldungen und Sonstiges. Wer bisher noch keine News erhalten hat, möge sich bitte per Mail melden bei mail[at]der-faire-salon[dot]de
Alle Neuigkeiten über den fairen Salon lesen Sie zuerst in der TOP HAIR




